Berliner Flughafen Führungskrise, die Zweite bitte!

Die Führungskrise am Hauptstadtflughafen soll nun endgültig gelöst werden. Am Vormittag tritt der Aufsichtsrat erneut zu einer Sondersitzung zusammen. Präsentiert Berlin einen Nachfolger für Noch-Chef Karsten Mühlenfeld?
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Spekuliert wird bereits, dass Brandenburgs Flughafen-Staatssekretär, Aufsichtsratsmitglied Rainer Bretschneider (SPD), den Chefposten im Kontrollgremium übernehmen könnte. Quelle: dpa
Hauptstadtflughafen BER

Spekuliert wird bereits, dass Brandenburgs Flughafen-Staatssekretär, Aufsichtsratsmitglied Rainer Bretschneider (SPD), den Chefposten im Kontrollgremium übernehmen könnte.

(Foto: dpa)

BerlinEigentümer und Aufsichtsrat des noch immer unvollendeten Hauptstadtflughafen ringen um einen Wechsel in der Geschäftsführung. Die brandenburgische Landesregierung signalisierte am Wochenende, dass sie sich dem nicht verschließen würde, wenn es einen überzeugenden Vorschlag für die Nachfolge von Noch-Chef Karsten Mühlenfeld gebe. In der vergangenen Woche hatten die brandenburgischen Vertreter im Aufsichtsrat des Flughafens einen Wechsel in der Geschäftsführung noch scharf abgelehnt – vor allem, weil Berlin keinen Plan vorgelegt hatte, wie es nach einer Entlassung Mühlenfelds weitergehen sollte. Berlin, Brandenburg und der Bund sind Eigentümer des Flughafens. 

Nun will das Kontrollgremium ab 11 Uhr zu seiner zweiten Sondersitzung innerhalb weniger Tage zusammentreffen. Das spricht dafür, dass eine Lösung in greifbarer Nähe ist – die Hürden sind allerdings groß. Was daran liegt, dass wahrscheinlich nicht nur ein neuer Geschäftsführer präsentiert werden muss, der den Flughafen endlich zu Ende baut. 

Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld war vor zwei Jahren auf Vorschlag von Brandenburg bestellt worden. Aufgrund der besonderen Zusammensetzung des Aufsichtsrats mit drei öffentlichen Anteilseignern (plus den Arbeitnehmervertretern) und der bisherigen Handhabung, dass nicht derjenige, der den Vorsitz der Geschäftsführung stellt, nicht auch den Vorsitz im Aufsichtsrat stellen kann, wird Informationen des Handelsblatts zufolge nach einer Gesamtlösung gesucht. 

Das könnte ein umfassendes Stühlerücken nach sich ziehen. Denn wenn der künftige Geschäftsführer auf Vorschlag Berlins bestellt wird, dann wird aller Voraussicht nach Brandenburg darauf bestehen, den künftigen Aufsichtsratsvorsitzenden zu stellen. Das liefe auf eine Ablösung von Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD), des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, hinaus. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Berliner Senatoren Dirk Behrendt (Grüne) und Klaus Lederer (Linke), die ihre Mandate gerade erst übernommen hatten, ebenfalls niederlegen.

Der BER als Personalkarussell
Mai 2012
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Meinhard von Gerkan: Der Architekt der Flughäfen Tegel und BER. Sein Büro war Generalplaner. Dass er im Mai 2012 gekündigt wurde, verstärkte das Chaos. Heutige Verantwortliche sehen den Rauswurf als Fehler.

Mai 2012
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Manfred Körtgen (l.): Der Aufsichtsrat entließ den Bauleiter wegen der geplatzten Eröffnung Ende Mai 2012. Für Kritik sorgte auch, dass Körtgen parallel zum Bau seine Promotion schrieb – ironischerweise über die Optimierung komplexer Baumaßnahmen.

Januar 2013
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Klaus Wowereit (SPD): Im Januar 2013 trat schließlich auch der Regierender Bürgermeister von Berlin (2001-2014) als Vorsitzender Aufsichtsratsvorsitz zurück. Wowereit kehrte allerdings nochmal zurück, bis 2014 seine politische Karriere endet – auch wegen des BER.

Juni 2013
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Rainer Schwarz: Dem Flughafenchef wurde wegen der geplatzten Eröffnung 2012 und des Krisenmanagements danach im Juni 2013 nach sieben Jahren im Unternehmen gekündigt, nachdem er bereits im Januar 2013 beurlaubt worden war. Leitet heute den Flughafen Münster-Osnabrück.

August 2013
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Matthias Platzeck (SPD): Auf Wowereit folgte im Januar 2013 als Aufsichtsratsvorsitzender der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg (2002 bis 2013), der zuvor lange Wowereits Vize im Aufsichtsrat war. Im August desselben Jahres war aber schon wieder Schluss. Bonmot: „Entweder das Ding fliegt oder ich fliege.“

November 2013
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Horst Amann: Als nächsten erwischte es den Technikchef. Amann hatte diesen Posten von Sommer 2012 bis November 2013 inne und deckte tausende Mängel im Terminal auf. Er verlor jedoch einen erbitterten Machtkampf mit Mehdorn. Heute baut Amann das Terminal 3 in Frankfurt.

Juni 2014
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Jochen Großmann: Der Bauleiter hatte die Brandschutzauflagen aufgeteilt, um sie steuerbar zu machen. Im Juni 2014 musste Großmann wenige Monate nach einer Korruptionsaffäre gehen. Mittlerweile ist er wegen Bestechlichkeit verurteilt.

Spekuliert wird bereits, dass Brandenburgs Flughafen-Staatssekretär, Aufsichtsratsmitglied Rainer Bretschneider (SPD), den Chefposten im Kontrollgremium übernehmen könnte. Als möglicher Mühlenfeld-Nachfolger gilt Michael Clausecker, ein früherer Manager von Bombardier, derzeit bei der Rheinbahn. Clausecker war schon vor zwei Jahren für den Chefposten am Hauptstadtflughafen im Gespräch gewesen - ebenso wie der Münchner Flughafenmanager Thomas Weyer und der Chef des Kölner Flughafens, Michael Garvens. Weyer soll Zeitungsberichten zufolge jedoch schon abgesprungen sein.

Mühlenfeld hatte vor zwei Wochen den Technikchef entlassen und damit den Aufsichtsrat gegen sich aufgebracht. Zuvor soll es aber bereits wiederholt Kommunikationsprobleme zwischen Mühlenfeld und Aufsichtsratschef Müller gegeben haben. Auch die Arbeitnehmervertreter sind tendenziell gegen Müller eingestellt.

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