Beitragsrabatt für Familien
Institut fordert Rentenkürzung um sieben Prozent

Mit der Forderung nach Rentenkürzungen von bis zu sieben Prozent bei den heutigen Ruheständlern belebt das Münchener Ifo-Institut die schwelende Renten-Debatte neu. Die Einschnitte sollen den Beitragsrabatt für Familien finanzieren.

BERLIN. Ein solcher Eingriff sei gerechtfertigt, weil die heutigen Rentner unverdient stark von der demographischen Entwicklung profitieren würden, argumentieren die Ifo-Experten Robert Fenge und Jakob von Weizsäcker. Das eingesparte Geld wollen sie verwenden, um die Rentenbeiträge von Familien mit Kindern zu senken.

Eine stärkere Differenzierung zwischen Personen mit Kindern und Kinderlosen in der Rentenversicherung wird in der Öffentlichkeit immer wieder diskutiert. Trotz massiver Einwände des Sachverständigenrates und der Rentenversicherer hatte die Union in ihrem Wahlprogramm einen Beitragsrabatt für Familien mit Kindern versprochen. Diese Idee wurde jedoch nicht in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Stattdessen wollen Union und SPD die Riester-Förderung für Familien aufstocken. In der vorigen Woche verlangte der Kölner Ökonom Johann Eekhoff, die Rente von Kinderlosen zu halbieren. Von diesem einsamen Vorstoß, den Sozialminister Franz Müntefering als „Verrücktheit“ qualifizierte, distanzierte sich Ifo-Chef Hans-Werner Sinn gestern ausdrücklich.

Das Ifo-Institut untersuchte in seiner Studie vielmehr die Verteilungswirkung der Kinderlosigkeit auf die verschiedenen Generationen. Die heutigen Rentner stünden einer „perfekten Demographie“ gegenüber, argumentieren die Wissenschaftler: Ihre Kinder, die Baby-Boomer, hätten nämlich durch den Verzicht auf Nachwuchs ihre Erwerbseinkommen gesteigert und würden deshalb höhere Beiträge zahlen. Läge die Geburtenrate der Aktiven bei 2,1 statt bei 1,35 Kindern, würden wegen der geringeren Berufstätigkeit von Frauen die Erwerbseinkommen niedriger liegen. „Das heißt, dass die heutigen Rentner im Vergleich zu einer bevölkerungsstabilen Fertilität einen Rentengewinn von schätzungsweise sieben Prozent erhalten“, heißt es in der Studie.

Diesen „Gewinn“ will das Ifo-Institut durch einen „Enkellosigkeitsfaktor“ einkassieren, der stufenweise ab 2006 eingeführt werden und die Renten kürzen soll. Letztlich bedeutet der Vorschlag nichts anderes als eine Verstärkung des bestehenden Nachhaltigkeitsfaktors, der das Rentenniveau vor Steuern bereits von 53 Prozent auf 43 Prozent im Jahr 2020 drücken soll. Das Ifo-Institut will das Bruttorentenniveau bis 2050 unter 39 Prozent senken. Derart starke Kürzungen hat die Koalition bislang ausdrücklich ausgeschlossen.

Im Gegenzug sollen die Beiträge von Familien mit Kindern um einen Prozentpunkt je Kind gesenkt werden. Der Rabatt sei zwar absolut nicht sehr hoch, räumt das Ifo-Institut ein: „Aus unserer Sicht wäre er aber gleichwohl ein wichtiger Einstieg in einen familienfreundlichen Umbau des Rentensystems.“

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