Berlin
Regierung will Steuerrecht vereinfachen

Wieder und wieder gab es Versuche, das deutsche Steuerrecht zu vereinfachen. Zeitweise sollte eine Steuererklärung "auf dem Bierdeckel" machbar sein. Nun unternimmt die Koalition in Berlin einen neuen Versuch. Die Belastung der Bürger und der Unternehmen soll zudem spürbar sinken.
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HB. BERLIN. Union und FDP wollen Bürger und Unternehmen nach einem Zeitungsbericht durch eine Vereinfachung des Steuerrechts um mehr als 4,5 Milliarden Euro entlasten. Dies gehe aus einer Beschlussempfehlung für das Treffen der Koalitionsspitzen am heutigen Donnerstag heute in Berlin hervor, die der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt.

Hauptnutznießer seien demnach die Firmen, deren Bürokratie- Kosten durch den Verzicht der Finanzämter auf eine Vielzahl von Detailregelungen und schriftlichen Belegen um vier Milliarden Euro sinken sollen. Hinzu kommen dem Bericht zufolge Steuerermäßigungen für Arbeitnehmer in Höhe von 590 Millionen Euro. Insgesamt umfasse der Katalog der Steuervereinfachungen, den die Koalitionsrunde verabschieden will, 41 Punkte, schreibt das Münchner Blatt weiter. Ein zentraler Gedanke sei, die Zahl der Papierbelege, die die Steuerzahler sammeln und einreichen müssen, spürbar zu reduzieren.

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Laut Beschlussvorschlag sollen viele schriftliche Nachweise komplett wegfallen, andere könnten künftig elektronisch an die Finanzämter übermittelt werden. So entfalle etwa die bekannte Lohnsteuerkarte aus Pappe. Stattdessen könne der Arbeitgeber Mitarbeiterdaten ab 2012 elektronisch abrufen. Zudem würden Dokumentationspflichten für bestimmte Warenlieferungen sowie für Anbieter von Altersvorsorgeprodukten verringert. Betriebsprüfungen sollten "zeitnah" stattfinden.



Anders als die geringeren Bürokratiekosten für die Betriebe schlagen sich die Entlastungen der Bürger dem Zeitungsbericht zufolge in vollem Umfang in der Staatskasse nieder. Sie sollen daher auf 590 Millionen Euro begrenzt werden. Dank der vielen Vereinfachungen werde die Gesamtbelastung der Arbeitnehmer, Familien und Firmen dennoch deutlich verringert, heißt es in der zehnseitigen Beschlussempfehlung.



Der CDU/CSU-Finanzexperte Leo Dautzenberg sagte der Zeitung, mit dem Paket würden zielgenau gerade die Steuerzahler von unnötiger Steuerbürokratie befreit, "die ihre Steuererklärung noch selbst ausfüllen. Die Steuererklärung wird künftig einfacher, schneller und auch papierloser gehen." Als "besonders wirksam" bezeichnete Dautzenberg die geplante Anhebung des Arbeitnehmerpauschbetrags von 920 auf 1000 Euro pro Jahr, der die Bürger beim Sammeln von Quittungen entlastet, den Staat allerdings 330 Millionen Euro kostet.

Kommentare zu " Berlin: Regierung will Steuerrecht vereinfachen"

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  • Das kann ja nur ein Witz sein.bei Arbeitnehmern mit mehr als 1.000,- € Werbungskosten ändert sich gar nichts.Also weiter brav belege sammeln und freut Euch doch für die wenigen die in den Genuss der *hohen* Rückerstattung kommen.

  • Da haben wir ja einen wahren "Finanzexperten" !!! Diese Steuererleichterung macht bei mir 2,71 EUR im Monat! Wenn ich dagegenrechne, was mich die zusätzlichen beiträge der Krankenversicherung, die Mehrkosten der Energie, die Mehrkosten für Raucher, usw. kostet dann läuft es mir kalt den Rücken herunter.

    Hier wird wieder einmal versucht, den bürger hinters Licht zu führen! Aber was will man von einer Partei erwarten, deren Vorsitzende nicht einmal brutto von Netto unterscheiden kann?!

  • Alles sehr lobenswert.

    Pikantes Detail: "Zudem würden Dokumentationspflichten für ... für Anbieter von Altersvorsorgeprodukten verringert." Dass bei Lebensversicherungen rund 20% der Einzahlungen "daneben" gehen, kann man hier nachlesen:

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/allianz-geht-voran-versicherer-saegen-an-den-renditen;2708448

    Das soll natürlich auch so bleiben - nicht dass die armen Versicherer noch am Hungertuch nagen müssen.

    Eine Dokumentation der Verwaltungskosten und Provisionen ist da schon sehr hinderlich ...

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