Bessere Arbeitsbedingungen gefordert
Ärzte gehen auf die Straße

Mit bundesweiten Protesten und Warnstreiks hat der Ärzteverband Marburger Bund am Mittwoch den Druck auf öffentliche und kommunale Arbeitgeber verstärkt. Gefordert werden höhere Gehälter und geregelte Arbeitszeiten für Klinikärzte in Deutschland.

HB BERLIN. „Wir brauchen endlich einen eigenständigen Tarifvertrag für Ärzte, der ein anständiges Einkommen sichert“, sagte Verbandschef Frank Ulrich Montgomery am Mittwoch am Rande der Protestveranstaltung in Hamburg. In den vergangenen zehn Jahren hätten Ärzte einen Reallohnverlust von 7,5 % erlitten. „Das sind die Ärzte nicht mehr bereit hinzunehmen.“ Unter anderem in Düsseldorf, Berlin, Göttingen, Mannheim und Leipzig fanden nach Angaben des Marburger Bundes Demonstrationen und Aktionen mit mehreren tausend Teilnehmern statt. In Hamburg streikten rund 2000 Ärzte an Uniklinik und Landeskrankenhaus.

„Wir fordern eine deutliche Erhöhung der Grundvergütung um 30 %“, sagte auch der Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes, Armin Ehl, auf einer Pressekonferenz in Berlin. „Die heutigen Ärzteproteste sind eine deutliche Warnung insbesondere an die Vereinigung kommunaler Arbeitsgeberverbände“, erklärte Ehl weiter. Im europäischen Vergleich hätten deutsche Ärzte das niedrigste Einkommen. „Französische und britische Kollegen verdienen bis zu 200 % mehr.“ Dies führe zu einer anhaltenden Auswanderung deutscher Klinikärzte, von denen schon mehr als 6000 im Ausland arbeiteten. „Immer weniger Ärzte sind bereit, in der Knochenmühle Krankenhaus zu arbeiten“, sagte er. Im Tarifvertrag müsse auch die Vergütung sämtlicher Überstunden und Bereitschaftsdienste verankert sein, fügte Ehl hinzu. Weitere Forderungen seien geregelte Arbeitszeiten, langfristige Verträge, weniger bürokratische Tätigkeiten und an Universitätskliniken die Anrechnung von Forschung und Lehre als Arbeitszeit.

Nachdem mit den Ländern bereits erste Tarifverhandlungen stattgefunden hätten, fordert der Marburger Bund auch die Kommunen zu Gesprächen auf. „Das heute sind Warnstreiks“, sagte Marburger-Bund-Chef Montgomery. „Aber wir können uns durchaus vorstellen, in eine echte Streiksituation einzutreten.“ Der Marburger Bund vertritt rund 90 000 der insgesamt 146 000 Krankenhausärzte.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) bezeichnete die Protestaktionen der Ärzte als „falsches Signal für den sozialen Frieden im Krankenhaus“. Die Forderung des Marburger Bundes nach 30 % Gehaltssteigerung sei vor dem Hintergrund der unzureichenden Finanzausstattung der Kliniken völlig abwegig, teilte der DKG mit. Der Hauptgeschäftsführer der Marburger Bundes Ehl wies dies zurück. „Die Ärzte haben Jahre lang auf Teile ihres Gehalts verzichtet.“ Die unteren Gehaltsgruppen von Krankenhausbeschäftigten hätten prozentual größere Lohnererhöhungen erhalten. „Von daher treten wir nur für unsere berechtigten Forderungen ein“, fügte er hinzu.

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