Bericht
Versagen auf allen Ebenen beim Bau der Elbphilharmonie

Unfertige Planung, mangelnde Kontrolle – und das Desaster mit der Hamburger Elbphilharmonie nahm seine Lauf. So sieht es der Abschlussbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses.
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HamburgEine unfertige Planung, mangelnde Kontrolle vonseiten der Politik und ein Chaos auf der Baustelle sind schuld am Desaster beim Bau der Hamburger Elbphilharmonie. Das geht aus dem Abschlussbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses hervor, der am Freitag von den Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft diskutiert wurde. Auf 724 Seiten geht es um die Frage, wie es zu den Kostenexplosionen und Bauverzögerungen bei dem Prestigeprojekt kommen konnte. „Der Bericht offenbart ein schonungsloses Bild, was alles falsch gelaufen ist“, sagte der Vorsitzende, Ole Thorben Buschhüter (SPD).

Die Kosten für die Elbphilharmonie sind von ursprünglich 77 Millionen auf 789 Millionen Euro gestiegen, die Eröffnung wurde von 2010 auf 2017 verschoben.

Erstmals nennt der Bericht, der die Vorgänge bis Ende 2008 untersucht, auch die Namen der Verantwortlichen. Demnach wollten alle Beteiligten das Konzerthaus unbedingt bauen, ohne den Steuerzahlern die wahren Kosten zu präsentieren - die mittlerweile zehn Mal so hoch sind mehr als ursprünglich geplant.

Für die wichtigsten Fehlentscheidungen des Projekts - die verfrühte Ausschreibung und das komplizierte Dreiecksverhältnis zwischen Stadt, Hochtief und den Architekten - ist demnach die städtische Realisierungsgesellschaft (Rege) mit ihrem Chef Hartmut Wegener verantwortlich. Die politisch Verantwortlichen, allen voran Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und sein Chef der Senatskanzlei Volkmar Schön (CDU), seien dagegen ihrer Aufsichtspflicht nicht gerecht geworden und hätten sich zu wenig um Details des Jahrhundertbaus gekümmert.

„Der politische Anspruch, die Elbphilharmonie zu einem der zehn besten Konzerthäuser der Welt zu machen, kollidierte hart mit den knappen Geld- und Zeitressourcen“, sagte die Grünen-Politikerin Eva Gümbel. Die Organisation des Projekts an den Behörden vorbei mit der allein verantwortlichen Rege und die Heraushebung des „Machers“ Wegener habe Verzicht auf interne Prüf- und Kontrollmechanismen bedeutet. Außerdem seien die Baukosten künstlich niedrig kalkuliert und durch Übernahme von Bauherrenrisiken weiter gedrückt worden.

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Versagen auf allen Ebenen beim Bau der Elbphilharmonie

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„Chaotische Situation“

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  • Versagen? Nein, alle Beteiligte haben doch erfolgreich den Steuerzahler geschröpft ohne jemals dafür zur Rechenschaft gezogen zu sein/werden. Der einzige Bestrafte ist wieder einmal der Steuerzahler!

  • Sofort ein Ende bereiten! Wegsprengen, wie den Frankfurter Uni-Turm. Den Schrott liegen lassen als warnendes Beispiel für irrsinnige und steuerverschwendende Projekte.

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