Berliner Chaos-Airport BER
„Auf Nachtflugverbote verzichten“

Nachtflüge am neuen Hauptstadtflughafen BER sind ein Dauerärgernis. Grüne und Linke würden gern ein strengeres Verbot erzwingen. Das würde dem Standort Berlin aber erheblichen Schaden zufügen, meint ein Experte.
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BerlinIn der Debatte um ein strengeres Nachtflugverbot am künftigen Hauptstadtflughafen BER hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor den ökonomischen Folgen gewarnt. „Ein Nachtflugverbot ab 22 Uhr bedeutet faktisch, dass ab 21.30 Uhr keine planmäßigen Flüge mehr durchgeführt werden können. Gerade für Air Berlin als Hauptnutzer des zukünftigen Berliner Flughafens wäre dies eine gefährliche Betriebseinschränkung“, sagte IW-Experte Klaus-Heiner Röhl Handelsblatt Online.

Röhl sieht Nachtflugverbote für Großflughäfen generell kritisch, da diese Airports zu den „unverzichtbaren Bestandteilen der Infrastruktur in einer modernen, international vernetzten Volkswirtschaft“ gehörten. „Um einen optimalen Betrieb zu gewährleisten, der den Passagierverkehr am Tage und in den Abendstunden mit nächtlichem Frachtverkehr verknüpft, sollte hier auf Nachtflugverbote verzichtet werden“, sagte Röhl.

Röhl räumt allerdings auch ein, dass in der Abwägung mit Anwohnerinteressen immer häufiger Sperrzeiten festgelegt würden, so etwa am wichtigsten deutschen Luftfahrtstandort Frankfurt ab 23 Uhr. „Aufgrund der unklaren Situation für verspätete Flüge ist nach 22.30 Uhr kein regulärer Flugbetrieb mehr möglich, was für die Fluggesellschaften erhebliche finanzielle Belastungen mit sich bringt“, sagte der IW-Experte. Diese seien letztlich vom Passagier zu tragen.

Röhl warnte vor noch stärkeren Einschränkungen, wie sie von Flughafengegnern in Frankfurt, aber auch am neuen Standort BER bei Berlin angestrebt würden. Ein strengeres Nachtflugverbot könne „nicht nur die weitere Entwicklung dieser Flughäfen zum Erliegen bringen, sondern schwächt die Wettbewerbsposition der beiden deutschen Airlines Lufthansa und Air Berlin erheblich“.

Die Nachtflüge am BER sind schon länger ein Ärgernis – vor allem für die Anwohner, die sich juristisch gegen den Fluglärm wehren. Zum Teil mit Erfolg. Zuletzt sperrte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einen weiteren Abschnitt des mühsam ausgehandelten Flugroutensystems für den Hauptstadtflughafen. Maschinen dürfen demnach in der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr nicht über Blankenfelde-Mahlow hinweg starten.

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Grüne und Linke wollen Verbot ausweiten

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  • @ Paul
    Wie wär's mit Erdbeeren aus Neuseeland im Winter oder frische Barsche aus dem Victoriasee? Unsere Luxusgesellschaft muß doch zu jeder Jahreszeit alles auf dem Tisch haben, anstatt nach der Saison zu leben!

  • Wo ist das Problem? Legt neue Flugrouten über die Nobelviertel fest und dann löst sich das Problem von ziemlich alleine.

    Ich stelle mir gerade vor, das z. B. unser watschelnder, kunterbunter Hosenanzug jede Nacht nur 200 Starts und Landungen ertragen muss. Was würde das für ein Geschrei geben.

  • BER war lt. Planung doch ein "Internationales Drehkreuz"! International und Drehkreuz mit einer Öffungszeit von "20 Minuten" am Tag. Was sind das für Experten???? Als Laie sehe ich die Vorgabe nur Rund um die Uhr erfüllt!!! Warum fliegen eigentlich die Protestler laufend??? Sie sollten in Paris nur starten und landen. Schon haben wir Ruhe!!!

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