Benzinpreise
Wundermittel gegen Preisdesaster?

Vor Feiertagen wird Benzin teurer. Seit einiger Zeit müssen Tankstellen jede Preisänderung melden, Kunden können per App vergleichen. Das soll solche Preisschwankungen verhindern. Doch das Problem wird nur verlagert.
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DüsseldorfKurz vor Ostern steigen die Benzinpreise. Vor allem an Gründonnerstag und Karfreitag müssen Autofahrer draufzahlen – nach Angaben des Auto Club Europa (ACE) im Schnitt um rund drei Cent pro Liter. Weil die Osterferien in vielen Bundesländern zur gleichen Zeit sind und viele Deutsche die Feiertage für einen Kurzurlaub oder Verwandtenbesuch nutzen, steht Ostern im Ruf, eine für Autofahrer besonders teure Zeit zu sein. Eine Zusammenstellung des ACE aus dem Jahr 2011 zeigt: Das „Osterfieber“ ist kein Mythos. In den meisten Jahren stiegen die Preise laut der Übersicht vor allem zu Beginn des Osterwochenendes.

Schwankungen wie diese soll die sogenannte Markttransparenzstelle für Kraftstoffpreise verringern. Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich ein System, das jeden Benzinpreis in Deutschland in Echtzeit abbildet. Seit September 2013 müssen 14.000 Tankstellen in Deutschland die Preise für Super E10, E5 und Diesel an das Bundeskartellamt melden – und zwar spätestens fünf Minuten nach jeder Änderung. Die Transparenzstelle gibt die Information weiter an derzeit 13 Vertriebspartner, die damit wiederum ihre Webportale oder Smartphone-Apps bestücken. „Das wird den Wettbewerb stärken – im Interesse der Verbraucher“, sagte der damalige Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

In den vergangenen Jahren hat das „Osterfieber“ nachgelassen. Tatsächlich ist in diesem Jahr der Preis für einen Liter Super E10 in den zwei Wochen vor den Feiertagen um 2,8 Cent auf 1,529 Euro gestiegen – durchschnittlich. Das liegt laut ADAC aber weniger an Ostern als am Ölpreis. Hat Röslers Projekt das Feiertags-Problem schon im ersten Jahr gelöst? Auf den ersten Blick mag es so scheinen, doch der Erfolg der Transparenzstelle ist umstritten. Schon als die Idee aufkam, meldeten Beobachter Zweifel an, ob Preise sinken, nur weil sie in Echtzeit veröffentlicht werden.

Holger Haedrich zum Beispiel sieht sich in seinen Bedenken bestätigt: Der Marketingexperte hat vergangenes Jahr gemeinsam mit der Universität St. Gallen eine Studie durchgeführt, in der er vorhergesagt hatte, dass die Transparenzstelle eher das Gegenteil ihres eigentlichen Ziels bewirken werde. Sein Vorwurf: Auch Tankstellenbetreiber nutzen die Daten, um ihre Preise noch besser anpassen zu können. „Die Preise gehen im Gleichschritt rauf und runter“, sagt Haedrich. „Die Markttransparenzstelle hat das Preissetzungssystem der Tankstellen noch verbessert.“

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