Beschneidungs-Diskussion: Zentralrat der Juden will einheitliche Standards einführen

Beschneidungs-Diskussion
Zentralrat der Juden will einheitliche Standards einführen

Der Zentralrat der Juden hat angekündigt, bei der Ausbildung der Beschneider künftig auf einheitliche medizinische und religiöse Standards zu setzen. Damit reagiert der Zentralrat auf die Empfehlungen des Ethikrates.
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BerlinDer Zentralrat der Juden will die Ausbildung der jüdischen Beschneider (Mohalim) in Deutschland künftig besser organisieren. Der Vizepräsident des Zentralrats, Josef Schuster, sagte am Freitag, die aktuelle Debatte um die Beschneidung habe die Notwendigkeit gezeigt, einheitliche religiöse und medizinische Standards zu garantieren. Der Verband sei deshalb mit dem Hildesheimer'schen Rabbinerseminar in Berlin und dem Abraham Geiger Kolleg in Potsdam im Gespräch.

Der Zentralrat reagierte damit auch auf die Empfehlungen des Ethikrates, die am Donnerstag gefasst worden waren: Die Experten hatten sich für Straffreiheit bei Beschneidungen jüdischer und muslimischer Jungen unter bestimmten Auflagen ausgesprochen. Dazu sollten eine qualifizierte Schmerzbehandlung und die fachgerechte Ausführung der Beschneidung gehören. Die Debatte war von einem Urteil des Landgerichts Köln ausgelöst worden, das die Beschneidung aus religiösen Gründen als Straftat gewertet hatte.

Das Bundesjustizministerium will so schnell wie möglich einen Vorschlag zur gesetzlichen Regelung der Beschneidung vorlegen. Allerdings müsse bei der Formulierung auch die notwendige Sorgfalt aufgewendet werden, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums am Freitag in Berlin. Die Empfehlungen des Ethikrats kommentierte das Ministerium nicht.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann betonte im Streit um die Beschneidung das Recht der Eltern auf religiöse Erziehung ihrer Kinder. Das Urteil des Landgerichts Köln nehme die Abwägung zwischen Kindeswohl und Elternrecht „nicht hinreichend vor“, heißt es in einer Erklärung Ackermanns vom Freitag. Ackermann ist Vorsitzender der Deutschen Kommission „Justitia et Pax“ der deutschen Katholiken. Ackermann hob aber auch das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit hervor: „Fachgerechte Beratungen und Durchführung“ seien daher nötig.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Sie spielen auf die Mädchenbeschneidung in Äthiopien an: Äthiopierin sein ohne Beschneidung. Dazu gebe ich keinen Kommentar ab.

    Was für eine Diskussion. Und auch ein etwas unfair den Äthiopiern gegenüber. In den Äthiopien ist die Mehrzahl der Mädchen beschnitten, vollkommen unabhänig von der jeweiligen Religion. Auch aus ehehygienischen Gründen ist die Beschneidung ein Vorteil und die Männer schätzen das sehr.

    Diese Diskussion ist bigott und sollte nicht von Weißen geführt werden. Das könnte sehr wohl als rassistisch betrachtet werden und gerade eine Demokratie sollte sich aus der Religion seiner Bürger heraushalten.

    Die Deutschen nehmen Kinderschutz so ernst, dass kaum noch Kinder geboren werden. Wer das Bevölkerungswachstum Äthiopiens mit Deutschland vergleicht weiss das die Beschneidung keine traumatischen Folgen für den Mädchen hatte. In Äthiopien haben auch nicht religiöse Familien oft mehr als drei Kinder. Also weniger aufregen das hier ist kein deutsches Problem!!!!

  • Nur wird der konstruktive Dialog durch diejenigen unterlaufen, die bis dahin sehr desktruktiv mit den Vorhäuten kleiner Babies umgehen.

  • Erklären Sie das u.a. Yona Metzger. Der ist hier eher der Hardliner, will sogar Konversionen erschweren.

    Nach konservativer jüdischer Auffassung kann man kein Jude werden: Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat, wer eine jüdische Mutter hat, ist Jude. Sarah war jüdisch.

    Falls Sie das an gewisse Unsäglichkeiten aus unsäglichen deutschen Zeiten erinnert: Ich habe die Halacha nicht geschrieben.

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