Beim besuch in Meckenheim hattte der Minister einen schweren Stand: Bedrohung aus Berlin

Beim besuch in Meckenheim hattte der Minister einen schweren Stand
Bedrohung aus Berlin

Umzug des BKA? Otto Schily hat nicht nur die Ermittler gegen sich aufgebracht. Auch die SPD schäumt.

MECKENHEIM. Als der dunkle Hubschrauber mit dem Bundesinnenminister an Bord gegen 9.45 Uhr in Meckenheim bei Bonn landet, schüttet es wie aus Eimern. Durch einen Nebeneingang eilt Otto Schily (SPD), er ist spät dran, in den großen Versammlungsraum der Außenstelle des Bundeskriminalamts (BKA) – und die fast vollständig versammelten 1 000 Mitarbeiter empfangen ihn mit einem gellenden Pfeifkonzert. Gemeinsam mit BKA-Präsident Ulrich Kersten soll der Bundesinnenminister den Ermittlern erklären, warum sie plötzlich nach Berlin versetzt werden sollen. Und warum die Zahl der BKA-Mitarbeiter in Berlin bis 2008 von 500 auf 2 500 aufgestockt werden soll. Draußen vor dem Hauptportal demonstrieren derweil die Frauen und Kinder vieler Beamter. „Ich bin kein Berliner“, steht auf ihren Plakaten und „Geiz ist geil. Otto – spar dir die Millionen für den Umzug“.

Herzlich Willkommen beim Bundeskriminalamt. Die Behörde, deren vordringlichste Aufgabe es in diesen unruhigen Zeiten ist, die Bevölkerung vor den Gefahren des internationalen Terrorismus zu schützen, beschäftigt sich mal wieder mit sich selbst. „Bei diesem Umzug wird viel kriminalistisches Hirn auf der Strecke bleiben“, schwant Ex-BKA- Präsident Hans-Ludwig Zachert, der die Behörde zwischen 1990 und 1996 leitete. Die Pläne lösten eine gewaltige Unruhe unter den Beamten und den betroffenen Familien aus und lähmten die Ermittler. „In Zeiten höchster terroristischer Bedrohung hängt man sich doch nicht ein solches Problem an den Hals.“

Auch politisch hat sich Schily mit seinen Umzugsplänen für das BKA Ärger eingehandelt. Selbst in der eigenen Partei hagelt es Kritik. Schily habe sich mit niemandem abgesprochen und keinem Kabinettskollegen Bescheid gegeben, schimpfen Fraktionskollegen – nicht einmal jenen aus den betroffenen Ländern Hessen und Nordrhein-Westfalen. Die Opposition schießt ohnehin aus allen Rohren. Heute will sie den Schachzug des Innenministers mit einer aktuellen Stunde kontern. „Schily leidet unter Zentralisierungswahn“, schimpft der parlamentarische Geschäftsführer der Union, Volker Kauder.

An diesem Morgen aber, im von meterhohen Sicherheitszäunen und dicken Mauern umschlossenen BKA, muss sich Schily erst einmal den Ermittlern stellen. Er hatte sie stets gelobt in den vergangen Monaten, vor allem für ihre Aufklärung der Hintergründe der Anschläge vom 11. September.

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