Benzinpreise
Wundermittel gegen Preisdesaster?

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Benzinpreise ändern sich immer häufiger

Ein System, das Kritiker als Oligopol bezeichnen: Einer der großen Mineralölkonzerne erhöht die Preise, die anderen ziehen innerhalb kürzester Zeit nach. Das funktioniert auch ohne wettbewerbswidrige Absprachen – weshalb das Kartellamt bislang machtlos zuschauen musste. Auch das soll sich durch die neue Stelle ändern: „Damit können die Kartellbehörden Anhaltspunkte für etwaige Verstöße besser finden sowie missbräuchliches Verhalten der großen Mineralölkonzerne leichter aufdecken und verfolgen“, so Rösler bei der Einführung.

Ob die neuen Daten tatsächlich geeignet sind, die Konzerne zu belangen, darüber schweigt sich das Bundeskartellamt auf Nachfrage aus. Man müsse dazu die Preisveränderungen erst einmal über einen längeren Zeitraum betrachten. Insgesamt ist man in der Behörde aber mit dem Projekt zufrieden. „Erstmals ist ein echter Preisvergleich zwischen Tankstellen möglich“, so ein Sprecher des Amtes. „Damit stellen wir Waffengleichheit zwischen Anbietern und Nachfragern her.“ Für den Wettbewerb könne das nur gut sein.

Tatsächlich bewegen sich die Benzinpreise immer häufiger: Zehn Änderungen am Tag sind nicht ungewöhnlich. „Das an sich ist aber noch kein Zeichen für mehr Wettbewerb“, sagt Jürgen Albrecht vom ADAC. Obwohl er grundsätzlich glaubt, dass die Markttransparenzstelle geeignet ist, den Wettbewerb auf dem Benzinmarkt zu verbessern, sieht er im Moment noch keine große Veränderung.

Der ADAC hat anhand der neuen Daten herausgefunden, dass der Benzinpreis gegen Abend am niedrigsten ist: Zwischen 18 und 19 Uhr kostet der Liter E10 durchschnittlich rund acht Cent weniger als um fünf Uhr morgens. Diese Entwicklung ist nicht ganz neu. Schon vor Einführung der Transparenzstelle schwankten Benzinpreise nicht mehr zwischen Montag und Freitag sondern folgten innerhalb jedes Tages einer ähnlichen Kurve. Das verstärkt sich jetzt noch: „Das Preismuster ist ähnlich geblieben“, sagt  Steffen Bock, Betreiber des Vergleichsportals clever-tanken.de. „Aber die Anpassungsgeschwindigkeit ist gestiegen.“

Solche Preisunterschiede lassen sich mit den neuen Daten verfolgen – das ist für viele Befürworter auch der Hauptnutzen. „Die Aktualität und Vollständigkeit der Daten ist phänomenal“, sagt Bock. Wie der ADAC und andere Anbieter bekommt auch er die Daten vom Kartellamt und bereitet sie für seine Webseite und die dazugehörige App auf. Das Portal gibt es schon seit vielen Jahren, früher kamen die Informationen von Autofahrern und aus einem hauseigenen Recherche-System. „Für die Verbraucher ist die Situation jetzt besser“, sagt er. Und seine Nutzerzahlen steigen seit der Einführung – obwohl Spritpreise derzeit nicht unbedingt ein großes Aufreger-Thema sind.

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