Benzingipfel
Regierung will Biosprit durchdrücken

Die Bundesregierung will am umstrittenen Biosprit E10 festhalten. Rückendeckung kommt von EU-Kommissar Oettinger. Wichtige Fragen bleiben aber ungeklärt. Verbraucherschützer nennen den Benzingipfel in Berlin eine "dilettantische Veranstaltung".
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BerlinTrotz des Chaos bei der Einführung des E10-Benzins wollen Regierung und Wirtschaft gemeinsam den Biosprit an der Zapfsäule durchsetzen. Dazu sollten die verunsicherten Autofahrer direkt an den Tankstellen besser informiert werden, betonten Teilnehmer nach dem sogenannten „Benzin-Gipfel“ am Dienstag im Wirtschaftsministerium. „Alle Beteiligten befürworten die Einführung von E10“, sagte Umweltminister Norbert Röttgen, nachdem es im Vorfeld des Treffens auch Forderungen zum Stopp der Biosprit-Strategie des Bundes gegeben hatte. „Es ist keine Lösung, in der Abhängigkeit von Öl zu verharren.“ Der Verband der Automobilindustrie (VDA) betonte, es sei garantiert, dass die von den Autoproduzenten für E10 freigegebenen Fahrzeuge dieses auch vertrügen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat die Verantwortlichen in Deutschland darin bekräftigt, am verschmähten Biosprit E10 festzuhalten. „Ich halte das Nachholen einer konsequenten transparenten Informationspolitik für möglich“, sagte das deutsche Mitglied des EU-Exekutivorgans am Dienstag in Straßburg.

„Das kann man retten.“ Kommunikationsfehler bei der Markteinführung sind nach Einschätzung Oettingers eine Hauptursache der derzeitigen Probleme. „Das fängt bei den Mineralölunternehmen an, geht über die Tankstellenpächter und Ketten über die Fahrzeugbauer bis hin zur Politik“, kritisierte der ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs (CDU) die Informationspolitik. „Man kann nicht Klimaschutzpolitik ohne Verbraucher machen.“ Grundsätzlich genieße Klimaschutzpolitik eine hohe Akzeptanz, betonte der EU-Kommissar. Es wäre bedauerlich, wenn die verfehlte E10-Einführung in Deutschland als Beispiel gegen die europäische Klimaschutzpolitik herangezogen würde.

Grüne und Umweltverbände forderten erneut ein Aus für den Biosprit, da er der Umwelt nicht helfe und Lebensmittel verteuere. Der Energie-Experte des Verbraucherverbandes, Holger Krawinkel, nannte den Gipfel eine dilettantische Veranstaltung, der die Verunsicherung nicht beheben werde. „Die Infokampagne kann man sich schenken“, sagte er Reuters.

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  • Bei dem glorreichen "Benzingipfel" gestern haben erwartungsgemäß die gefehlt, die ihr Benzin NICHT vom Steuerzahler spendiert bekommen (ebenso wie ein neues Auto in der 100.000€-Klasse, falls das Jetzige "zufällig" durch die E10-Plörre hingerichtet wird!):
    --->>> DIE AUTOFAHRER!
    Die waren nicht dabei! Warum eigentlich nicht?
    1. Der sog. "Umweltminister" macht den Gaddafi... und wird genauso enden!
    2. Der sog. "Wirtschaftsminister" versteht mehr von Wein als von Benzin, und man sieht ihm das auch an...!
    3. Und der "uckermärkische Hosenanzug" sollte *J*E*T*Z*T* die Notbremse ziehen und das mißlungene Experiment beenden!
    4. Es kann sein, daß man E10 in den nächsten Jahren über den Preis doch noch flächendeckend einführen kann und daß die renitenten "Super Plus"- Tankenden irgendwann zu "gewohnheitsmäßigen Querulanten" und zur ewiggestrigen Minderheit erklärt werden wie die heutigen NOCH- gewaltablehnenden Islam-Kritiker und -Warner.
    Die Auswirkung auf das Wählerverhalten wird in beiden Fällen die Höhe eines Tsunami weit übersteigen! Leider werden die heute politisch Verantwortlichen das nur noch im Alzheimerstadium mitbekommen- wenn überhaupt!

  • Ich habe umgestellt auf Super PLUS, das ist alternativlos, basta!

  • Zitat: "Von Weizsäcker hebt hervor, dass Umweltschutz nicht zur Bevormundung des Verbrauchers führen müsse: Der Staat kann die Sache doch viel eleganter anpacken. In einer Marktwirtschaft sollte er in erster Linie die Preise sprechen lassen. Konkret schlägt er vor, die Energiepreise jedes Jahr gerade so viel zu erhöhen, wie im Vorjahr die Effizienz zugenommen habe: Dann zahlen Verbraucher im Durchschnitt nicht mehr als im Vorjahr. Es steigere aber die Effizienz der Ressourcennutzung."

    Dieses Verständnis von Marktwirtschaft bedarf keines Kommentars, sondern lediglich der Feststellung, dass die kollektivistische Energie- und Umweltpolitik einiger europäischer Staaten stets nur zur Preistreiberei geführt hat. Sie wird auch ohne Veränderungen im Energiemarkt weiterhin zur Preistreiberei führen. Unsere Politik und Weizsäcker bauen Potijomkinsche Dörfer auf, wenn sie mittels Energiepreistreiberei die Produktpreise hoch treiben und auf diesem Wege die Kennziffer "Ressourceneffizienz/Energieeffizienz" schönen. So ist leicht nachvollziehbar, dass USA, China und andere Staaten sich diesem Irrweg bisher verschließen und stärker auf Auslese durch Wettbewerb setzen.

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