Berufsorientierung für Mädchen
Was bringen Girls' Days?

Beim Girls‘ Day sollen Schülerinnen für Technik, IT und Naturwissenschaft begeistert werden. Langsam zeigen sich erste Erfolge: Immer mehr junge Mädchen und Frauen entscheiden sich für naturwissenschaftliche Berufe.
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BerlinDas Fab Lab in Berlin ist eine Spielwiese für Designer, Programmierer und Ingenieure: In der farbig gestrichenen Werkstatt stehen 3D-Drucker, Lasercutter und CNC-Fräser, an den Wänden hängen Schraubenschlüssel, Zangen und grafische Kunst. Ingenieurinnen des Deutschen Ingenieurinnenbunds stellen hier am Girls‘ Day 28 Berliner Schülerinnen ihre Arbeit vor. Mit dabei: Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. 

Die Mädchen haben mit einem Lasercutter kleine Hände aus Kunststoff nach dem Vorbild indischer Glücksbringer hergestellt. Auch die Ministerin bekommt eine kleine Hand, in die „Brigitte“ eingraviert ist. Sie steht umringt von Neuntklässlerinnen vor einem Lasercutter. „Zuerst haben wir am Computer ein Modell entworfen und dann rot markiert, was geschnitten und schwarz markiert, was graviert werden soll“, erklärt eine Schülerin.

Die Bundeswirtschaftsministerin nickt anerkennend. „Und die Jungs, was machen die heute?“, fragt sie. Ein Mädchen verzieht leicht das Gesicht. „Die gehen heute in Kindergärten, Nagelstudios, zum Frisör und so.“ Eben jene Jobs, die traditionell bei Mädchen und Frauen beliebt sind – und vergleichsweise schlecht bezahlt werden.

Bundesweit nehmen rund 100.000 Mädchen am Girls‘ Day und über 30.000 Jungen am Boys‘ Day teil. Bei mehr als 10.000 Veranstaltungen sollen die Schüler Einblick in vermeintlich typische Männer- bzw. Frauenberufe bekommen. Ziel ist es, vor allem bei Mädchen mehr Interesse an Handwerk, Technik, Naturwissenschaften und IT zu wecken. Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete den 17. Girls‘ Day bereits am Mittwoch im Kanzleramt, wo 24 Berliner Schülerinnen einen Technik-Parcours absolvierten.

Zypries nimmt auf einem roten Stuhl Platz. Neben ihr sitzen an einem runden Tisch acht Schülerinnen und lassen sich von Ingenieurin Heike Landsberg das Modell eines Gebäudes zeigen. „Mit 3D-Druckern kann man nämlich nicht nur schöne Anhänger machen“, sagt die Ingenieurin. Sie wolle junge Mädchen für Architektur begeistern, sagt sie in Zypries‘ Richtung. Sie und die Ministerin beginnen einen Dialog darüber, was man tun müsse, um mehr Frauen in technische Berufe zu bringen. Die Neuntklässlerinnen sitzen schweigend daneben und blicken etwas ratlos.

Auch nach 16 Jahren Girls‘ Day entscheiden sich Mädchen noch immer überproportional häufig für typisch weibliche Berufe und Studienfächer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt der Frauenanteil in den sogenannten MINT-Berufsgruppen – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik –bei gerade einmal 15 Prozent. Allerdings ist er in den letzten Jahren langsam angestiegen. Das liegt vor allem daran, dass sich immer mehr junge Mädchen und Frauen für mathematische und naturwissenschaftliche Berufe oder Studiengänge entscheiden. In der Technik und Informatik dominieren nach wie vor die Männer.

Die Ergebnisse der Girls‘ Day-Evaluation geben allerdings etwas Hoffnung. 62 Prozent der Teilnehmerinnen fanden die Berufe, die sie beim Girls‘ Day kennengelernt haben, interessant. Immerhin 37 Prozent können sich vorstellen, später in diesen Berufen zu arbeiten. Ein Drittel der Unternehmen, die sich schon mehrmals am Girls‘ Day beteiligt haben, haben von Girls‘ Day-Teilnehmerinnen Bewerbungen um Praktikums- oder Ausbildungsplätze erhalten.

Auch das Fab Lab werde mittlerweile immer häufiger von Mädchen und Frauen genutzt, erzählt der Leiter der Erfinderwerkstatt, Daniel Heltzel. Ihr Anteil liege aber dennoch nur bei 30 Prozent. Zypries entgegnet: „Immerhin, das sind doppelt so viele wie bei den Gründerinnen in Deutschland.“ Heltzel nickt und blickt auf die Mädchen, die sich das 3D-Architekturmodell anschauen. „Ja, aber wir wünschen uns, dass es mehr werden.“

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