_

Berlin Intern: Regierungsberater wirbt für Pillen gegen Nikotinsucht

Wie unabhängig sind Wissenschaftler? Diese Frage taucht immer auf, wenn Vertreter dieser Zunft mit Gutachten Einfluss auf politische Meinungsbildungsprozesse nehmen. Seit Freitag muss sie sich auch der langjährige Regierungsberater Jürgen Wasem gefallen lassen, der mittlerweile für den Pharmakonzern Pfitzer forscht.

Ein Raucher drückt seine Zigarette aus. Quelle: ap
Ein Raucher drückt seine Zigarette aus. Quelle: ap

BERLIN. Der Gesundheitsökonom hat vorgerechnet, dass die Krankenkassen – bezogen auf die restliche Lebenszeit eines Rauchers – über 1 000 Euro sparen können, wenn sie ihm Medikamente zur Raucherentwöhnung zahlen würden. Das können sie bislang nicht, da diese Präparate als Lifestyle-Medikamente von der Erstattung ausgeschlossen sind.

Anzeige

Das Dumme ist nur: Wasem erforschte das Problem für den Pharmakonzern Pfizer. Und Pfizer ist Hersteller der auch ohne Erstattung recht erfolgreichen Entwöhnungspille Champix. Das rezeptpflichtige Medikament hat so heftige Nebenwirkungen, dass die US-Flugaufsicht den amerikanischen Piloten 2008 die Einnahme verbot, weil sie um die Sicherheit im Flugverkehr fürchtete. Die Ärztekammer empfiehlt jedoch auch, die Raucherpillen in den Leistungskatalog aufzunehmen.

Doch Wasem als Gesundheitsökonom müsste wissen, dass die Umsätze mit Champix & Co schnell steigen würden, müssten die Kassen zahlen. Die Kosten wären riesig – und überflüssig. Denn die Kassen bieten schon lange Entwöhnungskurse an, die ohne die teure Chemie aus den Laboren der Industrie auskommen.

  • 10.08.2010, 10:57 UhrAnonymer Benutzer: David Schengel

    Als COPD-Patient freue ich mich über Professor Wasems Vorstoß. Meine Rauchentwöhnung mit Champix musste ich komplett selbst bezahlen!! Und das begleitende beratungsprogramm wurde auch nicht bezuschusst. Also, von mir aus weiter so!

  • 08.08.2010, 22:27 UhrAnonymer Benutzer: Ökonom 2010

    Naja, da sollte der Redakteur nochmal nachlesen. Die Arbeit vom Wasem ist im Netz verfügbar und das scheint eine volkswirtschaftliche Modellrechnung mit Hand und Fuß zu sein. Mögliche Nebenwirkungen sind auch eingerechnet. Und dass Pfizer Pharma das Projekt gesponsert hat, steht dort auch. Schlechte Recherche - und das vom Handelsblatt! Für mich ist das schnödes Mitreiten auf der Pharmakritik-Welle. Erstmal lesen, verstehen und dann kommentieren!

  • 06.08.2010, 11:49 UhrAnonymer Benutzer: Joerg Mueller

    ...ja was macht man nichts alles für eine kleines kich-back-chen ...

    Alles Sumpf! Die heutigen Politiker sind überwiegend willige oder auch unwillige Gehilfen der industrie und der banken! ich würde auf das Wort ein Diebes mehr geben, als auf das Wort dieser Figuren.

  • Die aktuellen Top-Themen
Wüstenrot-Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Rund 44 Prozent der Deutschen halten die Preise für Häuser und Wohnungen für deutlich überhöht. Sie fürchten sich vor einer Immobilienblase. Vor allem die Bürger eines Bundeslandes sind besonders skeptisch.

Weltwirtschaftswachstum: EU rüffelt China, Japan und die USA

EU rüffelt China, Japan und die USA

EU-Kommissionspräsident Barroso und Ratspräsident Van Rompuy fordern, dass alle G20-Länder das Weltwirtschaftswachstum fördern. Europa sei seiner Verantwortung nachgekommen, hieß es, jetzt seien die anderen dran.

Erzieher-Mangel: Kommunen wollen Ungelernte in Kitas einsetzen

Kommunen wollen Ungelernte in Kitas einsetzen

Ab dem nächsten Jahr haben Eltern ein Recht auf einen Kita-Platz. Doch vielerorts fehlen die Erzieher. Städte und Gemeinden erwägen, ungelernte Hilfskräfte einzusetzen. Eine Katastrophe, meint der Kinderschutzbund.