Beschluss der Verbraucherschutzminister
Schlachtabfälle sollen eingefärbt werden

Die Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern haben sich dafür ausgesprochen, das Einfärben von Schlachtabfällen in Deutschland zur Pflicht zu machen. Damit soll verhindert werden, dass solche Abfälle von Menschen konsumiert werden. Eine Hintertür würde kriminellen Geschäftemachern dennoch bleiben.

HB BADEN-BADEN. Die Ressortchefs einigten sich am Freitag in Baden-Baden auf eine Kennzeichnungspflicht und forderten die Bundesregierung auf, bei der Europäischen Union auf eine EU-Verordnung zu dringen. Sollte dies nicht durchzusetzbar sein, sei ein nationaler Alleingang notwendig. Man könne das nicht zum Verzehr zugelassene Fleisch einfärben oder auch durch Geruchsstoffe kennzeichnen.

Am vergangenen Mittwoch hatten die EU-Staaten vereinbart, dass das Einfärben von minderwertigem Fleisch und von Abfällen ab Juli 2008 in nationaler Regie möglich sein soll. In Deutschland war das Einfärben nach Angaben von Amtstierärzten bis zu einer EU-Richtlinie von 2002 bereits Praxis.

Der Präsident des Bundesverbands der beamteten Tierärzte, Heinrich Stöppler, begrüßte den Beschluss. „Wenn diese Nebenprodukte eingefärbt würden, wäre der Weg zurück zum Lebensmittel blockiert durch Farbe“. Damit könnten kriminelle Kanäle verschlossen werden. „Deutschland ist ein Wurstland“, sagte Stöppler. Daher gebe es immer wieder kriminelle Energie, Abfälle weiterzuverarbeiten. Der Experte forderte allerdings europaweite Regeln zum Einfärben. „Mir wäre es recht, wenn wir hier zu einer einheitlichen europäisch restriktiven Regelung kämen“, sagte er. Tierärzte untersuchen Schlachttiere vor und nach dem Schlachten.

Der Chef der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, Thilo Bode, sprach von „Symbolpolitik, die dem Verbraucher nichts nützt“. Eine Pflicht zur Einfärbung der Abfälle müsste europaweit gelten. Ansonsten könnte man altes Fleisch aus Deutschland exportieren, im Ausland umdeklarieren und wiedereinführen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte die geplante Regelung als unzureichend. Die Einfärbung von Fleischabfällen sei zwar zu begrüßen, reiche aber nicht aus, erklärte die Organisation in Berlin. Ursache für die Gammelfleischaffären seien Überproduktion, Preisdruck in der Lebensmittelbranche und falsch verteilte Subventionen.

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