0 Bewertungen
09.05.2008 

Wie soll sich das CDU-Konzept von den Konkurrenzprodukten anderer Parteien unterscheiden?

Zunächst ist abzuwarten, wie die Steuermodelle der anderen Parteien überhaupt aussehen. Bisher liegt nur eins, das der CSU, auf dem Tisch. Bei den Sozialdemokraten weiß dagegen noch niemand, wie das Steuerkonzept aussieht, das der Parteivorsitzende Beck vage, unabgestimmt und zum Entsetzen vieler Sozialdemokraten angekündigt hat. Am Ende werden sich die verschiedenen Konzepte wahrscheinlich vor allem darin unterscheiden, wie sie mit dem Ziel der Konsolidierung vereinbar sind. Die besten Steuerkonzepte bringen nichts, wenn sie zulasten künftiger Generationen gehen ...

... wie das CSU-Steuerkonzept?

Ich halte nichts davon, dass man sich auf die zu erwartenden Mehreinnahmen verlässt, um eine Steuerreform zu finanzieren. Das springt zu kurz.

Ist es sinnvoll, wie die Sozialdemokraten auf eine Entlastung bei den Sozialabgaben zu setzen?

Natürlich kann man auch die Bürger über die Sozialabgaben entlasten. Das hat den Vorteil, dass Arbeit insgesamt billiger wird. Ich werde mich deshalb dafür einsetzen, dass die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zum Jahreswechsel noch einmal gesenkt werden, wenn sich ein solcher Schritt nachhaltig finanzieren lässt. Grundsätzlich halte ich eine Steuersenkung für die kleinen und mittleren Einkommen aber für wichtiger und zielführender, weil sie die Leistungsträger unserer Gesellschaft entlastet und zusätzlich motiviert. Diesen Gedanken des CSU-Steuerkonzepts kann ich nur nachdrücklich unterstützen. Es ist bedauerlich, dass wir in den letzten Monaten vornehmlich über die Verbesserung von Transferleistungen und Verteilungsgerechtigkeit gesprochen haben und nicht mehr über diejenigen, die die wirtschaftliche Leistung erbringen.

Der Bund hat in den vergangenen Jahren munter die Ausgaben erhöht und sich die Spielräume für Steuerentlastungen genommen.

Das stimmt. Deshalb rate ich dazu, die Prioritäten in der Finanzpolitik des Bundes neu zu justieren und jede Ausgabensteigerung sehr genau zu überprüfen. In den Taschen der Bürger ist das Geld allemal besser aufgehoben als in einem neuen Ausgabenprogramm, das die Menschen auch noch selbst bezahlen müssen. Der anhaltende Wettlauf um die größte Wohltat, ob für Hartz-IV-Empfänger, Rentner, Kinder oder im Wissenschafts- und Bildungsbereich, ist absolut kontraproduktiv, wenn dabei die Finanzierbarkeit außer Betracht bleibt. Auch wenn jede Ausgabensteigerung für sich genommen sinnvoll ist, können wir uns in der Summe nicht alles leisten.

Warum steht die Steuerdebatte gerade jetzt ganz oben auf der politischen Agenda ?

Das Thema ist überfällig. In den letzten Jahren hat eine Verschiebung der Debatte weg von der Frage der Leistungsgerechtigkeit hin zur Frage der Verteilungsgerechtigkeit stattgefunden. Das hat dazu geführt, dass die Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft nicht voll ausgeschöpft wurde und viele Menschen sich fragen, wofür sie sich eigentlich noch anstrengen sollen. Das ist ein fataler Zustand, an dem die Politik schleunigst etwas ändern muss.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Finanzkrise: Nationale No...

    Finanzkrise: Nationale Notprogramme

    Der Vertrauensverlust in der internationalen Finanzwirtschaft zwingt die Politik zu umfangreichen Rettungsaktionen. In der Europäischen Union wird derzeit jedoch vor allem an nationalen Lösungen gebastelt. Wer tut was?Bildergalerie 

  • Hart umkämpfte Wahlkreise...

    Hart umkämpfte Wahlkreise für die SPD

    Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2009 etliche Direktmandate verlieren. Betroffen davon sind vor allem Wirtschaftspolitiker und Konservative der Bundestagsfraktion. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Lüthke Politikberatung für das Handelsblatt.Bildergalerie 

  • Becksteins mögliche Erben...

    Becksteins mögliche Erben in Bayern

    Nach dem Wahl-Debakel und nur zwölf Monaten Amtszeit gibt sich Ministerpräsident Günther Beckstein geschlagen. Die Parteikollegen trauerten nicht lang. Bereits am Dienstagnachmittag stellten sich drei Amtsanwärter zur Verfügung. Und mit Horst Seehofer hält sich auch ei...Bildergalerie 

  • Das politische Stehaufmän...

    Das politische Stehaufmännchen

    Im vergangenen Jahr war Horst Seehofer noch Erwin Huber bei der Wahl zum Parteivorsitzenden unterlegen, nun scheint der designierte neue Parteichef endlich am Ziel. Er wolle die CSU „in ihrem Mythos, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Erfolgsgeschichte“ der vergangenen fü...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Merkel & Co überhöhen den Staat  Artikel in Merkliste

07.10.2008, 17:55 Uhr von Thomas Hanke

Merkel verkalkuliert sich: Sie spekuliert auf das Vertrauen der Bürger in den Staat, füllt dessen Aufgaben aber nicht überzeugend aus. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Wo steht der Feind?  Artikel in Merkliste

07.10.2008, 17:38 Uhr von Andreas Rinke

Durch Verhandlungen mit den Taliban könnte den westlichen Soldaten der Feind abhanden kommen. Eine Klärung ist erforderlich. Kommentar