Berlin weitgehend ruhig

Polizei löst Demonstrationen in Hamburg auf

In der Hansestadt ist die Lage am 1. Mai doch noch leicht eskaliert. Die Polizei ging bei zwei „revolutionären“ Demonstrationen mit Wasserwerfern vor. In Berlin dagegen blieb es bei den Kundgebungen weitgehend ruhig.
Update: 02.05.2015 - 12:14 Uhr Kommentieren
Bei Kundgebungen zum 1. Mai ging die Polizei in Hamburg gegen Demonstranten vor. Quelle: dpa
1.Mai Demonstration

Bei Kundgebungen zum 1. Mai ging die Polizei in Hamburg gegen Demonstranten vor.

(Foto: dpa)

BerlinWährend die Hauptstadt einen weitgehend friedlichen 1. Mai erlebte, kam es in der Hansestadt bei zwei „revolutionären“ Demonstrationen am Freitagabend zu Ausschreitungen. Nach Angaben von Polizei und Beobachtern wurden 34 Beamte und mehrere Demonstranten verletzt. Die Polizei nahm 18 Menschen fest. Schwere Krawalle wie in früheren Jahren blieben bis zum frühen Samstagmorgen in beiden Städten aus.

In Hamburg warfen Teilnehmer der Demonstrationen in den Stadtteilen St. Pauli und Altona nach Polizeiangaben Böller auf die Beamten. Die Polizei hatte den Zug auf St. Pauli mit etwa 700 Menschen aus dem linken Spektrum schon wenige Meter nach Beginn gestoppt, weil sich Teilnehmer vermummt hatten. In Altona marschierten bis zu 1500 Menschen aus dem linken Spektrum. Auch dort wurden gleich zu Beginn Feuerwerkskörper gezündet. Die Beamten setzten Wasserwerfer ein. Nach Auflösung der Demonstrationen kam es immer wieder zu Scharmützeln zwischen kleineren Gruppen und der Polizei auf St. Pauli und im Schanzenviertel. Am späten Abend beruhigte sich die Lage.

In Weimar kam es zu einem Handgemenge, als eine Gruppe Rechtsextremer die Kundgebung der SPD angriff.

Die Polizei in Berlin sprach von einer „insgesamt weitgehend störungsfreien“ Demonstration. Ein Sprecher sagte, der positive Trend der vergangenen Jahre setze sich offenbar fort. Für eine abschließende Bilanz sei es aber noch zu früh: „Wir müssen erst die Nacht abwarten.“

Gemach in Berlin, Krawall in Istanbul, oben ohne in Paris
1. Mai-Demo in Hamburg eskaliert am Abend
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Kurz nach dem Beginn einer linksextremen Mai-Demonstration in Hamburg ist es am Freitagabend doch zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Zunächst waren alle Maiaktionen in der Hansestadt friedlich verlaufen. Doch als sich später etwa 700 Demonstranten sammelten, um durch St.Pauli zu ziehen, wurde der Zug unter Einsatz einer Reiterstaffel aufgelöst. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben den Zug schon wenige Meter nach Beginn gestoppt, weil sich Teilnehmer vermummt hatten. Auf die Beamten wurden Böller und Gegenstände geworfen, wie ein Sprecher sagte. An einer zweiten Demonstration im Stadtteil Altona beteiligten sich bis zu 1000 Menschen aus dem linken Spektrum. Auch dort wurden gleich zu Beginn des Marsches Feuerwerkskörper gezündet. Die Polizei rückte mit Wasserwerfern an und stoppte die Demonstration kurzzeitig.

Umzug für internationale Solidarität
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Auch in Berlin gab es vereinzelte Angriffe auf Polizisten und Feuerwerkskörper wurden gezündet. Doch die Lage am ersten Mai sah auch schonmal anders aus: Die Revolutionäre Maikundgebung in Berlin-Kreuzberg lief mit ihren erwarteten 30.000 Teilnehmern dieses Jahr ziemlich spannungsfrei an. Im Fokus der Proteste standen die Wohnungsmarktsituation in Berlin und der aktuelle Umgang der EU mit Flüchtlingen. Doch während die Demonstration vor einigen Jahren regelmäßig in Krawalle ausartete, blieb es diesmal am frühen Abend ruhig.

