Deutschland

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Berlins Oberbürgermeister: Der ewige Klaus Wowereit

Flughafen-Debakel, Umfrage-Tief, na und? Klaus Wowereit macht in Berlin einfach weiter. Ihm ist das Kunststück gelungen, mit seiner Stadt zu verschmelzen. Nahaufnahmen eines Bürgermeisters mit Durchhaltevermögen.

Synonym für Berlin: Klaus Wowereit. Quelle: dpa
Synonym für Berlin: Klaus Wowereit. Quelle: dpa

BerlinDas muss der Chef jetzt selbst retten, das geht ja so nicht.

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An einem Dienstagmittag sitzen vor dem Brandenburger Tor rund 30 Kinder auf einer kleinen Bühne in der Sonne und müssen sich von einem schwitzenden, älteren Herrn anbrüllen lassen. Der Mann ist Chef des Berliner ADAC und hat die Kinder zuvor in knallige Westen stecken lassen. Sie sind jetzt im Dunkeln schon auf 150 Meter Entfernung gut zu erkennen, die Kinder, und das ist natürlich toll, besonders für die Autofahrer, und deshalb ruft der Autofahrer-Lobbyist ihnen entgegen: „Habt ihr gehört? An-zieh-en!“ Da gucken die Leuchtwesten-Kinder verstört.

Dann, Auftritt Klaus Wowereit: „Liebe Erstklässler der Grundschule am Brandenburger Tor“, sagt er, wendet sich ihnen direkt zu: „Das seid ihr, ne?“ „Jaaa!“, schallen die Kinderstimmen zurück. Und weiter: „Macht's Spaß?“ „Jaaaa!“ „Sind die Westen schick?“ „Jaaa!“ Er dreht sich wieder um: „Ne, jawoll, janz schicke Westen sind das!“ Erleichtertes Lächeln bei den PR-Damen, zufriedener Wowereit. Das hat er wieder mal gewuppt.

Absturz in den Umfragen

Ja, Klaus Wowereit ist immer noch da. Seinen Hauptstadtflughafen hat er verkorkst, er wird viel teurer und kommt viel später als geplant. Seine rot-schwarze Koalition verliert alle paar Monate einen Senator oder eine Senatorin aus eher skurrilen Gründen, und eine Idee davon, wo er mit dieser Stadt hin will, scheint der Regierende Bürgermeister schon länger nicht mehr zu haben. Im Juni überholte ihn dann auch noch sein Innensenator Frank Henkel in der Wählergunst, und das muss man ja erst einmal schaffen, hinter diesem mindestens unscheinbaren CDU-Politiker zu landen. Mittlerweile ist Henkel zwar wieder abgestürzt, aber Wowereit auch: Zum ersten Mal überhaupt rutschte er im Oktober in den Minusbereich der Beliebtheitsskala von minus fünf bis plus fünf, wie Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung ermittelte.

Berlin Wowereit im Umfragetief nach Flughafen-Pleite

Die Planungspannen rund um den neuen Berliner Flughafen hat der Beliebtheit des Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit einer Umfrage zufolge erheblich geschadet. Auch seine Partei, die SPD, sackt in der Wählergunst ab.

Berlin: Wowereit im Umfragetief nach Flughafen-Pleite

Und wie reagiert Klaus Wowereit, was macht er jetzt? Einfach weiter, immer weiter.

Bei den Bürgern, im Parlament, bei der Wirtschaft: Wer ihn in diesen drei Welten, in denen ein Politiker seine meiste Zeit verbringt, beobachtet, erlebt das Phänomen Wowereit: Der Regierende Bürgermeister, der länger im Amt ist als alle anderen Ministerpräsidenten, wirkt, als könne er noch ewig so weitermachen. Weil er den Trick beherrscht, mit seiner Stadt zu verschmelzen.

Wowereit gibt den Zerknirschten

Ein Donnerstagnachmittag im Berliner Abgeordnetenhaus, Regierungserklärung zum Flughafen. Wowereit drückt sich aus seinem Stuhl, macht vier, fünf Schritte, legt die Hände auf das Rednerpult, spricht ein paar einleitende Worte, sagt dann: „Ich bitte im Namen der Flughafengesellschaft um Entschuldigung für diese Verzögerung und die Dinge, die damit im Zusammenhang stehen. Durch die Verzögerung ist viel Vertrauen verlorengegangen, das ist wahr.“ Hinter ihm hängen drei große Flaggen, die hoheitliche Aura verbreiten sollen: Deutschland links, Europa rechts, Berlin in der Mitte. Wowereit steht jetzt genau vor dem Berliner Bären, das rote Wappentier ist schon ziemlich ausgeblichen.

Er gibt den Zerknirschten. „Wir alle hätten uns einen früheren Eröffnungstermin gewünscht“, sagt er. Da ist es, das Wowi-Wir. Es sagt: Ich ärgere mich doch genauso wie ihr, wenn etwas schief läuft, liebe Mitbürger. Es soll verdecken, das Wowereit eben mehr ist: Nicht Aufsichtsratvorsitzender des Flughafens, sondern ein einfacher, halb empörter, halb resignierter Berliner.

  • 16.10.2012, 23:03 UhrInteressant

    Oberbürgermeister?
    Gibt es in Berlin nicht!

  • 14.10.2012, 16:55 UhrSpiegel-Berlin

    "lustvoll mit ihm leiden“. Nein: Dann müsste er Dinge, die Berlins Dimension entsprechen, bewegen! –- Dessen Ja zu Schönefeld (mit Assistenz seines Ex-Düsseldorfer Flughafenchefs), entgegen dem MÖGLICHEN Favoritenstandort Sperenberg, bringt uns nicht mal das dritte Lufthansa-Drehkreuz, was mit Hauptstadt-Bonus bei Sperenberg drin war, sondern das wird nun Düsseldorf. Bei mir jedenfalls ist das nicht „Lust am Misslingen, anstatt Gelingen“, sondern Unlust an diesem Friedrich, der an Berlins Dimension nicht heranreicht. Aber Sie haben Recht. Nachdem hier 40 Jahre lang nichts lief, und die Stadt ausgeblutet ist, ist die Reaktion darauf NULL, denn Flughafen 30 km außerhalb ist hier allgemein wie ein Fremdwort … Um so was geht’s hier mehr! (z. B. Kongresszentrum nicht etwa für Kongresse des Bundes erweitert, sondern für Private zum Umnutzen, usw.) Viel Irritation gerade im Bereich Stadtplanung, Verkehr. Wowereit ist keine Orientierung für übergreifende Neuordnung. Und für fusioniertes Berlin-Brandenburg steht er auch nicht! Ich sehe Wowereit nicht mal als gesuchten politischen Gesprächspartner der Hauptstadt in Sachen Hauptstadt. Dass Berlin für Wowereit ein persönlicher Glücksfall ist, heißt MITNICHTEN, dass man Berlin als „ewig Wowereit’sches“ zu sehen hätte!

  • 14.10.2012, 16:39 Uhrmargrit117888

    marctom_uk
    Zu was braucht man denn Geld für Schulen?
    Wichtig ist doch nur, dass Religionsunterricht abgeschafft wurde und dass die klien in der Grundschule nun auch schon ein Fach haben, was sie über die verschiedenen sexuellen Ausrichtungen der Menschen unterrichtet

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