Berechnungen der Netzagentur
Stromkunden müssen mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen

Steigende Strompreise seien kaum vermeidbar, erklärt die Bundesnetzagentur. Investitionen in Stromleitungen lässt die Ökostromumlage um 50 Prozent steigen. Ein Vier-Personen-Haushalt muss 2013 bis zu 50 Euro mehr zahlen.
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MünchenStromkunden in Deutschland müssen im nächsten Jahr mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen. „Die Ökostromumlage wird für 2013 wohl über fünf Cent liegen", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, der „Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag. Nach 3,6 Cent in diesem Jahr wäre das ein Anstieg von rund 50 Prozent. Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden würde dies zusätzliche Kosten von mehr als 50 Euro jährlich bedeuten.

Doch ist die Umlage nicht der einzige Preistreiber. „Auch die Netzentgelte werden in Zukunft höher ausfallen, denn wir müssen in Stromleitungen investieren", kündigte Homann an. Mehr grüner Strom, mehr konventionelle Reserven und mehr Netze seien nicht zum Nulltarif zu haben.

Die Probleme bei der Versorgungssicherheit nach der Energiewende hält Homann noch nicht für gelöst. „Die Gefahr eines Engpasses besteht", sagte er der Zeitung. Vor allem in Süddeutschland könnten in Extremsituationen Kraftwerke fehlen. Deshalb habe die Bundesnetzagentur die Kaltreserve für Notsituationen von 1.600 Megawatt im vergangenen Winter auf gut 2.000 Megawatt erhöht - auch mit Hilfe von Kraftwerken in Österreich. "Wir sind ziemlich sicher, dass wir den Bedarf decken können", sagte der Netzagenturchef.

Sorgen bereiten dem Chef der Aufsichtsbehörde allerdings Pläne der Stromkonzerne, in den kommenden Jahren unrentable Kraftwerke stillzulegen. Ausgerechnet im ohnehin unter Kraftwerksmangel leidenden Süddeutschland zeichne sich ein weiterer Rückgang der Kapazitäten um 1.700 Megawatt ab. Das zwinge die Netzagentur zum vorsorglichen Handeln. Homann betonte, in zwei bis drei Jahren müssten Pläne für neue Kraftwerke auf den Weg gebracht werden.

Nach Plänen der Bundesregierung soll die Bundesnetzagentur künftig auch direkt in den Strommarkt eingreifen und „systemrelevante" Kraftwerke in Notsituationen unter staatliche Aufsicht stellen können. Laut Homann treibt die Behörde diese Vorbereitungen derzeit voran. „Die Netzbetreiber haben uns inzwischen eine Liste von 51 Gaskraftwerken erstellt, die sie für systemrelevant halten. Diese sollten möglichst nicht abgeschaltet werden", sagte er der „Süddeutschen Zeitung". Es sei auch möglich, dass noch andere Kraftwerkstypen dazukommen.

Im vergangenen Winter hatte das deutsche Energieversorgungssystem angesichts einer mehrwöchigen extremen Kältewelle an seiner Leistungsgrenze gearbeitet. Nur durch das Anzapfen auch ausländischer Kraftwerke und -netze konnte die Sicherheit der Versorgung nach Angaben der Netzbetreiber gewährleistet werden.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Berechnungen der Netzagentur: Stromkunden müssen mit deutlichen Preiserhöhungen rechnen"

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  • ..
    STROMPREISERHÖHUNGEN
    ....................
    ein weiterer grund, zu den regionalen
    bzw. kommunalen stadtwerken zu wechseln
    und dort einen vertrag - möglichst online -
    abzuschliessen..
    ..
    diese unternehmen haben keine kernkraft -
    altlasten und nur geringe verwaltungskosten.
    ..
    deshalb liegen deren preise zt. erheblich
    unter denen der vier olipolisten..
    ..
    ..

  • Zitat HofmannM

    "Abschaltung der zukunftsweisenden Kernkraftwerkstechnik"

    Ich hoffe doch, das meinen Sie nicht ernst?
    Wo ist die Kernkraft eine Zukunftweisende Technik?

    Mal zur Erinnerung - AKW´s funktionieren seit über 60 Jahren auf die gleiche Art und Weise. Man ist in der Technik (bis auf ein paar Überwachungstechniken) nicht wirklich schlauer geworden. Wenn Ich Ihren Ausführungen also glauben sollte müsste ich auch annehmen der Taschenrechner ist immer noch die Zukunftweisende Technik im Rechnen^^ Der ist allerdings noch nicht so alt und hat sich in der Zeit sehr verändert ;-)
    Kernkraft in der heutigen Form ist veraltet - die Zukunft gehört der Kernfusion - das ist allerdings eine ganz andere Technologie und noch nicht wirklich über das Reissbrettstadium hinaus gekommen (erstes Testkraftwerk soll glaube ich 2025-2030 anlaufen, wenn ich mich noch richtig erinnere). In die weitere Erforschung der Kernspaltung investiert schon lange niemand mehr wirklich. Nur noch in die Erhaltung der vorhandenen Technik und evtl. in bessere Überwachungsanlagen - mehr nicht. Und selbst da sträuben sich die Betreiber mit Händen und Füssen, denn das kostet Geld und das wiederum Gewinne. "Updates" werden in dem Bereich nur noch auf Druck getätigt. Braucht man sich nur die neuen Anlagen anschauen.

  • Zitat joe

    wenn man bedenkt das 15Mrd Förderung pro Jahr (beim stoppen jeglichen neubaus) für mindestens die nächsten 20 jahre festgeschrieben ist. liegt die förderung sagen wir mal bei rd. 380mrd in 30 jahren.
    demgegenüber atomkraft (wenn man ihren zahlen glaubt) bei 311 Mrd. in 50 Jahren. Wer zieht also mehr "förderung"??

    ---------------------

    Immer noch die Kernkraft, denn Sie vergessen eines - die Subventionen betreffen nicht die Endlagerung sondern nur den Beteib der vorhandenen Anlagen. Die Lagerung/Endlagerung und Entsorgung der Verseuchten AKW´s und ihres Mülles zahlen nämlich allein die Steuerzahler aus dem Steuersäckel - nicht die Betreiber (Adenauer sei dank^^). Und wie wir alle wissen werden wir damit noch viele, viele Jahre zu tun hebn (sorry, ich meinte Jahrzehnte/Jahrhunderte). Rechnen Sie dies doch mal zu Ihren "Subventionen" dazu und dann sagen Sie uns mal, wer in 50 Jahren mehr Geld bekommt^^. Aber ich weiss - Summen, die man nicht beziffern kann kann man auch nicht einrechnen - Die Politik und die Kernkraft Beführworter machen uns das ja in aller Regelmäßigkeit vor^^

    (PS: übrigens waren die AKW´s mal Staatseigentum bis man sie für nen Appel und nen Ei erst Halbverstaatlicht und dann "privatisiert hat" und somit Volkswerte vernichtet hat - die baukosten können Sie schon auch noch mit zu den "Subventionen" rechnen *g)

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