Bertelsmann-Studie: Deutschland und China werden immer abhängiger voneinander

Bertelsmann-Studie
Deutschland und China werden immer abhängiger voneinander

Deutschland exportiert Maschinen nach China und importiert im Gegenzug Konsumgüter. Der Handel zwischen den beiden Ländern wächst seit Jahren stark und mit ihm auch die Abhängigkeit der Volkswirtschaften voneinander.
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Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Importen aus China ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Forschungsfirma Prognos, die die Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegeben hat und die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Um den Grad der Abhängigkeit zu messen, untersuchten die Forscher, wie groß der Anteil Chinas an den Gesamtimporten der einzelnen Branchen ist, und wie leicht sich der Bedarf an Importen aus anderen Staaten decken ließe. Die Prognos-Analyse zeigt: Fiele China - etwa in Folge diplomatischer Streitigkeiten - als Lieferant weg, würde Deutschland das heute deutlich härter treffen  als noch vor 20 Jahren. 

Gleichzeitig sei die Abhängigkeit Chinas von deutschen Importen aber mindestens genauso groß, heißt es in der Studie. Denn während China vor allem hochkomplexe Industriemaschinen aus Deutschland importiert, werden auf dem entgegensetzten Weg noch immer in erster Linie Konsumgüter verschifft. Diese seien zwar wichtig für den deutschen Markt, argumentieren die Forscher, doch seien sie meist vorrübergehend verzichtbar – und heutzutage auch aus anderen Ländern zu bekommen. „Nur wenige Produkte aus China spielen für die deutsche Wirtschaft eine Schlüsselrolle“, schreiben die Prognos-Experten. Empfindliche Abhängigkeiten bestehen allerdings bei Notebooks, die heutzutage fast zu 80 Prozent aus China kommen, und einigen Rohstoffen, die in manchen Branchen unverzichtbar sind.

Dennoch wäre ein Ende des bilateralen Handelsbooms für die Chinesen das gravierendere Problem: Denn die kapitalintensive Wirtschaft ist gerade in denjenigen Branchen besonders importabhängig, die das Rückgrat der Industrie bilden: So etwa bei Maschinen, Schienenfahrzeugen oder der Steuerungstechnik. Konsumgüter exportieren die Deutschen kaum nach China, sieht man einmal von der Autowirtschaft ab, für die Chinas wachsende Mittelschichte als Zielgruppe immer wichtiger wird.

Der deutsche Handel mit dem Reich der Mitte ist in den letzten 20 Jahren fünfmal so schnell gewachsen wie der Außenhandel insgesamt. War China damals nur auf Platz 13 der wichtigsten Partnerländer, so liegt das Land heute bereits auf Platz 3.

Kommentare zu " Bertelsmann-Studie: Deutschland und China werden immer abhängiger voneinander"

Alle Kommentare
  • Man kann auch wirtschaftlich Krieg führen und große Zerstörung anrichten.

    Unsere Textilindustrie wurde nicht zerbommt, sondern wegkonkurriert. Dabei bestanden die Wertbewerbsvorteile des Siegers aus Verzicht auf Umweltschutz und sklavenähnliche Haltung von Arbeitern.

    Wenn es dann irgendwann aufgrund des schleichenden Verlustes an technischem Vorsprung den anderen Industriezweigen genauso geht, dann wird das Ergebnis ähnlich einem großen Krieg sein.

  • "schafft zig Millionen neuer Arbeitsplätze"

    ...sie meinen die Kinder, die in Kellern Hosenknöpfe an Jeans nähen ?

    Wollen Sie wirklich China als Vorbild hinstellen?

  • D, als Ingenieur

    .... schon man von Patentklau und Industriespionage gehört?

  • "Deutschland und China werden immer abhängiger voneinander"

    ...und das soll für uns Deutsche wünschenswert sein???

    Abhängig von

    - einem totalitären Regime
    - ein Staat, der sich in Sonderzone Sklaven hält
    - einem Land, im dem Umweltschutz quasi nicht existiert

    Wer ist dafür verantwortlich?

