Bereitschaft zu Offenlegung steigt: Auch Adidas gibt Chefgehalt preis
Union streitet über Offenlegung von Vorstandsgehältern

Hessens Regierungschef Koch sieht keinen Handlungsbedarf dafür, Unternehmen gesetzlich zur Veröffentlichung der einzelnen Vorstandsbezüge zu zwingen. Sein bayerischer CSU-Kollege Stoiber sieht das anders.

HB BERLIN. Die Union ist uneins darüber, ob Manager per Gesetz zur Offenlegung ihrer Gehälter gezwungen werden sollen. Während CSU-Chef Edmund Stoiber sein Vorhaben bekräftigte, notfalls eine eigene Gesetzesinitiative auf den Weg zu bringen, sieht der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) nach eigener Aussage dafür keinen Handlungsbedarf.

Da immer mehr Unternehmen Managergehälter detailliert veröffentlichten, «wird sich das vernünftig einspielen, ohne dass wir auch für so etwas in Deutschland noch ein Gesetz brauchen», sagte Koch der «Welt am Sonntag» (WamS), wie die Zeitung am Samstag vorab berichtete. Stoiber hatte Anfang August mit einer Gesetzesinitiative Bayerns gedroht, falls die Dax-Unternehmen bis Herbst die Gehälter der Vorstandsmitglieder nicht freiwillig einzeln offen legen.

Eine Umfrage des Handelsblatts unter den 30 Dax-Unternehmen hatte vor wenigen Tagen ergeben, dass eine zunehmende Zahl zu einer einzelnen Ausweisung der Vorstands-Einkünfte bereit ist. Elf der 30 haben demnach angekündigt, die Bezüge künftig zu veröffentlichen oder einen solchen Schritt zu prüfen. Zehn Dax-Unternehmen folgten bereits der entsprechenden Empfehlung der Corporate-Governance-Kommission, hieß es. Nur neun Unternehmen wollen der Umfrage zufolge daran festhalten, nur die Gesamtbezüge zu veröffentlichen.

Der Vorsitzende der Regierungskommission, Theodor Baums, wiederholte der «WamS» seine Kritik an einigen deutschen Konzerne: Es gebe Absprachen unter Vorständen mehrerer Unternehmen, die Offenlegung der Vergütung einzelner Vorstandsmitglieder auch in Zukunft zu boykottieren. «Es gibt in diesem Punkt Verständigung von mehreren Dax-Firmen», sagte Baums.

Der Corporate-Governance-Kodex empfiehlt eine solche einzelne Offenlegung. Allerdings ist der Kodex nicht bindend, sondern lediglich eine Selbstverpflichtung der Unternehmen. In ihrem Geschäftsbericht müssen Firmen, die vom Kodex anweichen, dies begründen. Sanktionen sind in dem Kodex nicht vorgesehen.

Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber bezeichnete den Kodex als gescheitert. «Detaillierte Vorstandsgehälter in dem Kodex zu fordern, geht viel zu weit», sagte er. Das Regelwerk sei stark an amerikanische Vorgaben angelehnt worden, die in Deutschland so nicht umgesetzt werden könnten. Die Höhe der Gehälter erzeuge «viel Neid».

Derweil ließ mit Adidas-Chef Herbert Hainer ein weiterer Konzernchef aus dem Dax in seine Lohntüte blicken: Man könne sich ausrechnen, dass sein Gehalt «irgendwo zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Euro» liege, sagte Hainer dem «Hamburger Abendblatt» vom Samstag.

Grundsätzlich lehne er die Veröffentlichung der einzelnen Vorstandsgehälter aber ab, ergänzte der Manager. «Wenn es zur Beruhigung unserer Republik beitragen sollte, werden sicherlich auch wir bei Adidas unsere Vorstandsgehälter freiwillig im Detail offen legen.» Hainer zufolge verdient der Vorstand mit sechs Personen 7,5 Millionen Euro im Jahr.

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