Berlin intern
Einstein gewährt Innenminister de Maizière Asyl

Wer ins Caféhaus geht, braucht Gesellschaft, um allein zu sein. Nicht nur Caféhaus-Poeten wissen das. Politiker brauchen noch viel mehr Gesellschaft, um allein zu sein. Deshalb lassen sich gerade die Edelexemplare der politischen Zunft, die Minister, im Caféhaus stets an jener Ecke nieder, die von überall einsehbar ist.
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Viel Publikum, viel Ehr’. Das Café Einstein in Berlin bietet für Schausitzen das effektivste Ambiente. Prompt hockte am ersten Arbeitstag auch Innenminister Lothar de Maizière dort. Ganz anders als seine Kollegen aber saß der Neue in einer völlig unüblichen Körper- wie wohl auch Geisteshaltung. Torso und Gesicht reglos zur Wand gekehrt, den Blick meist tief in Akten versenkt.

Größtmögliche Dezenz obliegt natürlich einem deutschen Innenminister, schon gar wenn er von einem Generalinspekteur der Bundeswehr erzogen wurde. An jenem Morgen übte nicht allein disziplinierte Zurückhaltung Zwang aus. Als Kanzleramtschef hatte er an diesem Morgen pünktlich um 9:30 Uhr sein Büro in der Waschmaschine (Kanzleramt) geräumt. Doch als Innenminister konnte er in seinem neuen Domizil längst noch nicht einziehen. Kollege Schäuble war dort bis 11 Uhr gebucht. So fand de Maizière vorübergehendes Asyl im Einstein. Wo sonst? Ungeklärt blieb bei Redaktionsschluss , ob seinem Antrag auf Asyl stattgegeben ward. Oder ob er dort lediglich Duldung genießt.

Kommentare zu " Berlin intern: Einstein gewährt Innenminister de Maizière Asyl"

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  • Der bundesinneminister heißt immer noch Thomas (http://www.bmi.bund.de) und nicht Lothar. Sein Cousin Lothar war der letzte Ministerpräsident der DDR.

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