„Besorgnis erregend“
Wirtschaftsforscher warnt vor neuer globaler Krise

An den Börsen greift die Sorge vor einer neuen weltweiten Rezession um sich. Die Ängste sind nach Einschätzung des Wirtschaftsforschers Horn nicht unbegründet. Jetzt sei die Politik am Zug, Schlimmeres zu verhindern.
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DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland haben sich angesichts der der dramatischen Verluste an den Börsen in Europa und den USA besorgt geäußert und die Politik aufgefordert, rasch gegenzusteuern. „Die Lage ist Besorgnis erregend. Denn die Panik an den Finanzmärkten kann schnell die Kreditvergabe und die Kreditnachfrage zum Absturz bringen“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. „Dies würde sofort eine globale Krise zur Folge haben.“

 Wichtig sei jetzt, dass die Politik Vertrauen erzeugt, betonte der IMK-Chef. „In Europa heißt dies,  dass der Europäische Rettungsschirm EFSF tätig werden muss, falls Staatsanleihen weiter unter Druck geraten. In den USA sollte die Fed entsprechend intervenieren“, sagte Horn.

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. Für hoch verschuldete Länder wie Italien reiche eine neue Finanzpolitik alleine nicht aus. Es seien auch „ganz kurzfristige markttechnische Maßnahmen notwendig, um die Finanzmärkte zu stabilisieren“, sagte Kater Handelsblatt Online. „Markteingriffe durch den Rettungsschirm EFSF stehen hier an erster Stelle, um selbstverstärkende Spekulationswellen gleich im Entstehen  abzufangen und damit zu verhindern, dass sie sich zu schweren Turbulenzen ausweiten.“

Das schwindende Vertrauen in das Krisenmanagement von Politik und Notenbanken hat am Donnerstag derweil weitere Anleger aus dem Aktienmarkt vertrieben. „Alle wissen, dass viele Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben, aber niemand hat eine Lösung, wie das Problem in den Griff zu bekommen ist“, sagte ein Börsianer. Daran änderten auch Rettungsschirme und Anleihekäufe nichts. „Denn damit ist die Krise noch lange nicht überwunden.“

In Frankfurt brach der Dax um 3,5 Prozent ein und stürzt auf den tiefsten Stand des Jahres. In der Spitze rutscht der Index um fast vier Prozent auf 6.391 Punkte - das sind noch einmal fast 100 Punkte weniger als auf dem bisherigen Jahrestief aus dem März. In den vergangenen sieben Tagen hat der Dax rund 13 Prozent eingebüßt.

Kater sagte, auch wenn Italien bereits viel Reformbereitschaft und -erfolge vorzuweisen und schon seit zehn Jahren vor Zinszahlungen einen Überschuss im Staatshaushalt habe, verlange die gegenwärtige Marktsituation weitere Anstrengungen. „Mittelfristig müssen die Länder wieder fiskalische Glaubwürdigkeit aufbauen, das gilt nicht nur für Italien.“ Italien müsse hier vor allem das umsetzen, von dem Regierungschef Silvo Berlusconi am Mittwoch gesprochen habe. „Ein solcher Aufbau von Glaubwürdigkeit braucht allerdings Jahre: Schuldenberge, die innerhalb von Jahrzehnten aufgebaut wurden, lassen sich nicht in einem Jahr unsichtbar machen.“

Kommentare zu " „Besorgnis erregend“: Wirtschaftsforscher warnt vor neuer globaler Krise"

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  • also ich sehe die jetzige Situation als dermaßen verfahren an, daß es jetzt keine vernünftige Lösung mehr geben wird.
    Der Karren steckt schon so tief im Dreck. Abgeshen davon, daß unsere Politiker Griechenland und Italien in die EU aufgenommen haben, obwohl sie gewußt haben, daß diese Länder die Voraussetzungen nicht erfüllen, haben sie dann noch dazu ein Gesetz nach dem anderen gebrochen, haben uns belogen und betrogen und über unsere Köpfe hinweg Entscheidungen getroffen, die völlig verantwortungslos und zerstörerisch waren. Und da glauben diese Traumtänzer wirklich, daß wir ihnen jemals wieder vertrauen könnten?
    Als das ganze Desaster begann, war den meisten Bürgern klar, wo das enden wird. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, daß die ganzen EU-Politiker sooooo blöd sind. Da stellt sich mir die Frage, wer es darauf abgesehen hat, unser Deutschland zu ruinieren. Wer hat da die Fäden in der Hand?

  • Darum kann ein Staat entweder die Ausgabenseite ändern oder die Einnahmenseite. Wenn der Staat die Steuern senkt und die Investitionen erhöht stimuliert dieser Staat das Wachstum, diese Möglichkeit haben aber diese Staaten nicht mehr.

    Die Staaten müssen in der Ausgabenseite neue Prioritäten setzen. Das heißt klassisch die Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen verbessern, Beschäftigungsprogramme zu initiieren die in der Folge neue Arbeitsplätze schafft (z. b. Aufforsten von Wäldern)

    Die Rüstungsausgaben sind zu reduzieren und maßvolle Rückführung der Sozialausgaben (Rente, Sozialhilfe, Hartz 4, Arbeitslosengeld etc.) dabei darf die Grundversorgung nicht gefährdet werden.

    Die Rückführung der Subventionen ist deutlich schwieriger, weil diese im Rahmen der „Globalisierung“ und der weggefallenen Zölle eingeführt wurden.

    Die Ausgabenseite muß aber deutlich langsamer wachsen als die Einnahmenseite, das führt zwar zu einer Dämpfung des Wirtschaftswachstums. Diese Dämpfung wird aber durch eine Senkung des Leitzinses teilweise kompensiert, weil die Nachfrage von Krediten vom Staat (größter Schuldner des Landes) zurückgeht und damit die Zentralbank die Möglichkeit erhält die Zinsen zu senken weil die Preisstabilität nicht mehr vom Staat gefährdet wird. (siehe Geldschöpfung)



  • Eine Wirtschaftspolitik wie unter den Reichskanzler Brüning ist unter keinen Umständen zu empfehlen. (Kurzversion: Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen)


    Leider wird diese Politik derzeit von Griechenland, Spanien und Irland verfolgt weitere Länder werden folgen.

    Es ist dann auch kein Wunder das sich in diesen Ländern sich die Rezession sich verschärft und der „Exportmotor“ anspringt.

    Wir konnten bis 1933 unser Außenhandelsdefizit deutlich reduzieren!

    Die Politische Destabilisierung wird billigend im Kauf genommen.

    Die Rolle des Staates in der Volkwirtschaftlichen Formel ist einfach zu groß wenn dieser Faktor in einer Volkswirtschaft spart (wirkliches Sparen) werden die andern Faktoren in dieser Formel auch sparen.

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