Berliner Flughäfen
„Tegel schließen, Ruhe genießen“

Am Sonntag wird nicht nur ein neuer Bundestag gewählt. Die Berliner stimmen zudem darüber ab, ob neben dem Hauptstadtflughafen BER auch Tegel bestehen bleiben soll. Eine emotionale Debatte um milliardenschwere Pläne.
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BerlinAn diesem Abend ist Sebastian Czaja in der Minderheit. Schon bevor die Debatte über die Zukunft des alten, aber doch so beliebten Westberliner Flughafens losgeht, wird der FDP-Fraktionschef des Berliner Abgeordnetenhauses ausgebuht. Ein „Populist“ sei er, ein „Lügner“ – bei einer Gruppe von Demonstranten macht sich Unmut über Czajas Initiative zur Offenhaltung Tegels breit. „Tegel schließen, Ruhe genießen“, heißt es auf ihren Transparenten. Es sind zahlreiche Berliner aus der Tegeler Einflugschneise gekommen.

Die Gemüter, das zeigt der Abend, sind erhitzt. Während der Bundestagswahlkampf von vielen in Berlin als träge und zäh kritisiert wird, ist beim Volksentscheid zur Offenhaltung von Tegel das Gegenteil der Fall. Für die Abstimmung am Tag der Bundestagswahl gibt es einen heißen Showdown. Die Sache geht den Berliner nah. Viele Einwohner sind direkt vom Fluglärm betroffen, für andere hat das historische Hexagon mit kurzen Wegen von Tiefgarage zum Gate geradezu eine emotionale Bedeutung. Außerdem liegen die Wahl-Optionen maximal auseinander: Der Flughafen kann nur offenbleiben oder schließen.

Eigentlich sollte Berlin-Tegel sechs Monate nach Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER geschlossen werden. So sieht es der Planfeststellungsbeschluss vor. Doch seit Monaten trommelt Czaja dafür, dass der Flughafen weiterbetrieben wird. Er hat es geschafft, dass mehr als 200.000 Berliner bis März in einem Volksbegehren für einen Weiterbetrieb gestimmt hatten.

Am 24. September folgt der Volksentscheid der Berliner, ob die Landesregierung die Schließungsabsichten begraben sollte. „Berlin braucht Tegel, der BER ist zu klein geplant, und zwei Flughäfen sorgen für Entlastung, einer für Chaos“, sagte Czaja am Dienstagabend in der Urania. In diesen Veranstaltungssaal hatten "Tagesspiegel" und rbb Czaja, Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), CDU-Politiker Matthias Brauner und Helge Sodan, Ex-Präsident des Berliner Verfassungsgerichts, zu einer Diskussionsrunde geladen. Es wurde ein harter Schlagabtausch, mit lautstarker Beteiligung des Publikums.

Müller ist für die Schließung Tegels, ebenso die Wirtschaftssenatorin. Der Regierende Bürgermeister argumentiert vor allem mit der großen Chance, die sich der Stadt mit den neuen Flächen biete: für Wohnen, Arbeit, Wissenschaft. „Wir brauchen die Fläche von Tegel als Zukunftsstandort“, sagte auch Pop. „Wir dürfen die Entwicklung der Stadt nicht in Flächenknappheit ersticken lassen.“ Alle Nachnutzungspläne Tegels für 9.000 Wohnungen und Wirtschaftsansiedlungen wären im Falle eines Weiterbetriebs obsolet.

Müller warf der FDP Rückwärtsgewandtheit vor. Die FDP versuche, den Volksentscheid zu einer Abstimmung über die Vergangenheit zu machen, sagte er. Es gehe aber nicht darum zu sagen, „was wir vom BER halten" und Denkzettel zu verteilen.

Czaja forderte erneut den Weiterbetrieb Tegels. „Weil man gar nicht weiß, ob und wann der BER jemals öffnen wird“, sagte er – und bekam für diesen Satz viel Applaus. Tegel sei manchmal das Einzige, was in Berlin funktioniere, schob er nach. Ein Satz, der prompt wieder Buhrufe provozierte. Die Union, die sich vor dem Regierungswechsel in Berlin von Schwarz-Rot zu Rot-Rot-Grün stets für eine Schließung Tegels ausgesprochen hatte, steht inzwischen mehrheitlich auf Czajas Seite, wovon sich Brauner indes distanzierte: „Meine persönliche Meinung ist eine andere.“

Wann der BER eröffnen kann, ist weiterhin unklar. Einen verlässlichen Eröffnungstermin gibt es nicht. Bereits 2012 sollte der neue Hauptstadtflughafen eröffnet werden, doch wegen Problemen mit dem Brandschutz wurde der Starttermin wiederholt vertagt, Geschäftsführer wurden eingestellt und wieder entlassen. Derzeitiger Flughafenchef: Engelbert Lütke Daldrup, eigentlich ein Stadtplaner, der eine Erweiterung des BER anstrebt, um die stetig steigende Flut an Passagieren zu bewältigen.

Der BER ist zunächst nur für 27 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt, aber im Jahr 2016 fertigten die beiden Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel bereits 33 Millionen Passagiere ab, davon allein Tegel mehr als 20 Millionen. Der Flughafen ist völlig überlastet. Dass der BER noch immer nicht am Start ist, ist auch für den Steuerzahler ein großes Ärgernis: Er kostet 1,3 Millionen Euro am Tag.

Kommentare zu " Berliner Flughäfen: „Tegel schließen, Ruhe genießen“"

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  • Herr Sir Alex21.09.2017, 12:47 Uhr
    Die bauen in wirklichkeit den wellnessbereich für Kaiserin Merkel.
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    Ich hatte es auch mal so gehört, dass man dort Bunker für Erika und Co baut. So wie die regieren, könnte es evtl ganz plötzlich zu Volksauftständen kommen (s. 1989 in rumänien,..) also musste man wohl Volks-sichere Bunker unter dem Flughafen bauen, damit sie sich vor dem "Wir sind das Volk" verdrücken kann.

    Man sagt ja, bei Adolf fing es auch so an.
    War es nicht der Adolf, der auch seine speziellen Bunker hatte?

  • Wer glaubt Müller und den andern BER-Totalversagern noch irgendwas ?

    Tegel ist der einzig zuverlässige Flughafen jetzt und in Zukunft.
    Müller&Co versuchen Tegel schlecht zu reden, damIt BER alternativlos erscheint und ihr eigenes Versagen vertuscht wird.

    Mein herzliches Beileid allen, die Herrn Müller und der BER-Korruptions-GmbH wählen wollen ...

  • Die bauen in wirklichkeit den wellnessbereich für Kaiserin Merkel.

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