Berlin
Wowereit auch bundespolitisch nur noch „zweite Wahl“

Genau diese Schlagzeilen wollte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vermeiden: „Wowereit zusammengestaucht“, „Nur zweite Wahl“, „Beinahe Klaus Simonis“ – so titelten Zeitungen am Freitag quer durch die Republik.

BERLIN. Wowereit war am Donnerstag bei seiner Wiederwahl im ersten Durchgang an Abtrünnigen aus den eigenen Reihen gescheitert. Im zweiten Wahlgang schaffte es der 53-Jährige mit der denkbar knappsten Mehrheit von einer Stimme. Statt den Chef der bundesweit einzigen rot-roten Regierungskoalition überzeugend im Amt zu stärken, unterhöhlten zwei Abgeordnete von SPD und Linkspartei auch die bundespolitischen Chancen Wowereits.

Der machtbewusste Berliner Regierungschef mit einer Vorliebe für Glamourauftritte hatte sich selbst dafür in Stellung gebracht. Im sommerlichen Wahlkampf verkündete er in Interviews, er werde sich nach der Abgeordnetenhauswahl am 17. September mehr in die Bundespolitik einmischen. Die Voraussetzungen seien nach Rot-Rot I besser, „stärker als in den letzten fünf Jahren, in denen wir in der Stadt aufräumen mussten“. Auf Bundesebene sah er sich „auf Augenhöhe mit Bundesministern wie Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel“. Dank seiner persönlichen Popularität bei den Berlinern galt es in den Medien wie bei den Meinungsforschern als undenkbar, dass CDU-Herausforderer Friedbert Pflüger den SPD-Politiker schlagen könnte.

Nach dem Wahlsieg der SPD schrieb selbst die „New York Times“, der „Berliner Star könnte künftig eine wichtigere Rolle in der bundesdeutschen Politik spielen“. In einigen deutschen Zeitungen wurde Wowereit gar als Kanzlerkandidat für 2009 gehandelt. Er selbst wies das immer von sich: „Ich bin nicht auf Jobsuche.“ Er wolle Regierender Bürgermeister bleiben.

Selbst das wäre jetzt um ein Haar schief gegangen. Der Nimbus des Unbesiegbaren ist dahin. Bundes-CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla erklärte prompt: „Dieser rot-rote Senat ist am Ende, bevor er überhaupt angefangen hat.“ Noch in der Parlamentsdebatte vor seiner Wahl warfen Oppositionsvertreter Wowereit vor, sich „ohne Not“ erneut für den falschen Koalitionspartner entschieden zu haben. Auch CDU, FDP und Grüne wären zum Mitregieren bereit gewesen. FDP-Fraktionschef Martin Lindner beschwor Wowereit: „Kommen Sie raus aus dieser Isolation. Das schadet der Stadt.“

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