Berlin
Grüne umschmeicheln Wowereit

Die Braut spielt mit ihren Reizen: Fast schon ranschmeißerisch umwerben die Grünen den Berliner SPD-Wahlsieger Klaus Wowereit, damit er mit ihnen eine Koalition eingeht. Mit ihnen, so die Grünen, könne Wowereit seine politischen Ambitionen doch viel besser umsetzen als mit der gerupften und zerstrittenen Linkspartei.

HB BERLIN. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, rief Wowereit dazu auf, zusammen mit ihrer Partei "eine neue Landespolitik" zu entwerfen. Künast sagte der "Leipziger Volkszeitung", Wowereit solle nicht der abgewählten Linkspartei nachjagen. Mit Rot-Grün hätte der SPD-Politiker "auch die Chance, persönlich ein kleines Feuerchen in der Bundespolitik zu entfachen", argumentierte Künast. Sie spielt mit dieser Aussage darauf an, dass Wowereit vor der Wahl verkündet hatte, sich bundespolitisch stärker engagieren zu wollen.

Die SPD hatte die Wahl zum Abgeordnetenhaus am Sonntag klar gewonnen. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kommen die Sozialdemokraten im neuen Landesparlament auf 53 der 149 Sitze, Linke/PDS und Grüne auf jeweils 23 Sitze. Wowereit kann sich nun aussuchen, ob er mit der geschwächten Linkspartei oder den erstarkten Grünen regieren will.

Wowereit selbst stellte am Montag klar, dass er kein Interesse an einem Rot-Rot-Grünen Bündnis hat, auch wenn dadurch die Mehrheitsverhältnisse sicherer wären. "Man sollte eine Dreierkonstellation, wenn es nicht notwendig ist, vermeiden", sagte Wowereit, "Es würde sehr kompliziert werden, Dreierbündnisse sind in Deutschland nicht sehr geübt." Die beiden kleineren Partner müssten immer versuchen, sich zu profilieren.

Der Regierende Bürgermeister, der Sondierungsgespräche sowohl mit den Grünen als auch mit der Linkspartei angekündigt hat, betonte, dass die Grünen nicht der Lieblingspartner der SPD seien wie noch 2001. Beide potenziellen Partner "kennen wir gut, mit beiden geht es inhaltlich. Wir sind ja alles drei Parteien, die links von der Mitte angesiedelt werden. Deshalb gibt es viele Schnittmengen." Er befürchte auch nicht, dass die Linkspartei wegen ihres hohen Stimmenverlustes ein schwierigerer Partner werden könnte.

Die Linkspartei, die in Berlin gegen die WASG angetreten war und auch deswegen Stimmen verlor, hielt sich am Montag den Gang in die Opposition offen, "Wir können regieren, wir können opponieren", sagte Spitzenkandidat und Wirtschaftssenator Harald Wolf im Inforadio des RBB. Es komme jetzt darauf an, wie viel ihrer inhaltlichen Forderungen die Linkspartei in den Sondierungsgesprächen mit der SPD durchsetzen könne. Die Linkspartei war am Sonntag von 22,6 Prozent auf 13,4 abgestürzt.

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