_

Bericht der Bundesregierung: Deutsche Waffenexporte boomen ohne Ende

Die Meldung klingt lapidar: Bundesregierung billigt Rüstungsexportbericht. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, 2010 haben deutsche Hersteller mit Waffen so viel Geld verdient wie noch nie.

_
Ein Panzer vom Typ 'Leopard 2A6'. Quelle: AP
Ein Panzer vom Typ 'Leopard 2A6'. Quelle: AP

Berlin/DüsseldorfÜberall ist Krise, nur in Deutschland brummt die Wirtschaft ohne Ende. Das spüren auch die Waffenhersteller. Bei der der Veröffentlichung von genauen Exportzahlen zieren sich die Unternehmen, zu pikant ist das Thema – auch und vor allem für Deutschland. Doch der Rüstungsexportbericht der Bundesregierung gibt Aufschluss über die florierenden Geschäfte mit Waffen aller Art.

Anzeige

Laut dem Bericht der heute gebilligt wurde, haben deutsche Hersteller mit dem Export von Waffen im vergangenen Jahr so viel Geld verdient wie noch nie. Demnach liegt der Wert der ausgeführten Kriegsgüter bei rund zwei Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung um knapp 50 Prozent. Im Vorjahr waren es rund 1,34 Milliarden Euro.

Bei den Exporten von 2010 handelte es sich den Angaben zufolge vor allem um hochwertige Rüstungsgüter wie U-Boote, Kriegsschiffe und Panzer. Außerdem haben deutsche Hersteller im vergangenen Jahr Verträge in Höhe von etwa fünf Milliarden Euro geschlossen.

Die wichtigsten Empfänger deutscher Rüstungsexporte

Rund zwei Drittel der Waffenlieferungen gingen an EU-Staaten oder Nato-Mitgliedsländer. Darüber hinaus wurden aber auch Exporte etwa nach Afrika und in die Golfstaaten genehmigt.

Die Rüstungsexporte sind nicht zuletzt deswegen umstritten, weil Deutschland den Verbleib der Waffen nicht lückenlos kontrollieren kann. So tauchten etwa in Libyen G-36-Sturmgewehre der Firma Heckler & Koch auf, die offiziell nach Ägypten geliefert worden waren.

Rüstungsindustrie Das sind Deutschlands größte Ballermänner

  • Rüstungsindustrie: Das sind Deutschlands größte Ballermänner
  • Rüstungsindustrie: Das sind Deutschlands größte Ballermänner
  • Rüstungsindustrie: Das sind Deutschlands größte Ballermänner
  • Rüstungsindustrie: Das sind Deutschlands größte Ballermänner

Das Wirtschaftsministerium betonte jedoch in einer Mitteilung, Deutschland halte sich bei Waffenlieferungen an die strengen Regeln der Exportkontrolle. „Genehmigungen wurden erst nach eingehender Prüfung im Einzelfall erteilt, nachdem sichergestellt wurde, dass deutsche Rüstungsgüter nicht für Menschenrechtsverletzungen missbraucht werden oder zur Verschärfung von Krisen beitragen“, heißt es in der Erklärung mit Blick auf die Zahlen von 2010.

Rüstungsindustrie Wer die Welt mit Waffen versorgt

  • Rüstungsindustrie: Wer die Welt mit Waffen versorgt
  • Rüstungsindustrie: Wer die Welt mit Waffen versorgt
  • Rüstungsindustrie: Wer die Welt mit Waffen versorgt
  • Rüstungsindustrie: Wer die Welt mit Waffen versorgt

Aus der Linken gab es bereits im Vorfeld des jetzt verabschiedeten Berichts scharfe Kritik. Die neuen Waffenexportzahlen seien „ein menschenrechtlicher und friedenspolitischer Offenbarungseid der Bundesregierung“, kritisierte der Linke-Bundestagsabgeordnete Jan van Aken. Er forderte erneut Rüstungsexportverbote. Ein erster Schritt könne ein Verbot für Kleinwaffen sein: „Kleinwaffen sind die wahren Massenvernichtungswaffen unserer Zeit, und deutsche Sturmgewehre werden in fast jedem Krieg dieser Welt eingesetzt.“