Berlin hat Erfahrung mit Krawallen
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In einigen Vorjahren gab es mehr Probleme: 2012 machten die Revolutionäre bei ihrer Maidemonstration etwa ordentlich Krawall und zündeten etwa Mülltonnen und andere Gegenstände vor dem jüdischen Museum an. Eine unmissverständliche Drohgebärde aus dem radikalen linken Spektrum, aus dem immer wieder auch antisemitische Töne laut werden.

Zentrale DGB-Demonstration am 1. Mai
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Doch in diesem Jahr ging es beim Tag der Arbeit in der Hauptstadt gesitteter zu, ohne gewalttätige Ausschreitungen. Wie auch schon bei den Kundgebungen zur Walpurgisnacht am Vorabend in Berlin und in Hamburg blieb es eher ruhig. Zu den ohnehin gemäßigten Protesten des DGB fanden sich wie hier beim Marsch vor der zentralen Kundgebung in der Innenstadt zwar etwa 4000 Demonstranten ein, doch ihre Forderungen waren eher handzahm.

DGB-Demonstration zum 1. Mai in Hamburg
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In der Hansestadt plädierten die Protestierenden bei den gewerkschaftlichen Demonstrationen am Mittag unter anderem für mehr Würde in der Arbeitswelt und warnten vor einer Aushöhlung des Mindestlohnes, die sie durch die Union befürchten. Doch dass der Leidensdruck zur Mobilisierung der Massen etwas fehlt, zeigt das Protestgebahren der Gewerkschaften: „Adieu, Diktatur der Bosse“ und „Fuck off, Rassismus“ sind nur zwei der kernigen Sprüche, die der DGB als Losung für die Demonstrationen ausgegeben hat. „Ich habe die Befürchtung, dass die Gewerkschaften in einer Sinnkrise sind“, kommentierte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger diese Wortwahl in der „Rheinischen Post“. Weil sich mit den von der SPD forcierten Reformen wie der Einführung des Mindestlohnes und der Rente mit 63 die Forderungen der Gewerkschaften und der Politik wieder angenähert haben, bleibt das große Aufbäumen bei den Demonstrationen aus.

1. Mai-Demonstration in Leipzig
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Auch in Leipzig war die Beteiligung bei der zentralen Kundgebung nach Ende der Demonstration eher mäßig. Sicherheitskräfte in verschiedenen Städten, die in der Vergangenheit Probleme mit Gewaltexzessen rund um den ersten Mai hatten, gaben sich zuversichtlich: Radikaler Protest sei an diesem Freitag wahrscheinlich nur von Gruppen zu erwarten, die den 1. Mai traditionell zum Anlass für Anti-Staats-Randale nehmen.

Zentrale DGB-Demonstration am 1. Mai
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Während die Demonstranten in Berlin nahe dem Brandenburger Tor sich gegen Rassismus einsetzen und fordern, „Nazis entgegenzutreten“, sehen sich Demonstranten in anderen Städten in Deutschland real bedroht.

Bei dem Protestzug kam es zu kleineren Vorfällen. Dabei flogen Steine, Flaschen und Farbbeutel gegen Polizisten, Einsatzwagen und ein Polizeigebäude. Es gab einige Festnahmen. Genaue Zahlen nannte die Polizei auch hier nicht. In der Vergangenheit war in Berlin von der abendlichen Demo wiederholt Gewalt ausgegangen. In diesem Jahr zählte die Polizei 18 000 Teilnehmer. Nach Angaben der Veranstalter kamen 33 000 Menschen. Sie zogen durch die Stadtteile Kreuzberg und Neukölln.

Zum traditionellen „Myfest“ in Kreuzberg - einst gegründet, um der alljährlichen Randale entgegenzuwirken - strömten tagsüber fast 45 000 Menschen. Auf knapp 20 Bühnen wurde dort Musik gespielt.

Die Innenstadt der türkischen Millionenmetropole Istanbul hingegen befand sich im Ausnahmezustand. Mit Wasserwerfern und Tränengas ging die Polizei dort am Freitag gegen Demonstranten vor, die auf den symbolträchtigen Taksim-Platz wollten. Randalierer warfen Molotow-Cocktails. Mehr als 200 Menschen seien festgenommen worden, hieß es.

  • dpa
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