Berlin-Besuch von Ägyptens Präsident Al-Sisi

Der Milliardenkoffer des Pharao

Was wir vom Berlin-Besuch des ägyptischen Präsidenten erwarten können? Die deutsche Wirtschaft hofft auf Mega-Deals, Menschenrechtler werfen dem Nil-Staat schwere Vergehen vor. Vier harte Fakten zum unbeliebten Besucher.
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Ägyptens Militärmachthaber Abdel Fatah al-Sisi ist heute in Berlin. Quelle: dpa
Unerwünschter Besuch

Ägyptens Militärmachthaber Abdel Fatah al-Sisi ist heute in Berlin.

(Foto: dpa)

BerlinSein Besuch in Deutschland war lange unerwünscht, und erst als Ägyptens Militärmachthaber Abdel Fatah al-Sisi dem Münchner Elektroriesen Siemens einen Milliarden-Auftrag in Aussicht stellte, lud die Bundesregierung Kairos neuen Pharao zum Staatsbesuch nach Berlin. Mit dabei: Der zehn Milliarden Euro schwere Auftrag, den Siemens-Chef Joe Kaeser bei al-Sisis Staatsvisite endgültig unterzeichnen will an diesem Mittwoch.

Der Multi-Milliarden Deal umfasst den Bau eines 4,4 Gigawatt Stromkapazität umfassendes neues Gas-Kraftwerk in Beni Suef in Oberägypten, die Errichtung von Windparks zur Gewinnung von zwei Gigawatt Strom sowie die Planung für Kraftwerkskonzepte für weitere 6,6 Gigawatt und zehn Umspannstationen.

Fakt 1: Es geht um sehr viel Geld – nicht nur für Siemens

Die deutsche Wirtschaft will vom Aufbruch am Nil profitieren. Das Land, das al-Sisi nach dem faktischen Militärputsch gegen den gewählten, der Moslembruderschaft entstammenden Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 beherrscht, will in den nächsten Jahren Megaprojekte für 60 Milliarden Dollar umsetzen. Das Geld kommt von den großzügigen Golf-Staaten, allen voran Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), die das Militärregime massiv unterstützen. Dabei geht es auch um eine zweite Fahrrinne für den weltberühmten Suez-Kanal sowie den Bau einer nagelneuen Hauptstadt in der Wüste zwischen Kairo und dem Kanal.

Eklat bei Al-Sisi Besuch in Berlin
Tumulte bei der Pressekonferenz
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Auf der Pressekonferenz zum Auftakt des zweitätigen Deutschland-Besuchs des ägyptische Präsidenten Al-Sisi kam es zu einem Eklat. Eine in Deutschland arbeitende Journalistin und Gegnerin des Al-Sisi-Regimes bat nach Ende der Pressekonferenz um die Möglichkeit, eine Frage stellen zu können. Als diese nicht mehr zugelassen wurde, schrie sie, Al-Sisi sei ein Mörder. Die ägyptische Presse-Delegation sprang daraufhin nahezu geschlossen auf und schrie im Chor zurück: „Es lebe Ägypten, es lebe Ägypten.“ Dabei deuteten die ägyptischen Medienvertreter wütend auf die Frau, die abgeführt wurde. Al-Sisi und Merkel verließen schnell den Saal.

Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen
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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte auf der Pressekonferenz deutliche Worte an Al-Sisi gerichtet. Sie kritisierte etwa die hohe Zahl von Todesurteilen in Ägypten. „Deutschland lehnt die Todesstrafe ab“, sagte sie. Auch die Beschränkungen der Arbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo hob die Kanzlerin kritisch hervor. Al-Sisis Regime ist wegen vieler Menschenrechtsverletzungen umstritten.

Strategische Bedeutung
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Merkel betonte aber auch Gemeinsamkeiten. So hob sie die strategische Bedeutung Ägyptens für den Frieden im Nahen Osten und den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus hervor. Deutschland werde zudem alles tun, damit Ägypten seine Stabilität sichern und die Wirtschaft florieren könne.

Militärische Ehren
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Vor dem Treffen mit Merkel war der ägyptische Präsident von Bundespräsident Joachim Gauck mit militärischen Ehren begrüßt worden.

Begrüßungszeremonie
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Gauck empfing seinen Gast am Schloss Bellevue.

Stopp den Hinrichtungen
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Al-Sisis Regime ist wegen zahlreicher Menschenrechtsverletzungen umstritten.

Proteste
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Das machten einige Demonstranten am Rande des Staatsbesuchs in Berlin deutlich.

Profitieren davon dürften auf deutscher Seite Anbieter von Kraftwerkstechnologie, von Solar- und Windkraftanlagen, von Wartungsdienstleistungen von Kraftwerken und auch Umrüster, die die Kraftwerksbefeuerung von teurem Diesel auf billige Kohle umstellen sollen. Denn laut Rainer Herret, dem Chef der deutsch-arabischen Industrie- und Handelskammer (AHK) in Kairo, „wird die Lösung der Energieknappheit in der ägyptischen Wirtschaftspolitik vorrangig betrieben“. Auch Zulieferer und Planer für die angedachten Projekte im Infrastrukturausbau – Hafenanlagen, Eisenbahn, Logistikzentren, urbane Planung – dürften am Ende zu Vertragsabschlüssen mit den neuen, alten Herren am Nil kommen.