  • Zur Studie der Bertelsmann Stiftung: Soll das Ergebnis nun Kritik oder Zielerreichung sein? Ist die wirtschaftliche Abhängigkeit von Staaten nicht das beste Mittel der Kriegsverhinderung? Deshalb ist doch die EU entstanden. ohne wirtschaftliche und politische Verflechtung=Abhängigkeit dieser Staaten wären die europäischen Zwergenstaaten politisch und wirtschaftlich schon längst per Porzellanexpress entsorgt. Die USA hätten bestimmt China schon angegriffen ohne die gegenseitige Verflechtung und Abhängigkeit. Letztendlich ermöglicht diese Abhängigkeit den Dialog zwischen Staaten und Bündnissen. Man will sich doch nicht selbst über Gebühr schädigen. Wichtig ist nur, dass eine ausgewogene Abhängigkeit konserviert ist; quasi eine Kultur der gegenseitigen Angewiesenheit. Ab und zu gibt es natürlich in solch einem ausbalancierten System den einen oder anderen Volltrottel wie Bush, der kleine koreanische Diktator oder auch Dragi, BungaBunga Experten etc die das System destabilisieren - bisher hat es sich aber als sehr konfliktausgleichend dargestellt.

  • margritt Sie sind Klasse ! Haben wenig Ahnung und schreiben so viel !

  • Und noch etwas sollte man bedenken, nämlih die ganze Heuchelei, ja Lügerei.
    Wir reden von Umwelschutz, vom Eindämmen des CO2-Ausstoßes und dann schaffen wir Waren, die wir in China herstellen hierher zurück per Flugzeug. Da ist der CO2-Ausstoß ganz enorm

  • Unsere Importe aus China sind z. B. Kinderspielzeug mit Giftstoffen behaftet. Brauchen wir das?
    Im Gegenzug hat man hier die Spielzeugfirmen geschlossen. Denn natürlich ist das produzieren in China billiger, selbst das Herkarren der Sachen durch Flug oder Schiff ist offenbar nicht so teuer. Bei all diesen Transaktionen wird nur die Gier einiger weniger bedient. Unserem Land nützt es wenig und wir werden auch die Verleirer sein. Wenn China alles, auch die allerletzten Reste unsrer Technologie abgekupfert aht, brauchen sie uns nicht mehr. Und o was nennt sich Globalisierung
    Das Wort Globalisierung sehe ich mittlerweile als Schimpfwort von unsrer FRegierung gegen uns, die Bürger.
    So schön nach dem Motto "wollt Ihr nicht für Dumpinglöhne arbeiten, gehen wir nach China"

  • Gast
    geau so ist es. Dem ist nichts hinzuzufügen

  • das alte Klagelied von VW, der in China blutet, hört man schon seit 15 Jahren. Die Wolfsburger scheffeln dort aber weiter Geld, mit dem sie in Deutschland ihre Arbeiter mit hohen Prämien versorgen und ordentlich bezahlen und damit beliebtester Arbeitgeber werden können. Gewinn 2012 von VW in China: 3,7 Milliarden Euro, gegenüber der Vorjahr ein Plus von 40 Prozent.

    China lernt vom Westen, der Westen könnte von China lernen. Beispiel Mindestlöhne: die steigen dort in den nächsten Jahren mindestens um 18 Prozent im Jahr. Beispiel Bildung: Vervierfachung der Studentenzahlen in zehn Jahren. Beispiel Forschung und Technologie: 50 Prozent der 1.300 Mitarbeiter von Huawei in Deutschland arbeiten in der Forschung und Entwicklung.

    Das Unternehmen wie Huawei in München eine Forschungszentrum haben, sollte so selbstverständlich sein, wie Forschungszentren von BASF oder VW in Shanghai. Alles andere wäre Rassismus und Neokolonialismus.

    China vervielfachte also die Löhne, steckt viel Geld in Zukunftsforschung und schafft zig Millionen neuer Arbeitsplätze. Europa finanziert die Banken mit Billionen und schafft damit Arbeitslosigkeit. Jugendarbeitslosigkeit alleine in Spanien über 50 Prozent. Und die Arbeitslosigkeit wäre ohne China in Europa weitaus größer.

    Dies selbstgefällige gejammerte über "die Chinesen" ist schlimmer wie die Klagen des Politbüros der DDR in seine letzten Wochen. Wer nichts vom Weltenlauf merken möchte, nichts lernen möchte, der geht wohl unter.

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