Besseren Dialog gefordert
Sudetendeutscher Tag: EU-Abgeordneter lobt «Pioniere des Ausgleichs»

Das Pfingstwochenende ist traditionell Treffpunkt Zehntausender Sudetendeutscher. In Augsburg hat die bayerische Sozialministerin Stewens eine eigenständige Anerkennung von Vertreibungsrunrecht gefordert.

HB BERLIN. Mit der Verleihung des «Europäischen Karls- Preises» der Sudetendeutschen Landsmannschaft an den tschechischen Alt-Bischof Josef Koukl ist am Samstag der 56. Sudetendeutsche Tag eröffnet worden. Dem 78-jährigen früheren Bischof von Leitmeritz (Heute: Litomerice) wurde die Auszeichnung für seine Verdienste um die Aussöhnung zwischen Tschechen und Deutschen zuerkannt. Koukl habe «Brücken der Versöhnung» in christlicher Nächstenliebe gebaut, sagte der Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe, Johann Böhm, bei der Laudatio in Augsburg.

Das zweitägige Treffen der Sudetendeutschen steht unter dem Motto «Vertreibung überwinden - Ausgleich schaffen». Nach Angaben der Organisatoren werden rund 50.000 Teilnehmer in Augsburg erwartet. Hauptredner wird am Pfingstsonntag Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sein.

Der Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt, bezeichnete in seiner Eröffnungsrede die Sudetendeutschen als «Pioniere des Ausgleichs» für eine bessere europäische Zukunft. Das Vertriebenentreffen sei keine rückwärts gewandte Veranstaltung, sondern wolle Brücken in eine hoffnungsvolle Zukunft schlagen, ohne alte Wunden aufzureißen. Die Sudetendeutschen seien für die europäische Verfassung und strebten ein europäisches Volksgruppenrecht an.

Die Vertreibung von Millionen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg muss nach Ansicht Bayerns als eigenständiges Unrecht klassifiziert werden. «Es darf nicht weiter Übung bleiben, das Unrecht der Vertreibung nur im Zusammenhang mit deutschen Kriegsverbrechen zu sehen und damit beiseite zu legen», erklärte Sozialministerin Christa Stewens. Nach Angaben ihres Ministeriums forderte die CSU-Politikerin «Gerechtigkeit gegenüber den 15 Millionen deutschen Heimatvertriebenen durch die Anerkennung des Vertreibungsunrechts als eigenes Unrecht».

In Europa habe man es mit einer geteilten Erinnerung zu tun, sagte die Ministerin. Es fehle ein kollektives Gedächtnis für die Erfahrungen aller Opfer von Massenunrecht und Vertreibung. Notwendig sei ein besserer Dialog mit den Nachbarn, nicht ein Schweigen der Regierungen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%