Berlins Krisenpolitik

Unions-Politiker weisen Juncker-Kritik zurück

Unions-Fraktionschef Volker Kauder hat sich gegen die Kritik von Euro-Gruppenchef Juncker an der Krisenpolitik Berlins verwahrt: "Deutschland stützt den Euro in einem Maß wie kein anderes Land in Europa", so Kauder.
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Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Quelle: dpa

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

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BerlinFührende Unionspolitiker haben Kritik von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker an Deutschlands Rolle in der Eurokrise scharf zurückgewiesen. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe), Juncker solle "besser die griechische Regierung zur Einhaltung ihrer Verpflichtungen auffordern". Deutschland stütze den Euro in einem Maß "wie kein anderes Land in Europa".

Juncker hatte Deutschland in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" vorgeworfen, "andauernd Innenpolitik in Sachen Eurofragen" zu machen und die Eurozone "wie eine Filiale" zu behandeln. Außerdem bezeichnete Luxemburgs Regierungschef die deutsche Debatte über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone als "Geschwätz". Die CSU hatte Juncker am Montag für seine Aussagen kritisiert und ihm indirekt den Rücktritt nahegelegt.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) sagte der "Passauer Neuen Presse" (Dienstagsausgabe), Juncker solle sich bewusst machen, "wer Zahlmeister Europas" sei. "Die Deutschen übernehmen mit knapp dreißig Prozent die Hauptlast der Krise - Tendenz steigend". Die Debatte in Deutschland dürfe nicht als Innenpolitik abgetan werden. "Wir müssen unsere Bürgerinnen und Bürger bei allen Entscheidungen zur Euro-Rettung mitnehmen", sagte Fuchs.

Im Gegensatz zu Deutschland hätten es "Herr Juncker und die Luxemburger ... doch relativ leicht", sagte Fuchs weiter. "Ihr finanzieller Beitrag zur Bewältigung (der Eurokrise) ist lächerlich gering. Das kann sich ein reiches Land wie Luxemburg locker leisten."

CSU greift Juncker und Draghi scharf an

  • afp
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23 Kommentare zu "Berlins Krisenpolitik: Unions-Politiker weisen Juncker-Kritik an Deutschland zurück"

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  • Die Nerven liegen beim Euro-Gruppen-Chef Juncker blank, ein sicheres Zeichen, der Euro ist in wenigen Tagen/Wochen am Ende. Die ernsthaften Probleme kommen schneller auf uns zu wie vor wenigen Tagen noch gedacht.
    Warum rettet das reiche Luxemburg mit seinem gut geordneten Haushalt, dem Herr Juncker vorsteht, nicht das arme Griechenland. Warum greift Herr Juncker Deutschland an, wenn sein Land viel besser geordnet ist als Deutschland?

  • Ich mag Herrn Kauder auch nicht besonders, aber wo er recht hat, da soll er ruhig seinen Mund auftun.
    Bisher habe ich von Herrn Juncker eigentlich eine gute Meinung gehabt, aber in diesem Fall hat er sich deutlich im Ton vergriffen.
    Wer die Musik überwiegend bezahlt, bestimmt letztlich auch, was gespielt wird.

  • Ich kann Ihnen nur zustimmen. Wenn ESM und Fiskalpakt von Karlsruhe abgesegnet werden, wird dies ein Freibrief zum Gelddrucken und Hyperinflation sein. Ich hoffe nur, dass die Karlsruher Richter dem ganzen Unfug ein Ende machen.

  • Weitblicker gehört so wie der NachdenklicheDenker und etliche andere, zu den Lohn-Bloggern, die ihre ESM Agitprop nach gem gleichen vorgegebenen Schema in den Foren absondern

  • Wen interessiert denn eigentlich noch, wenn Nebendarsteller wie Kauder im Deutschen Polit-Kasperletheater auftreten? Die Vorstellungen besucht doch niemand mehr.

    Die Entscheidungen werden in den Bolschewistischen Regierungsbunkern in Brüssel und Berlin getroffen.

    Die überflüssigen Abnickkammern wie Parlament und Bundesrat sowie die "Opposition" in Form der SPD und den Grünen sollte man aus Kostengründen abschaffen und durch eine Brüsseler Politbüro-Zweigstelle ersetzen. Mir fallen da auf Anhieb zwei geeignete Soziopathen ein, denen man bedenkenlos die Leitung überlassen könnte.

