Berlin
Deutschland nahm Abschied von Johannes Rau

Mit einer bewegenden Trauerfeier im Berliner Dom hat Deutschland am Dienstag Abschied genommen von seinem achten Bundespräsidenten. An dem von vielen Fernsehsendern übertragenen Staatsakt für Johannes Rau nahmen rund 1 500 Trauergäste aus dem In- und Ausland teil.

HB BERLIN. Unter den Gästen waren Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert und der amtierende Bundesratspräsident, der schleswig-holsteinische Ministerprädident Peter-Harry Carstensen. Aus dem Ausland waren etwa die Präsidenten Tschechiens und Österreichs, Vaclav Klaus und Heinz Fischer, angereist.

Raus Amtsnachfolger Horst Köhler bescheinigte dem Verstorbenen, Deutschland im Ausland vorbildlich vertreten und im Inneren zusammengehalten zu haben. Sein Einsatz für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wirke fort. „Johannes Rau hat sich um unser Vaterland verdient gemacht“, sagte Köhler. Als Staatsoberhaupt habe Rau Deutschland im Ausland glaubwürdig, überzeugend und sympathisch vertreten, betonte der Bundespräsident. Besonders hob er Raus Leistungen für das deutsch-israelische und das deutsch-polnische Verhältnis hervor. Gute Wege habe er auch in der Innenpolitik gewiesen. Besonders würdigte Köhler die Bürgernähe seines Amtsvorgängers. „Er verstand es als seinen Auftrag, Politik für die Menschen zu machen, und sein Wirklichkeitssinn sagte ihm, dass er dafür das Gespräch mit ihnen mindestens so sehr brauchte wie die Gutachten seiner Berater.“

Der österreichische Bundespräsident Fischer nannte Rau einen wunderbaren Menschen. Er sei jemand gewesen, der versöhnen und zusammenführen, aber nicht hassen könne. Zum Ansehen Deutschlands in der Welt habe er ganz entscheidende Beiträge geleistet. „Johannes Rau hat die Menschen gerne gehabt, und daher haben die Menschen ihn gerne gehabt, als Amtsträger und noch viel mehr als Person“, sagte Fischer.

Mit einer sehr persönlich gehaltenen Rede nahm der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel Abschied von seinem langjährigen politischen Weggefährten. Wenige Politiker seien den Menschen so nahe gewesen wie Rau. Er habe sie stets ermutigt und ihnen Hoffnung gegeben, habe sie aber auch ermahnt, wenn ihm Entwicklungen gefährlich erschienen seien. Was von Rau bleibe, sei die Erinnerung an einen Sozialdemokraten, dem es stets um Solidarität und Mitmenschlichkeit gegangen sei und bei dem Reden und Tun übereingestimmt hätten. „Leb' wohl, Johannes, du wirst mir stets gegenwärtig sein“, schloss Vogel seine Rede.

In dem vorangegangenen Trauergottesdienst erinnerte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, daran, dass Rau stets an der „Verbesserlichkeit der Welt“ festgehalten habe. Zugleich habe ihm die Heiterkeit des Glaubens geholfen, mit der Unzulänglichkeit der Welt zurecht zu kommen. „Genau hinschauend und den Menschen zugewandt, traf er den Ton, der die Menschen erreichte, und bewegte ihr Schicksal“, sagte Huber. In seiner letzten Bibelarbeit beim Evangelischen Kirchtag habe Rau erklärt, dass der christliche Glaube ihm Trost und Hoffnung im Leben und im Sterben sei. Er habe aber auch jeden respektiert, der in seinem Leben auf andere Weise Halt und Orientierung gefunden habe.

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