Berliner Rede
Köhler fordert kostenfreies Kindergartenjahr

Bundespräsident Horst Köhler hat die fehlende Chancengleichheit an den deutschen Schulen als beschämend bezeichnet. In einer so genannten Berliner Rede verlangte er einen gemeinsamen Kraft für eine Bildungsreform untermauerte dies mit konkreten Forderungen.

HB BERLIN. Andere Nationen wandelten sich „mit Begeisterung zu Wissensgesellschaften“, Deutschland tue sich dagegen schwer, sagte Köhler am Donnerstag in einer Rede zur Bildungspolitik. Aber auch die die deutsche Demokratie brauche mehr Bildung, damit junge Menschen „Populisten, Extremisten und religiösen Fanantikern“ besser widerstehen können, fügte der Bundespräsident bei seinem Auftritt an einer Berliner Hauptschule hinzu.

Konkret beklagte Köhler die schlechte Finanzaussattung der Bildung und eine zu geringe Abiturienten- und Hochschulabsolventenzahl. Die fehlende Chancengleichheit an deutschen Schulen bezeichnete der Bundespräsident als „beschämend“. Er forderte ein verpflichtendes und möglichst kostenfreies Kindergartenjahr vor der Einschulung sowie einen Sprachtest für alle. Auch unterstützte Köhler die Forderung nach Einführung eines sozialen Pflichtjahres für alle jungen Menschen.

„Wir müssen endlich Ernst machen mit der individuellen Förderung von Schülern“, sagte Köhler, der sich zugleich für einen gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern aussprach. Religionsunterricht nannte der Bundespräsident „unverzichtbar“. Auch halte er die Einführung von Islamunterricht von gut ausgebildeten Lehrern in deutscher Sprache „für überfällig“. Zugleich dürften bei den knappen Schul- und Lernzeiten Fächer wie Musik, Kunst und Sport nicht zu kurz kommen.

Die noch junge Tradition der „Berliner Rede“ begründete am 26. April 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog. Im wieder errichteten Luxushotel Adlon direkt am Brandenburger Tor forderte Herzog die Deutschen auf, einen „Ruck“ durch das Land gehen zu lassen. Der seit 1. Juli 2004 amtierende Rau-Nachfolger Horst Köhler knüpft jetzt an diese Tradition an und hält seine erste „Berliner Rede“. Im vergangenen Jahr wurde die Reihe unterbrochen. Der Grund waren die zahlreichen Gedenkveranstaltungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

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