  • Immer mehr Politiker hoffen auf die Korrektur der Richter in Karlsruhe, die den ESM und den Fiskalpakt stoppen sollen. Waren die Abgeordneten die für den ESM und den Fiskalpakt abstimmten besoffen?

    Der Euro-Gruppenchef Juncker lässt jetzt die Katze aus dem Sack. Von Anfang an wollten die Vertreter der kriselnden Länder in Brüssel, einen dauerhaften unbegrenzten Rettungsschirm aufspannen um die Banken mit unendlichem Kapital zu fluten. Mit der Realisierung vom ESM soll die Schuldenunion (Bankenunion) abgesegnet werden. Dies war von Beginn an das Begehren von Griechenland, Spanien, Portugal, Italien... und besonders Frankreich. Welches Land vertreten Herr Juncker, Herr Draghi und Co. in Brüssel? Das ist Korruption in höchster Form.

    Am Ende bezahlt Deutschland allein den Luxus dieser Staaten. Wenn Deutschland jedes Jahr 500 Milliarden Euro für den „Heil Euro“ wir lieben die Diktatur abgeben muss, wird im Bundeshaushalt nicht mehr viel zu verteilen sein. Alle Sozialleistungen müssen massiv gekürzt werden, und die Kaufkraft in Deutschland bricht folglich zusammen. Gute Nacht Deutschland.

  • Absolut korrekt geschildert! Schäme mich immer mehr für mein Ursprungsland LU. Als Nachkriegskind war ich Verfechterin der EU, werde aber immer mehr enttäuscht. Juncker ist bald weg vom Fenster, hat aber leider schon wieder durch Yves Mersch einen Hauptposten bei der EZB besetzt. Und immer neuere Institutionen sind LU nicht unlieb, da sie eventuell in LU angesiedelt werden. Schöne Posten werden fällig für Freunde und Verwandte.

  • Herr Kauder, vor gut einem Monat haben Sie für die Einführung von Eurobonds durch die Hintertür (ESM) gestimmt; schon vergessen? Sie schliessen sich (und Deutschland)zusammen mit einer Horde Drogensüchtiger in ein vergittertes Haus ein, überlassen diesen den Schlüssel und wundern sich nun, daß diese auf unsere Kosten neue Drogen kaufen wollen. Und das ist erst der Anfang. Wie dämlich muß man eigentlich sein? Und allen Abgeordneten, die den ESM Vertrag immer noch nicht gelesen haben, falls sie überhaupt des Lesens mächtig sind, empfehle ich Richard Suliks Rede zum ESM: dort wird haarklein das "vorhergesagt" worüber Sie sich jetzt wundern: https://www.youtube.com/watch?v=6Nva_51lQ6M Untertitel aktivieren.

  • Die Illusion des einfachen Bürgers ist immer wieder schön anzusehen. Es gibt bei der Eurorettung keinen Weg, der nur Vorteile für Deutschland hat. Irgendwo tut es immer weh. Darin springen dann Opposition und "Experten" die sich profilieren wollen aus den Ecken und picken sich die Rosinen aus dem Kuchen. Die Medien und Journalisten hecheln wie eine Meute ausgehungerter Hunde hinterher und bringen die "tollen" Schlagzeilen groß heraus. Leider scheinen sie nur selten zu wissen was sie tun.

    Eine harte Haltung Deutschlands ist Pflicht und Griechenland ist am Zuge etwas zu unternehmen. Auch ein Austritt Griechenlands ist zu verschmerzen. Wenn man allerdings versucht die Märkte zu beruhigen in dem man Griechenland unbedingt in der Euro-Zone halten zu müssen, dann ist dies ein schwerwiegender Fehler. Griechenland ist nicht entscheidend für Europa.

  • Weitblick,
    Ihr Weitblick scheint etwas verzerrt zu sein. Juncker ist einer der übelsten Lobbyisten, nämlich für sein Land, d.h. für diesen Zwergenstaat, vollgepumpt mit Banken, die noch dazu in schlimmster Weise mit Steuerhinterziehung in der EU und wohl auch darüber hinaus verstrickt sind. Dem geht es nicht um Europa im Sinne eines "neuen Utopias". Dem geht es nur um Luxemburg und da ist ihm jedes Mittel recht, also auch die Erpressung von Deutschlands zu mehr Risiko, damit sein Bankenland erhalten bleibt. Denn bei einer Euro-Auflösung würde es pulverisiert. DIESER JUNCKER GEHÖRT WEG VON SEINEM POSTEN ALS HERR EURO! Er ist zu befangen!

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