Bestseller-Alarm

Guttenberg-Buch stürmt die Verkaufscharts

Das Guttenberg-Comeback ist schon jetzt ein großer Erfolg – zumindest wirtschaftlich gesehen. Sein Buch „Vorerst gescheitert“ stürmt die Verkaufscharts. Das politische Echo hingegen ist verheerend.
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Guttenberg-Buch im Handel

DüsseldorfViel wurde darüber geschrieben, ab heute liegt es in den Buchhandlungen: 208 Seiten dick, in einem leuchtend roten Einband und für 19,99 Euro zu haben. „Vorerst gescheitert“ heißt das Buch, in dem Giovanni di Lorenzo Deutschlands gefallenen Polit-Star Karl-Theodor zu Guttenberg interviewt. Drei Tage lang haben sich der Chefredakteur der Zeit und der ehemalige Verteidigungsminister in ein Londoner Hotel zurückgezogen, und einen der märchenhaftesten politischen Aufstiege sowie einen der brutalsten Abstürze aufgearbeitet, die das Land je erlebt hat.

Schon jetzt kann man sagen: Der Aufwand hat sich gelohnt: Für den Chefredakteur der Wochenzeitung allemal, denn er konnte sein Blatt mit dem Exklusiv-Gespräch aufmachen und gleich mehrere Seiten mit Auszügen daraus füllen. Und auch beim Herder-Verlag ist man glücklich: 80.000 Exemplare ließ das Freiburger Verlagshaus für die erste Auflage drucken, ein Großteil davon war bereits vor der Veröffentlichung von Buchhändlern oder Online-Kunden vorbestellt worden. Auf der Bestseller-Liste des Online-Händlers Amazon schoss das Buch am Dienstag auf Platz vier vor, bei den politischen Büchern belegt es bereits Rang eins.

„Mit der Nachfrage sind wir sehr zufrieden“, bestätigte eine Herder- Sprecherin auf Anfrage von Handelsblatt Online. Zahlen, wie der Verkauf im Handel angelaufen ist, veröffentlicht der Verlag zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Man werde die ersten Verkaufstage beobachten und dann zügig entscheiden, ob und wann eine zweite Auflage erscheine. „Wenn nötig, bekommen wir das sehr schnell hin“, sagte die Sprecherin.

Wirtschaftlich gesehen ist der Comeback-Versuch des frühren Verteidigungsministers ein großer Erfolg, auch die mediale Aufmerksamkeit ist dem früheren CSU-Hoffnungsträger gewiss. Ob sich das sorgfältig inszenierte Comeback des neun Monaten von der Bildfläche verschwundenen Guttenbergs allerdings auch politisch für ihn auszahlen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt zumindest zweifelhaft. Denn Guttenberg nutzte das Buch auch, um die eine oder andere offenen Rechnung zu begleichen. Die Opposition, die eigene Partei und das ganze politische System – ihnen allen verpasst der Freiherr eine Abreibung. Selbst vor der Universität Bayreuth, die sich in der Plagiats-Affäre lange vor  ihren berühmten Doktoranden gestellt hatte, macht Guttenberg nicht halt.

Doch die Gescholtenen lassen das nicht auf sich sitzen – holen zum Gegenschlag aus. Es sei kein guter Stil, „wenn alles und jeder herabgesetzt wird, um selbst erhöht zu werden“, watschte der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer Guttenberg in der vergangenen Woche ab und bat ihn höhnisch, die „Wortgirlanden zu beenden“ und Rücksicht zu nehmen auf die Tausenden, die sich in deutschen Parteien täglich für die Zukunft des Landes engagierten.

„Entweder er lügt, oder er hat einen Realitätsverlust erlitten.“
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16 Kommentare zu "Bestseller-Alarm: Guttenberg-Buch stürmt die Verkaufscharts"

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  • Wie man aus gequirlter Sch ... noch Gold machen kann - da muß jeder Alchemist vor Neid erblassen.

  • Aber auch nur weil bei jeder Eheschliessung dem Paar ein Exemplar auf's Stammbuch gelegt wurde!

  • Sie haben in gewisser Weise schon recht, wenn Sie Bohlen einen geistigen Tiefflieger nennen. Nur dieser Bohlen hat seine Millionen zu meist selbsterarbeitet und nicht wie KT geerbt.

    Insofern gebührt dem Bohlen etwas mehr Achtung.

  • "mein Kampf" war früher auch ein Renner. Ha.

  • Sehr treffender Kommentar,
    http://www.tagesschau.de/inland/guttenbergrueckkehr104.html
    warum dann eigentlich "sein" Buch, di Lorenzo hat es anscheinend
    geschrieben, oder?

  • Vorerst gescheitert. Was soll das heissen? Woran ist er gescheitert? Und was war sein Ziel?

  • Was ist daran verwunderlich?

    Die Leute haben ja auch das Buch des geistigen Tiefliegers Bohlen gelesen.

    Offensichtlich herrscht ein großes Interesse an gedrucktem geistigem Ausfluss.

  • Ja, ja, jedes andere Volk der Welt ist viel gescheiter ... Mensch Leute, mag man zu dieser Niederschrift stehen wie man will, aber die Dummheit haben beileibe nicht nur die Deutschen für sich gepachtet.
    Ich werde dieses Buch gewiss nicht lesen, kann's nicht haben, wenn sich jemand als das arme Schaf darstellt und versucht, die eigene Schuld abzuwälzen und vor allem schlägt mir das mangelnde Unrechtsbewusstsein dieser Herrschaften auf, die sich ihres Erachtens zu unrecht so massiv in der Kritik sehen.

  • Verschafft diesem Lügenbaron doch die Möglichkeit im "Echo der Frau" oder im "Goldenen Blatt" die Schwiegermütter zu verzücken.

    Jeder normale Schwiegersohn wäre in vergleichbaren Fällen fristlos gekündigt worden, hätte eine Sperrfrist vom Arbeitsamt bekommen und sähe sich wohlmöglich noch Schadensersatzansprüchen gegenüber...aber Hauptsache die Haare liegen und die Krawatte hängt schön gerade.

    Mir fällt dazu nur ein, das man manchmal gar nicht so viel fressen kann, wie man kotzen möchte...

  • Nach den jetzigen Reaktionen aus "seiner" Partei gibt also doch eine berechtigte Hoffnung, dass wir in Zukunft vor diesem Schaumschläger verschont werden.

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