Deutschland
Berlin warnt vor weniger Hilfe für Arme

Vor dramatischen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf Entwicklungs- und Schwellenländer hat Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) gewarnt. „Diese Krise wirkt wie ein von Menschen gemachter Tsunami in Zeitlupe“, sagte sie dem Handelsblatt.

BERLIN. „Denn private Investitionen in Entwicklungsländer und Exportmöglichkeiten gehen zurück.“ Außerdem sei wirtschaftlich schwächeren Ländern eine Rekapitalisierung über die Finanzmärkte derzeit nahezu unmöglich. Angesichts der wachsenden Kapitalknappheit dürften die Industriestaaten deshalb auf keinen Fall ihre Entwicklungshilfe zurückfahren.

Anlass der Äußerungen sind die jüngsten Zahlen über die internationale Entwicklungshilfe, die die OECD gestern vorlegte. Danach sind die staatlichen Zahlungen der 22 OECD-Staaten im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 119,8 Mrd. Dollar gestiegen. Allerdings wächst die Sorge, dass der Trend nun kippt. Denn die meisten Industriestaaten verschulden sich derzeit massiv, um die heimische Wirtschaft in der Krise mit Konjunkturprogrammen anzukurbeln - das erhöht den Druck, an anderer Stelle zu sparen.

Wegen der schrumpfenden Wirtschaft müssen sich die Industrieländer auch keine Sorge machen, dass die sogenannte ODA-Quote fällt, die den Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttoinlandsprodukt misst. Hier hatten sich die Staaten mehrfach international auf einen Anstieg bis auf 0,7 Prozent am BIP verpflichtet.

Deutschland war nach den OECD-Zahlen 2008 wie schon im Jahr zuvor zweitgrößter Geber weltweit. Allerdings ist in der deutschen Bilanz der Anteil der Entschuldung derzeit am größten. So entfielen 2008 von den 13,9 Mrd. Dollar Entwicklungshilfe 2,6 Mrd auf alte Schulden, die nicht mehr zurückgezahlt werden müssen. Am meisten Geld zahlten 2008 übrigens die USA mit 26 Mrd. Dollar - die frühere Bush-Regierung steigerte ihre Hilfe in einem Jahr immerhin um 4,2 Mrd. Dollar. Die ODA-Quote der USA liegt mit 0,18 Prozent aber immer noch weiter unter der Deutschlands (0,38) oder gar der Schwedens ( 0,98).

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