Beschluss der Kultusminister
Künftig Bildungsstandards im Gymnasium

In Deutschland wird es auch künftig kein bundesweites Zentralabitur geben - aber einheitliche Bildungsstandards in den Schuljahren vor der Reifeprüfung.

HB BONN. Die Abiturprüfungen sollen sich schon bald auf einem vergleichbaren Niveau bewegen. Auf ihrer Konferenz in Bonn beschlossen die Kultusminister am Mittwoch die Ausweitung der bereits für die Jahrgangsstufen 4, neun und zehn entwickelten einheitlichen Bildungsstandards für Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen auf die Allgemeine Hochschulreife. Die Einführung eines Zentralabiturs ist aber nicht geplant. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den Beschluss.

Der entsprechende Antrag Hessens, einheitliche Standards einzuführen, sei einstimmig angenommen worden, erklärte das hessische Bildungsministerium. Laut den hessischen Plänen sollen die Normen bereits ab dem Schuljahr 2010/2011 gelten. Es gehe um die Vergleichbarkeit des Abiturs, nicht um Vereinheitlichung, hieß es im Wiesbadener Kultusministerium. Ziel sei nicht ein Zentralabitur mit bundesweit einheitlichen Prüfungsaufgaben.

Merkel nannte gemeinsame Bildungsstandards wichtig. „Wenn es eine zentrale Mathematikprüfung in Deutschland gibt, egal nach welchen Bestimmungen man gelernt hat, dann wird die Welt nicht untergehen“, sagte die Kanzlerin auf einem Kongress in Berlin. Die Universitäten müssten dann auch keine Eingangsprüfungen für Mathematik mehr durchführen. „Auch das wird eines Tages Realität werden, manches dauert eben.“ Die Ministerpräsidenten, die sich sicher seien, dass sie gute Schulsysteme hätten, stünden dem sehr viel offener gegenüber als manche andere.

Die hessische Kultusministerin Karin Wolff erklärte, nun sei gesichert, dass alle Schüler von Kiel bis Konstanz ein gleichwertiges Abitur haben würden; die bundesweite Vergleichbarkeit von Schulabschlüssen sei garantiert. Dabei bleibe es den Ländern überlassen, auf welchem Weg sie zur Erfüllung der Standards gelangten. Auf diese Weise würden sich die besten Konzepte durchsetzen und eine Qualitätssteigerung erreicht, erklärte Wolff.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Jürgen Zöllner, sprach von einem „weiteren entscheidenden Schritt zu mehr Leistungsfähigkeit und Durchlässigkeit im Schulsystem“. Die Standards würden bis 2010 oder 2011 vorliegen. Zunächst werde man sich den so genannten Kernfächern wie Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen widmen. In einem zweiten Schritt sollen dann konkrete bundesweite Standards für die Naturwissenschaften entwickelt werden.

Auch Bayern, das sich strikt gegen Pläne zur Einführung eines bundesweiten Zentralabiturs ausspricht, zeigte sich mit dem Beschluss zufrieden. „Wir glauben, dass mit dem Beschluss keine Nivellierung verbunden ist“, sagte Ministerialdirektor Josef Erhard. Die bayerischen Abiturprüfungen würden auch weiterhin eine breite Allgemeinbildung und volle Studienfähigkeit gewährleisten. Forderungen nach einem Zentralabitur, das unter anderem von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) befürwortet wird, waren zuvor auf Ablehnung gestoßen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte davor, mit der Entwicklung der Abiturstandards Zeit und Geld zu verschwenden. Die Schulabschlüsse im gymnasialen Bereich seien bereits vergleichbar.

Auf Länderebene hat sich das Zentralabitur bereits durchgesetzt. 14 der 16 Bundesländer haben es jeweils bereits eingeführt, Schleswig-Holstein folgt im nächsten Jahr. Lediglich Rheinland-Pfalz hat keine solchen Pläne.

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