Beste Noten für deutsche Grundschulen
Dem Pisa-Schock folgt der Iglu-Ruck

Nach der jahrelangen Kritik an der deutschen Schule zeichnen sich jetzt erste Fortschritte ab. Deutschlands Grundschüler können sich mit ihren Leistungen beim Lesen und Textverständnis im weltweiten Vergleich leicht verbessern. Nach der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Iglu-Studie 2006 belegen sie Rang elf unter 35 Nationen und zehn Regionen.

HB BERLIN. Wie am Abend vorzeitig bekannt wurde, gehören die 15-jährigen Deutschen laut der neuen Pisa-Studie beim Umweltwissen und in Naturwissenschaft zur internationalen Spitzengruppe. Sie landen auf Rang 13 von 57 Staaten, berichtet die spanische Lehrerzeitung „Magisnet“. Dies deckt sich mit Informationen der Deutschen Presse- Agentur dpa. Bei der Pisa-Studie 2003 lag Deutschland noch auf Platz 18. Laut OECD sind aber beide Tests wegen ihrer geänderten Aufgabenstruktur nicht vergleichbar. Finnland konnte seinen ersten Rang erneut behaupten.

Bei Iglu gibt es bei den Viertklässlern sowohl Verbesserungen bei der Leseleistung insgesamt wie auch bei der Förderung von Risikoschülern und Migrantenkindern. Die Studie belegt allerdings erneut die fehlende Chancengleichheit beim Übergang von der Grundschule ins Gymnasium. Hier haben die Probleme noch zugenommen.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte zu den Ergebnissen, kein anderes Land in Europa habe in der vierten Schulklasse „ein so hohes Leseniveau wie Deutschland.“ Die Resultate seien eine Ermutigung für weitere Bildungsreformen. Kultusminister- Präsident Jürgen Zöllner (Berlin/SPD), sieht darin den Beweis, dass sich Engagement für eine bessere Schule lohne. Die Nachteile von hochintelligenten Arbeiterkindern beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium bezeichnete er als „Herausforderung“.

Laut Iglu fällt es Zehnjährigen aus der Oberschicht immer leichter, selbst bei weit unterdurchschnittlichen Leistungen eine Empfehlung ihrer Grundschule für den Besuch des Gymnasiums zu erhalten. Von einem Kind aus einem einfachen Arbeiterhaushalt werden dafür dagegen immer höhere Leistungen verlangt.

Die umstrittene Schullaufbahnempfehlung hat seit dem deutschen Pisa-Schock 2001 in mehreren Bundesländern wieder erheblich an Bedeutung gewonnen. Der deutsche Iglu-Koordinator Wilfried Bos warnte davor, dies den Grundschullehren anzulasten. Dies sei vielmehr ein „institutionelles Problem“. In Großstädten sollten einige Gymnasien zu Ganztagsschulen umgewandelt werden und sich für mehr Förderung öffnen.

Iglu testet nicht nur das Lesevermögen sondern vor allem die Fähigkeit, aus dem Gelesenen Schlüsse zu ziehen. In Deutschland wurde der Test im Frühjahr 2006 an 397 Schulen gemacht. Insgesamt nahmen daran 7900 Viertklässler teil.

Dabei schafft es die deutsche Grundschule laut Studie recht gut, am Ende der vierten Klasse insgesamt ein hohes Leseniveau zu erreichen. Der Anteil der „Risikokinder“ wird mit 13,2 Prozent als „vergleichsweise gering“ ausgewiesen. Gegenüber 2001 sank er. Nur Hongkong und die Niederlande haben einen noch geringeren Anteil.

Mit einer Gesamtleistung von 548 Punkten (2001: 539) liegt Deutschland im oberen Viertel der 45 Iglu-Teilnehmer. Doch nur jeder Zehnte in Deutschland (10,8 Prozent) gilt als Spitzenleser. Dies sei „unbefriedigend“. Internationale Spitzenreiter sind Russland (565 Punkte) und Hongkong (564), die Schlusslichter Marokko (323) und Südafrika (302). Bei Russland gibt es allerdings einige statistische Probleme.

In Deutschland haben Kinder aus „bildungsnahen Elternhäusern“ mit 67 Punkten einen deutlichen Leistungsvorsprung vor Kindern aus „bildungsfernen“ Familien. Der Vorsprung ist zwar gesunken - laut Studie aber immer noch deutlich größer als im Mittel der anderen Teilnehmer. Überall lesen Mädchen besser als die Jungen.

Bei Pisa liegt Deutschland in Naturwissenschaften mit 516 Punkten deutlich hinter dem Weltbesten Finnland, der 563 Punkte erreicht. 30 Punkte entsprechen nach Lesart der Pisa-Forscher dem Lernfortschritt von einem Schuljahr. Nach Finnland folgen Hongkong, Kanada und Taiwan. Österreich erreicht mit 511 Punkten Platz 18 (vorher 23). Dagegen fällt die Schweiz vom 12. auf den 16. Rang. Die Pisa- Ergebnisse sollen offiziell erst am 4. Dezember präsentiert werden.

Die Naturwissenschaften sind erstmals Pisa-Schwerpunkt. Dazu war das gesamte Aufgabenspektrum umgestellt und vor allem Umweltwissen in den Mittelpunkt gestellt worden. Damit kam man auch deutschen Wünschen entgegen. (Internet: www.ifs.uni-dortmund.

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