Berlin Intern
Röttgen führt „Ministerium für Atomkraft“

Röttgens Anti-Atom-Kurs, der ihm auch in der eigenen Partei viel Ärger eintrug, wird von der Szene der Kernkraftgegner nicht honoriert, im Gegenteil: Greenpeace-Aktivisten benannten Röttgens Ministerium gestern kurzerhand in „Bundesministerium für Atomkraft und Konzerninteressen“ um.
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Monatelang hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) dafür gekämpft, die Verlängerung der Laufzeiten für die 17 deutschen Kernkraftwerke möglichst knapp ausfallen zu lassen. Außerdem ließ er nichts unversucht, den Preis, den die Energiekonzerne für die Verlängerung zahlen müssen, in die Höhe zu treiben.

Wenn man heute Manager der vier Kernkraftwerksbetreiber trifft, beschweren sie sich lauthals über Brennelementesteuer und Sonderabgabe, die sich zu stattlichen zweistelligen Milliardenbeträgen summieren und die Freude am Betrieb der Meiler deutlich schmälern. Wenn sie den Namen Röttgen hören, verdrehen sie mitunter die Augen. Doch Röttgens Anti-Atom-Kurs, der ihm auch in der eigenen Partei viel Ärger eintrug, wird von der Szene der Kernkraftgegner nicht honoriert, im Gegenteil: Greenpeace-Aktivisten benannten Röttgens Ministerium gestern kurzerhand in „Bundesministerium für Atomkraft und Konzerninteressen“ um. Dazu tauschten sie das Messingschild am Ministeriumseingang am Berliner Alexanderplatz aus – und hingen zusätzlich ein 200 Quadratmeter großes Transparent mit gleichlautendem Text an die Hausfassade.

Röttgen konnte sich damit trösten, dass Greenpeace das Transparent noch am Vormittag wieder entfernte. Sein guter Ruf in Umweltschützer-Kreisen jedoch ist beschädigt. Das schmerzt den Minister, der bislang von der Öko-Szene meist beklatscht wurde.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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