Beliebtheits-Check
Warum Gauck aneckt und trotzdem populär ist

Nur noch wenige Stunden, dann wird Joachim Gauck wohl neuer Bundespräsident sein. Fast 70 Prozent der Deutschen halten ihn für eine „gute Wahl“. Doch ist er wirklich so beliebt, wie Umfragen suggerieren?
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BerlinDieser Sonntag wird in die Geschichte der Bundesrepublik eingehen als ein Tag, an dem endlich einmal alles, was uns an der Politik stört, für einen Moment verschwindet und zugleich Platz macht für einen Mann, der das teilweise ins sich gespaltene Land wieder versöhnen soll. Joachim Gauck ist der Mann des Tages, wenn er dann ab 12 Uhr zum Bundespräsidenten gewählt wird. Er ist ein Konsens-Kandidat der Parteien. Nur die Linke geht mit einer eigenen Kandidatin ins Rennen. Es ist daher unzweifelhaft, das für Gauck ein Wahlgang ausreicht, um ins höchste Staatsamt Deutschland zu kommen.

Gauck soll es dann richten. Mit ihm als Bundespräsident soll alles wieder gut werden. Das Amt selbst, das durch Christian Wulff erheblichen Schaden genommen hat, soll er wieder mit neuem Elan und neuen Akzenten beleben – und er soll vor allem Deutschland verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugeben. Kein geringerer als der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler hat ihm das alles schon mal ins Stammbuch geschrieben.

Rösler hatte den früheren DDR-Bürgerrechtler gegen den Willen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) durchgesetzt und dabei sogar den Bruch der schwarz-gelben Koalition riskiert. Nun ist es nur noch reine Formsache, dass Gauck am Sonntag in der Bundesversammlung gewählt wird. Dessen ist sich Rösler bewusst, weshalb er den Blick gen Zukunft richtet und den „hervorragenden Kandidaten“ Gauck als „Hoffnungsträger für die politische Klasse“ ausruft. Die habe in der Affäre um den zurückgetretenen Bundespräsidenten Wulff stark gelitten. „Dies gilt es wieder aufzubauen“, sagt Rösler und er ist sicher: „Joachim Gauck wird dazu einen entscheidenden Beitrag leisten.“

So wie Rösler, haben auch andere Erwartungen an Gauck. Und viele sind überzeugt, dass er der Richtige ist. Dass Gauck durchaus das Zeug hat, dem Bundespräsidenten-Amt neues Leben einzuhauchen, hat er durch sein Wirken in Vergangenheit bewiesen. Die Hoffnung ist, dass er Großes in Reden sagen wird, dass er Anstöße für jedermann gibt, der Politik genau auf die Finger schaut und niemandem nach dem Munde redet. Seine Vita gibt das alles her. Aus diesem Fundus des Gelebten und Erlebten wird sich Gauck bedienen. Dass das nicht immer auf Wohlwollen stoßen wird, zeigt der Handelsblatt-Online-Check:

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  • Gaucks Wirkungskreis war die Rostocker "Platte", die mir zunächst durch rechtsradikale Umtriebe aufgefallen ist. Seine Worte hatten dort wenig Gewicht. Die Lebensweise im Westen dürfe ihm trotz seiner Beziehung fremd sein. Also bleibt für seine weitere Tätigkeit reine Theorie. Das Gewissen der Menschen wird er ansprechen können, doch nur denen, die ihm zuhören. Für die kann er anstrengend werden.

    Ansonsten wünsche ich ihm Glück und ein wanzenfreies Haus. Zudem wird er das Personal austauschen müssen.

  • "Führungseliten, die selbständig denken können...!" Also das will heißen, Sie verwehren sich der zunehmend demokratischen Entwicklung, wenn auch sehr, sehr langsam des Landes in dem Sie leben und wollen Zustände von Diktatoren zurück (die denken nämlich: selbständig und handeln dann auch genauso!!) Irgendwo müssen die Bürger ja sitzen, liegen, sonst was, die einfach nur geführt werden wollen weil sie selbst ohne Format sind. Von denen ein CDU-Abgeordneter in 2008 zur Frage sprach, warum die Bürger nicht ihren Bundespräsidenten wählen könnten. Diese Bürger würden, so meinte er wohl eher pauschal, möchte man einmal mutmaßen, schwarz-braune Umstände heraufholen, weil man eine "Führungspersönlichkeit sucht, die tut, was sie sagt". Meine Güte! Das Land ist arm: geblieben. Der zweite Weltkrieg hat jeden Kulturboden zerstört. Gute Nacht!

  • Bundespräsidentenamt ist vollkommen unwichtig, außer der oder die BP wird von den Medien gepuscht und seine Meinung zum Leitbild aller in diesem Land hoch stilisiert.

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