Doch andere deutsche Firmen dürften das Nachsehen haben: „Vor allem Exporteure von Maschinen und Anlagen und von Investitionsgütern sehen mit Sorge die andauernde Knappheit von Devisen“, sagte Herret dem Handelsblatt. Kairos Kassen sind leer, Devisen für Importe bekommen nur Ausgewählte, die Folge: Die deutschen Ausfuhren in den ersten drei Monaten diesen Jahres blieben 10,5 Prozent hinter dem Vorjahresvergleichszeitraum zurück.

Fakt 2: Die Bundesregierung als Weichenstellerin für die Wirtschaft
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11 Kommentare zu "Berlin-Besuch von Ägyptens Präsident Al-Sisi: Der Milliardenkoffer des Pharao"

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  • ich kenne Ägypten seit 1965 und habe dort 8 Jahre gelebt. Natürlich ist dort die Bürokratie extrem ausgeprägt - man hat sie schließlich vor 5000 Jahren erfunden und exportiert. Aber es ist einfach seine Interessen mit der Bürokratie schnell und einfach umzusetzen - bei einigen Tassen Tee, nem netten Gespräch und ausreichend Bakschisch bekommt man was man will und braucht. Sollten man dem Geheimdienst ausgeliefert sein, dann hilft meist ein monatliches Gespräch bei einer Flasche Whisky und ein paar dicke Zigaretten. Wenn man natürlich meint mit dt. wesen und eisernem Besen den Ägyptern mal zu zeigen was Sache ist... dann bisse in diesem Land verkehrt. Ansonsten gibt es nervigeres als die Bürokratie.

  • Als Ergänzung...

    Die Verwaltung Ägyptens ist in der Tat eine der am wenigsten perfekten Verwaltungen die ich erleben durfte.

    Die Genehmigung einer Unternehmensgründung ist ohne gute Beziehungen, oder ein Kaninchen, vermutlich hoffnungslos. Deshalb sind ca. 80% der Betriebe, Friseure, Restaurants, Geschäfte, Handwerksbetriebe eben nicht angemeldet. Diese existieren dann dank der guten Beziehungen zu den lokalen Behörden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Ich hatte ein paar Jahre im Nahen Osten verbracht, spreche ein wenig Arabisch.

    Ich vermute die Ursache für die sehr negative Überschrift ist dass die Ägypter mit der ökosozialistischen Ideologie des Journalisten wenig anfangen können.

    Menschenrechte haben im gesamten Mittleren Osten eine andere Bedeutung als in D. Die Linken prangern diese nur an wenn dies ideologisch opportun ist, bzw. freuen sich wenn die Menschenrechte weniger linker Mitbürger tangiert werden. Man denke an die Entrechtung 100000ender Väter in Deutschland.

    Die meisten Menschen Ägyptens haben existenzielle Herausforderungen zu bewältigen. Mit ökoreligiösen "Erneuerbaren Energien", oder dem Klimaschwindel können sie wenig anfangen. Sie freuen sich wenn Dieselkraftwerke auf preiswerte Kohle umgestellt werden können, oder neue Gaskraftwerke gebaut werden. Daneben wünscht man sich in Ägypten seit 40 Jahren ein umweltfreundliches Kernkraftwerk (mangels Geld ein Plan). Umweltschädliche und wertlose Windmühlen, oder Solaranlagen nimmt man solange diese nichts kosten, bzw. duldet das dieser Ökomüll in die Wüste gestellt wird. In der Vergangenheit hat man häufig darauf verzichtet den Ökomüll an das Netz anzuschliessen.
    .

  • Blatter hat sich mit Israel angelegt.

    alles andere ist nur vorgeschoben.

  • Se haben durchaus Recht mit Ihren Aussagen.

    Die letzte mit den Kriegswaffen ist nur ein bisschen halbgar.
    Das Verhältnis zwischen exportierten Maschinen, Chemie, etc. und Kriegsgeräten ist enorm.

    Mal davon abgesehen, profitiert Deutschland von dem Wiederaufbau eines zerstörten Landes weniger, als durch die andauernden Lieferungen der "üblichen" Exportgüter. Werte laut statis.

    Einen schönen Tag!

  • "Seit dem Machtwechsel sind nach Zählungen internationaler Menschenrechtsorganisationen über 2500 Menschen getötet worden bei Protesten, mehr als 40.000 wurden aus politischen Gründen verhaftet, etwa 100 dabei zu Tode gefoltert. "

    Und bei Blatter stört die Korruption?

  • Was wollen die Deutschen und Europäer eigentlich?
    Einen weiteren IS in Ägypten?
    Eine weitere Front gegen Israel?
    Es gibt halt nun mal Staaten, die funktionieren nur, wenn eine "starke Hand" regiert, man siehts
    doch wohin die Weicheipolitik in Libyen und Syrien usw. führt.
    Unregierbarkeit, Krieg, Auswanderwellen nach Europa; und dort will die Menschen niemand haben.
    Die US-Boys freuen sich vielleicht, wenns wieder zu rauchen und zu krachen beginnt.
    Die Absatzmärkte für Kriegswaffen müssen immer weiter am "laufen" gehalten werden.

  • Was für ein Pharao ? Dümmliche Schlagzeile !

  • Herzlich Willkommen in D, Herr Präsident!

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