Beratungshotline zur Finanzmarktkrise boomt
„Anleger sind falsch beraten worden“

Die von den Verbraucherzentralen seit heute geschaltete Beratungshotline zur Finanzmarktkrise erlebt einen großen Ansturm. In den ersten zwei Stunden hätten bereits 9000 besorgte Anleger die Hotline angerufen, berichtet die Verbraucherzentrale Bundesverband auf Anfrage des Handelsblatts.

dhs/HB BERLIN. Die acht Berater hätten die Menge der Anrufe nicht bewältigen können, erklärte ein Sprecher. „Die meisten Fragen wurden zu Fonds, Zertifikaten von Lehman und der Kaupthing Bank gestellt. Vor allem aber fragten die Verbraucher, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie von den Banken falsch beraten wurden“, sagte der Sprecher. „Sehr viele Anleger, die sich als konservativ einstufen ließen, haben jetzt risikoreiche Zertifikate in ihrem Depot gefunden“, berichten die Hotline-Berater. Dabei sei den Anlegern auch nicht gesagt worden, dass die Zertifikate nicht durch die Einlagensicherung der Banken geschützt seien. Das Fazit der Verbraucherschützer: „Die Anleger sind schlichtweg falsch beraten worden.“

Die Hotline ist gemeinsam mit dem Bundesverbraucherministerium eingerichtet worden. Finanziert wird sie über das Ministerium. Die Hotline (0800-6648588) ist werktags von neun bis 21 Uhr geschaltet.

Die EU-Staaten können im Fall von Bankenpleiten demnächst rund um die Uhr über eine Hotline den EU-Krisenstab für die Finanzkrise zusammentrommeln. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten vergangene Woche beschlossen, einen Krisenstab mit Vertretern der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank, der EU-Ratspräsidentschaft und der Euro-Finanzministergruppe einzurichten. Die Regierungen sollen im Notfall schnell Rat zur Rettung angeschlagener Banken einholen können. Wird der Alarm ausgelöst, soll binnen einer Stunde eine Telefonkonferenz einberufen werden, wie aus einem Dokument der französischen EU-Ratspräsidentschaft hervorgeht.

Das Ratssekretariat der 27 EU-Länder soll noch in dieser Woche den Regierungen die Telefonnummer weitergeben, die „sieben Tage in der Woche, 24 Stunden am Tag“ erreichbar ist. Der Krisenstab soll die jeweilige Regierung unterstützen und eine rasche Abstimmung unter den EU-Ländern gewährleisten. Die Regierungen sind damit auf Rettungsaktionen für Banken vorbereitet, die wie im Fall des Münchener Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate oder des belgisch-niederländischen Finanzkonzerns Fortis unter großem Zeitdruck in der Nacht vor Öffnung der Börsen in Asien abgeschlossen werden mussten, um einen massiven Kursverfall zu verhindern.

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