Berlins Wirtschaftssenator
„Das ist nicht Wolfs Welt“

Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf steht kurz vor dem Berliner Landtagswahlkampf mehr denn je in der Kritik. Während Wolf die Schuld an der Wirtschaftsmisere auf den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit abschieben will, sehen viele Unternehmer das Problem genau bei ihm.

BERLIN. Die Scheinwerfer tauchen Harald Wolf auf dem Podium in ein blässliches Licht. Der Berliner Wirtschaftssenator versinkt in einem abgewetzten grünen Ledersessel. Über ihm fristet eine verstaubte, silbern glänzende Diskokugel ihr Dasein, die scheinbar aus besseren Zeiten stammt. Genau die wollen aber die rund 30 Berliner Kulturschaffenden im Szenebezirk Pankow erleben. Sie sind an diesem Abend in die Kneipe "Hofwerkstatt" gekommen und erwarten kurz vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus am Sonntag konkrete Aussagen des Spitzenkandidaten von DieLinke.PDS über ihre Zukunft.

Doch der Abend läuft schleppend an. Wolf, im grauen Anzug und schwarzen Hemd, leiert eintönig seine Rede über geschaffene "Kreativarbeitsplätze" herunter, zählt, ohne die Stimme einmal zu heben, die Förderprogramme auf, fast schon emotionslos beschreibt er die Vorzüge von Netzwerken zwischen den "Kreativen".

Die reagieren auf den monotonen Vortrag entsprechend. Keiner kann sich zunächst aufraffen, eine Frage zu stellen. Peinliche Stille lähmt den Raum. Die Bezirksstadträtin, die mit auf dem Podium sitzt und zuvor gesprochen hat, muss in die Bresche springen und das Gespräch ankurbeln. Der Wirtschaftssenator ruft derweil seine SMS vom Handy ab.

Ein Abend, der für viele Unternehmer und Verbandsvertreter in Berlin symptomatisch für die Wirtschaftspolitik des regierenden rot-roten Senats steht. Hamburgs Regierender Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sprach in einem Interview von einer "resignativen Stimmung" in Berlin. Was zunächst als punktgenaue Wahlkampfhilfe für den CDU-Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger daherkam, enthält einen wahren Kern.

Ein paar Wochen vor dem Abend in der "Hofwerkstatt" hat die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) Journalisten eingeladen, um eine wirtschaftspolitische Bilanz zu ziehen. Die fällt zunächst nicht schlecht aus: Touristen und Kreative kommen in Scharen. Ausländische Investoren haben die Hauptstadt entdeckt. Doch die stecken ihr Geld nicht in Firmen. Sie kaufen für Millionensummen lieber Wohnblocks und Bürogebäude.

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