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09.05.2008 
Ministerpräsident Peter Müller zur Steuerdebatte

„Beim Bürger ist das Geld besser aufgehoben“

von Sven Afhüppe und Thomas Sigmund

Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit: Die aktuelle Steuerdebatte ist für Saarlands Ministerpräsident Peter Müller zwar längst überfällig. Dennoch warnt der CDU-Politiker vor einem kurzfristigen Aktionismus. Im Gespräch mit dem Handelsblatt spricht Müller über den Wettlauf der Steuersenker und eine seriöse Entlastungspolitik.

Saarlands Ministerpräsident Peter Müller macht sich Gedanken über ein sinnvolles Steuerkonzept. Foto: dpaLupe

Saarlands Ministerpräsident Peter Müller macht sich Gedanken über ein sinnvolles Steuerkonzept. Foto: dpa

Herr Ministerpräsident, die Parteien buhlen um die Entlastung der Bürger bei Steuern und Sozialabgaben. Ist das ein erster Vorgeschmack auf den Bundestagswahlkampf im nächsten Jahr?

Natürlich ist eine solche Debatte immer auch vor dem Hintergrund wahl- und parteitaktischer Überlegungen zu sehen. Allerdings krankt die aktuelle Diskussion daran, dass drei Ziele gleichzeitig erreicht werden sollen, die einfach nicht zusammenpassen – die Konsolidierung der Staatsfinanzen, die Erweiterung staatlicher Leistungen und die Senkung der Steuer- und Abgabenlast. Eine solche Debatte ist unglaubwürdig und unseriös. Notwendig ist, dass klare Prioritäten gesetzt werden.

Ende Mai liegen Steuerkonzepte von SPD, FDP und CSU vor. Kann es sich die CDU leisten, auf diesem wirtschaftspolitischen Feld nicht sprechfähig zu sein?

Die CDU wird Anfang des kommenden Jahres ihr Steuerkonzept vorlegen. Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit. Vorrangiges Ziel ist die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Der Bundeshaushalt wird aber frühestens im Jahr 2011 ohne neue Schulden auskommen, deshalb können relevante Steuersenkungsmodelle ohnehin nicht mehr in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. Es kommt daher nicht auf einen Monat mehr oder weniger an, bis die CDU ein Steuerkonzept vorlegt. Ich halte es schlicht für unseriös, den Menschen bereits für Anfang des nächsten Jahres erhebliche Steuersenkungen zu versprechen.

Dann riskieren Sie, dass die übrigen Parteien die Gunst der Wähler beim Thema Steuern erobern.

Ich kann die CDU nur davor warnen, in Hektik zu verfallen, nur weil andere Parteien schon mit Steuerkonzepten vorgeprescht sind. Das schließt natürlich nicht aus, dass wir uns schon jetzt Gedanken machen, wie ein CDU-Steuerkonzept aussehen könnte.

Was sollte im Mittelpunkt eines CDU-Steuerkonzepts stehen?

Die CSU hat einige wichtige Punkte in ihrem Modell angesprochen, die auch Bestandteil eines CDU-Konzepts sein müssen. Für mich gehört dazu die Beseitigung der kalten Progression und des Mittelstandsbauchs in der Einkommensteuer, die vor allem die kleinen und mittleren Einkommen übermäßig belastet. Zudem sollte der steuerliche Grundfreibetrag, wie die CDU bereits auf früheren Parteitagen beschlossen hat, auf 8 000 Euro angehoben werden. Ich halte es auch für notwendig, dass der Spitzensteuersatz künftig ab einem deutlich höheren Einkommen greift als heute.

Zur kalten Progression kommen die hohen Energie- und Lebensmittelpreise. Müsste die CDU da nicht kurzfristig aktiv werden?

Kurzfristiger Aktionismus hat sich noch nie bewährt, im Gegenteil, das war immer ein Beitrag, die Probleme nur weiter zu verschlimmern. Wer beispielsweise vorschlägt, den Steuersatz auf Benzin in den Sommermonaten zu reduzieren, schielt nur auf Schlagzeilen, leistet aber keinen Beitrag zur Problemlösung.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ich rate dazu, die Prioritäten in der Finanzpolitik des Bundes neu zu justieren

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