Bericht zur Lebensqualität
Wie sich die Deutschen fühlen

Die Bundesregierung hat Nachforschungen anstellen lassen, was die Deutschen unter „gut leben“ verstehen. Per Postkarte und Email haben sie Einblicke in ihren Gemütszustand gegeben – mit überraschendem Ergebnis.
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PassauDas Bundeskabinett hat den Regierungsbericht zur Lebensqualität in Deutschland verabschiedet. Er sei „Kompass und gleichzeitig Handlungsauftrag an die Politik, mehr zu tun, damit „Wohlstand für alle“ kein leeres Versprechen ist“, teilte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch mit. Der Bericht spiegelt nach Angaben seines Ministeriums die vergleichsweise positive Lage Deutschlands wieder, etwa auf dem Arbeitsmarkt.

Die Bundesregierung hatte die Bürger von April bis Oktober 2015 in einem Bürgerdialog zum Thema Lebensqualität befragt. Rund 16.000 Menschen beteiligten sich online, per Post oder nahmen an den etwa 200 Foren teil, bei denen Regierungsmitglieder und auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Dialog suchten. Bürger konnten auch auf der Website gut-leben-in-deutschland.de mitwirken.

Die Bundesregierung will aus den Erkenntnissen, die der Bericht festhält, Handlungshinweise für ihre Regierungsarbeit ableiten. Nach Angaben aus Regierungskreisen kostete das über zwei Jahr laufende Projekt etwas mehr als 3,5 Millionen Euro.

Regierungskreisen zufolge haben sich in der Bürgerbefragung mehrere besonders wichtige Themen herauskristallisiert. So seien Frieden und Sicherheit die für die Menschen zentralen Voraussetzungen für Lebensqualität. An zweiter Stelle stehe das Thema Lohn und Einkommen.

Als Risiko für die Lebensqualität in Deutschland sieht der Bericht unter anderem die wachsende Ungleichheit. Der Bericht, so Gabriel, zeige durchaus deutlich, dass materielle Unterschiede das Zusammenleben erschweren. Bildungschancen, Einkommensabhängigkeit oder auch atypische Beschäftigungsverhältnisse seien Probleme, denen man sich deshalb in Zukunft stellen müsse. Das sei im Sinne der Bürger. Diese, so Gabriel, wollen ein gerechtes Land, dass sich durch „Chancengleichheit, Zusammenhalt, Gleichstellung von Frauen und die Schließung der Schere zwischen Arm und Reich bei Einkommen, Bildung und Gesundheitsversorgung“ auszeichnet. Das seien in den Dialogen die wichtigsten Forderungen der Bürger gewesen.

Der Bundesregierung macht derweil etwas anderes zu schaffen: Einbruchsdelikte und Hass-Verbrechen nehmen zu. Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen sei „unbefriedigend“, beklagt die Bundesregierung in ihrem Abschlussbericht. Der Wunsch, sicher und frei zu leben, sei von den Bürgern als eines der wichtigsten Anliegen identifiziert worden.

Mit Blick auf die Aufklärungsquote bei Einbrüchen heißt es in dem Bericht: „Hier erwarten die Bürgerinnen und Bürger, dass alle staatlichen Ebenen aktiv werden und Maßnahmen ergreifen.“ Wurden 1998 noch 32,3 Prozent der Diebstahldelikte von den Ermittlern aufgeklärt, seien es 2015 nur noch 27 Prozent gewesen. Seit 2010 gehe die Diebstahl-Statistik nach oben, 2015 seien 167.000 Fälle registriert worden. „Dies entspricht einem Anstieg von fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr“.

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  • Nochmals in einigen Jahren nachfragen, wenn die Anzahl der Vollerwerbstätigen unter die 40 Millionengrenze gefallen ist und die andere Hälfte ernährt werden muß.


    Deutschland hat Prüfungsangst. Seit die erste Pisa-Studie veröffentlicht
    wurde, ist das Bildungssystem im Ausnahmezustand. Wie ein Schüler, der
    sich lange um seine Hausaufgaben gedrückt hat und vor der Abschlussarbeit
    versucht, im Hauruckverfahren alles zu pauken, ringt das Land mit
    der Reform seiner Kindergärten, Schulen und Universitäten.
    Nur langsam sickert ins öffentliche Bewusstsein, dass viel von dem auf dem
    Spiel steht, was Deutschland ausmacht: unsere Kultur, unser Wohlstand,
    unser Sozialstaat. So wie in der Evolution nur die Stärksten überleben,
    gewinnen in der Globalisierung nur die Klügsten. Wenn wir Deutschen auch
    in 20 Jahren noch mehr Geld verdienen wollen als Osteuropäer oder Asiaten,
    dann muss unsere Arbeit auch mehr wert sein. Damit der Anteil an
    wissensintensiven Tätigkeiten wie Forschung oder qualifizierten Dienstleistungen
    in Deutschland steigt, müssen unsere Kopfarbeiter mit der internationalen
    Elite mithalten können, und zwar quer durch die Gesellschaft.

    Bisher sind die Voraussetzungen dafür nicht gut. Im Wettbewerb der besten
    Bildungssysteme liegt Deutschland laut Pisa 2003 unter 29 Ländern bestenfalls
    im Mittelfeld – in Mathematik auf Platz 16, im Lesen auf Platz 19 und
    in den Naturwissenschaften auf Platz 15.

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