Beisetzung in Münster
Schwerer Abschied vom „Menschen Möllemann“

Trauer um den Tod des ehemaligen FDP-Spitzenpolitikers mischte sich bei der Beerdigung mit Kritik an der Parteispitze.

dpa MÜNSTER. Carola Möllemann-Appelhoff muss von ihren Töchtern Maike und Esther gestützt werden, als sie den schweren Weg zum Grab antritt, in das der Sarg mit der Leiche ihres Mannes Jürgen wenig später hinabgelassen wird. Ganz in Schwarz und vom Leid der vergangenen Tage gezeichnet führt die Witwe mit Tränen in den Augen den Zug der 120 Trauergäste an. Hinter ihr und weiteren Familienangehörigen gehen bei sommerlicher Hitze unter anderem der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Schalke-04-Manager Rudi Assauer. Er hat eine blau-weiße Vereinsfahne zum Sarg des langjährigen Aufsichtsratsmitglieds mitgebracht. FDP-Chef Westerwelle war auf Wunsch der Witwe nicht gekommen.

Die Klänge von Möllemanns Lieblings-Arie waren noch nicht verklungen, da mischte sich in die Trauer um den bei einem Fallschirmsprung am 5. Juni ums Leben gekommenen Politiker die Kritik am Umgang der FDP-Parteispitze mit ihm. „Ich möchte deutlich machen, dass Jürgen Möllemann mehr für das Gemeinwesen und die FDP geleistet hat, als jene, die heute seine persönliche Integrität in Zweifel ziehen“, sagte Möllemann-Freund Wolfgang Kubicki unter Tränen. Viele in der Partei, bis in deren Spitze, gäben inzwischen zu, ihn menschlich nicht richtig behandelt zu haben, sagte der FDP- Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag nach der Beerdigung. Schalke-Präsident Gerd Rehberg sagte, Möllemanns Tod sei auch eine ernste Warnung, „dass man so nicht miteinander umgehen sollte“.

Möllemann hatte im Bundestagswahlkampf 2002 ein Flugblatt mit kritischen Äußerungen zur israelischen Politik veröffentlicht und war damit auf Widerstand bei seiner Parteispitze gestoßen. Nach schwerem Streit mit FDP-Chef Westerwelle trat er schließlich im März aus der Partei aus. Wegen der ungeklärten Finanzierung des Flugblatts hatten die Staatsanwaltschaften in Münster und Düsseldorf Ermittlungen gegen Möllemann aufgenommen. Noch kurz vor seinem Tod war es zu einer Razzia in den Privat- und Geschäftsräumen des früheren Bundesministers und Vizekanzlers gekommen.

Jenseits aller politischen und juristischen Vorwürfe und Schuldzuweisungen wiesen viele Trauernde am Freitag auf die Qualitäten des „Menschen Möllemann“ hin. „Er war ein Mensch, ein Freund“, sagte stellvertretend für viele der langjährige Vertraute der Familie, Uwe Tönningsen. „Seine Familie ging Jürgen über alles“, sagte er. „Ein Mann mit Ecken und Kanten, das war er. Aber immer gerade heraus.“ 120 geladene Gäste in der Kapelle des weiträumig abgesperrten Münsteraner Zentralfriedhofs und hunderte Menschen davor folgten den per Lautsprecher ins Freie übertragenen Worten tief bewegt.

Mehr als 2000 Menschen aus dem In- und Ausland - vom Teenager bis zum Greis - hatten schon vor der Trauerfeier von Möllemann Abschied genommen. Sein heller Holzsarg war gesäumt von den Trauergebinden von Bundespräsident, Bundesregierung und Bundestagspräsident mehrere Stunden lang aufgebahrt. Viele mussten Schlange stehen und lange Wartezeiten in Kauf nehmen. „Sie haben es sich und uns nicht immer leicht gemacht. Vielleicht bleiben Sie deswegen vielen in Erinnerung“, schrieb ein Trauernder ins Kondolenzbuch. Jule Haberkorn aus Zeitz (Sachsen-Anhalt) und Karin Fischer aus München gingen mit der Aufschrift auf ihrer Trauerschleife noch einen Schritt weiter: „Wir trauern unendlich um den charismatischsten und mutigsten Politiker der Gegenwart. Danke Herr Möllemann."

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