Ranking Wie die Länder vom Geschäft mit dem Tod profitieren

  • Ranking: Wie die Länder vom Geschäft mit dem Tod profitieren
  • Ranking: Wie die Länder vom Geschäft mit dem Tod profitieren
  • Ranking: Wie die Länder vom Geschäft mit dem Tod profitieren
  • Ranking: Wie die Länder vom Geschäft mit dem Tod profitieren

3 Kommentare

  • 07.12.2011, 16:49 UhrAnonymer Benutzer: Wolle

    Wenn meine Nachbarn von Amerika, Russland, England, China, usw. Rüstungsmaterial geliefert bekommen, warum darf ich mich dann zum Beispiel nicht mit Waffen aus Deutschland verteidigen?

  • 07.12.2011, 15:36 UhrAnonymer Benutzer: MenschenZeitung

    klar, wer merkel und kohl wählt, der denkt auch so... weil die saudis so ein gefährliches volk haben, dass man dort frauen jedwede rechte abspricht oder wie, deshalb liefern wir panzer an diktatoren?

  • 07.12.2011, 15:19 UhrAnonymer Benutzer: Rene

    Es wäre wünschenswert, gäbe es auf der Welt keine Kriegsmaschinerie mehr.

    Aber wenn es sie schon gibt, dann soll bitte Deutschland daran verdienen und nicht die Amerikaner.

  • Video

Panorama Tierschützer jagen Walfänger

Walfang-Gegner verfolgen ein japanisches Schiff, dass Jagd auf die Meeressäugetiere macht. Sie bewerfen die Walfänger mit diversen Gegenständen, die Besatzung des japanischen Schiffes antwortet mit Wasserwerfern.

  • Die aktuellen Top-Themen
Sonnenenergie: Kürzung der Solarförderung beschlossen

Kürzung der Solarförderung beschlossen

Nun ist es offiziell: Wie berichtet werden die Förderungen für Solarenergie gekürzt. Die Vergütung für neue Anlagen sogar um fast 30 Prozent. Umweltschützer und Unternehmen sind erzürnt.

Bundesweites Gedenken: Merkel: Eine „Schande für unser Land“

Merkel: Eine „Schande für unser Land“

In Berlin wurde den Opfern der Neonazi-Morde gedacht. Angela Merkel versprach dabei Entschlossenheit und Aufklärung. Die ist auch weiterhin dringend nötig. Auch die Wirtschaft beteiligte sich am Gedenken.

Brüsseler Prognose: Euro-Zone schrumpft 2012 um 0,3 Prozent

Euro-Zone schrumpft 2012 um 0,3 Prozent

Die Wirtschaftskraft der 17 Euro-Ländern geht laut EU-Kommission zurück. Es trifft vor allem die Krisenländer Griechenland, Portugal, Italien und Spanien. Aber auch Deutschlands Wirtschaft verliert kräftig an Schwung.

Global Reporting Chávez‘ Krebs ist zurück

Venezuelas Staatschef Hugo Chávez muss ein gutes halbes Jahr nach seiner ersten Krebsoperation erneut ein Tumor entfernt werden. Kubanische Ärzte hätten bei dem 57-Jährigen bei einer Nachuntersuchung ein neues Geschwür festgestellt, gab... Von Klaus Ehringfeld. Mehr…

Handelsblog Das schmutzige Geschäft mit Zwangszitaten

Anfang Februar ist in der Fachzeitschrift "Science" eine bemerkenswerte Studie erschienen: Die beiden US-Ökonomen Allen W. Wilhite und Eric A. Fong leuchten aus, wie sehr wissenschaftliche Fachzeitschriften versuchen, ihre Reputation zu... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International