Besetzung von Top-Jobs
Mehr Deutsche in Spitzenpositionen

Deutsche Politiker besetzen wieder verstärkt Spitzenpositionen in internationalen Organisationen. So hat Uno-Generalsekretär Kofi Annan den Umweltexperten Achim Steiner zum Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) ernannt.

BERLIN. Der 44-Jährige – bisher Generaldirektor der Weltnaturschutzunion (IUC) – wird bei der Uno-Behörde damit Nachfolger des früheren Bundesumweltministers Klaus Töpfer. Bereits zuvor war bekannt geworden, dass die früheren Staatssekretäre Rainer Baake und Alexander Müller für die Posten des Chefs des Uno-Klimasekretariats sowie des Vize-Generaldirektors der Welternährungsorganisation vorgesehen sind.

Mit den Ernennungen zeigt die große Koalition, die die Kandidaturen unterstützt, eine ungeahnt undogmatische Haltung. Der Umweltexperte Steiner ist parteilos. Er selbst nannte als einen Grund für seine Ernennung, dass er und der CDU-Politiker Töpfer ähnliche Herangehensweisen hätten und die Verbindung zwischen Umwelt und Entwicklung als Kernziel ihrer Arbeit betrachteten. „Dass wiederum ein Deutscher mit der Leitung dieses Programms beauftragt werden soll, ist für die Bundesregierung ein Ansporn, ihrer Vorreiterrolle im globalen Umweltschutz weiterhin gerecht zu werden“, erklärten in Berlin Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (beide SPD).

Müller und Baake sind Spitzenpolitiker der Grünen. Müller war in der rot-grünen Regierungszeit Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium von Renate Künast. Baake war Umwelt-Staatssekretär und rechte Hand von Minister Jürgen Trittin. Beide gelten als sehr sachkundig. Ihre formelle Ernennung durch die Uno steht noch aus, sie gelten aber als aussichtsreichste Kandidaten.

Die Personalpolitik der Bundesregierung zeigt eine Abkehr von der früheren Praxis, nach der vor allem beide Volksparteien versuchten, Parteimitglieder auf internationalen Posten unterzubringen. „Auch international wird aber wachsender Wert auf die Professionalität der Bewerber gelegt“, hieß es in Regierungskreisen. Allerdings wurde für Müller und Baake schon die nationale Werbetrommel gerührt, als noch die rot-grüne Regierung am Ruder war.

Anfangs war Angela Merkels Personalpolitik eher dadurch aufgefallen, dass die CDU-Chefin Deutsche aus internationalen Spitzenpositionen abzog. Noch in Oppositionszeiten hatte sie die Kandidatur des IWF-Chefs Horst Köhler für das Amt des Bundespräsidenten forciert. Köhler war nur mit erheblichen Anstrengungen der Regierung Schröder auf diesen Top-Posten der internationalen Finanzwelt gehievt worden. Zudem hatte Merkel nach ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin Christoph Heusgen, den Chefberater von EU-Außenrepräsentant Javier Solana, zu ihrem außenpolitischen Berater ernannt und ins Kanzleramt geholt. Allerdings fiel Heusgens Posten in Brüssel umgehend wieder an eine Deutsche: die Büroleiterin des früheren Außenministers Joschka Fischer, Helga Schmid.

Dass Deutsche wieder verstärkt in internationale Führungsfunktionen aufrücken, ist Ausdruck von zwei Entwicklungen: Zum einen hatte der frühere Kanzleramtschef und jetzige Außenminister Steinmeier die Personalplanung systematisch vorangetrieben – was vom heutigen Kanzleramtschef Thomas de Maiziere fortgeführt wird. Dabei hatte die Bundesregierung auch mit einer lang- und mittelfristig angelegten Karrierepolitik etwa für die Europäische Kommission begonnen. Das Aufrücken von Beamten in die zweite und dritte Reihe soll sicherstellen, dass Deutschland auch für die Besetzung der strategisch wichtigen Posten der Generaldirektoren der Kommission genügend geeignete Kandidaten anbieten kann.

Die stärkere Repräsentanz ist nach Einschätzung deutscher Regierungsmitglieder aber auch Folge einer gewachsenen Bedeutung Deutschlands in der internationalen Politik und vor allem im Umweltbereich. Dies zeigt auch die Ansiedlung von Uno-Institutionen in Bonn. Wie schon die alte Bundesregierung dringt auch die neue zunehmend darauf, dass sich die beachtlichen Beitragszahlungen Deutschlands für internationale Organisationen stärker bei der Besetzung von Spitzenposten niederschlagen. Als Vorbild gelten Großbritannien und Frankreich, die systematisch auch mit der Besetzung von Posten Politik gemacht haben.

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