Besuch bei Renate Schmidt
„Dagegen hat kein Kandidat eine Chance“

Zwei Mal wollte Renate Schmidt den Posten, um den Christian Ude kämpft: doch vergeblich. Die ehemalige Bundesfamilienministerin weiß, was Ude hat, was sie nicht hatte – und warum die SPD es in Bayern so schwer hat.
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Nürnberg„Es ist noch nichts entschieden“, sagte Christian Ude, der SPD-Ministerpräsidenten-Kandidat in Bayern gestern auf einer Wahlkampfveranstaltung in Nürnberg. Und Frank-Walter Steinmeier, der SPD- Fraktionsvorsitzende, sagte es noch deutlicher: „Wir können viel mehr Stimmen holen, als die Umfragen sagen.“ Denn die sind alles andere als gut: Unter 20 Prozent sehen sie den Münchener Oberbürgermeister und die SPD in Bayern zurzeit.

Auch wenn Wahlumfragen nur Momentaufnahmen sind: Es sieht nicht gut aus für den Herausforderer von Horst Seehofer. „Ich glaube, er wird deutlich mehr als 20 Prozent schaffen“, sagt Renate Schmidt, Ex-Bundesfamilienministerin. Doch für den vielbeschworenen Wechsel würde das – mal wieder – nicht reichen. „Zur Zeit sieht es nicht danach aus“, gibt Schmidt zu.

Zwei Mal wollte Renate Schmidt das, was Christian Ude jetzt versucht: Für die SPD auf den Ministerpräsidenten-Sessel in Bayern. Schmid war populär und beliebt in Bayern, so wie heut Ude, der seit zwanzig Jahren Oberbürgermeister Münchens ist. Und doch hat es nicht gereicht. Woran liegt es nur, dass gegen die CSU niemand eine Chance hat?

„Was keiner so richtig begreift, ist die Ausnahme-Situation der Bayern-SPD im Vergleich zu anderen Bundesländern.“ Denn die SPD in Bayern trete nicht nur der CSU als regionaler Partei entgegen, sondern auch als Bundespartei. „Wenn der CSU-Vorsitzende etwas sagt, ist das bundesweit präsent. Auch die Medien berichten bundesweit, sagt der Vorsitzende der Bayern-SPD etwas, dann ist das nur in Bayern von medialer Bedeutung.“ Wie zum Beispiel beim Thema Maut.

Dann sind da noch die finanziellen Mittel: Die CSU bekommt Mittel für Europa-, Bundestags- und Landtagswahl, die SPD nur für die Landtagswahl. „Das hat zur Folge, dass die SPD personell einer fünffachen Übermacht der CSU entgegensteht. Gegen diesen strukturellen Mangel hat kein Kandidat eine Chance.“

Die Situation vor der Wahl zwischen damals und heute ist nicht viel anders als 1994 und 1998, als Schmidt antrat. Auch heute gibt es einen Ministerpräsidenten in Bayern, der beliebt ist. Auch heute geht es Bayern gut, es gibt es nur wenige Angriffspunkte für die Opposition.

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„Seehofer hat keinen Plan“

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  • „Ich bin Ex-Politikerin“, sagt Schmidt. „Ich halte nicht viel davon, wenn sich „ehemalige Größen“ zu sehr einsetzen. Das verstellt die Sicht auf die, die heute an der Spitze sind.“

    Was ist dann der Grund für Ihr Interview? Sie macht alles andere als sich raushalten...oder sehe ich das falsch?

  • @framu
    So ist es und Frau Schmidt hat recht. Sie müssen nur Ihre Perspektive etwas erweitern und dann verstehen, was gemeint ist.
    Der Natur ist es völlig Wurscht, welche Lebewesen oder überhaupt, existiert. Wieviele Arten sind schon ausgestorben?
    Dem Kosmos ist es auch völlig Wurscht, ob überhaupt unsere Erde weiterhin existiert. Es gibt noch unendlich viele Sternen, Planeten. Also, nehmen Sie sich nicht für so wichtig.

  • Die Ansichten von Renate Schmidt kommen möglicherweise bei den germanophoben Grünen (von Fischer bis Roth) gut an, aber kaum in Bayern:

    Zur Frage "Sterben die Deutschen aus?" erklärte sie in einer Hörfunkdiskussion des Bayerischen Rundfunks am 14.3.87 völlig ungeniert: "Die Frage, die Sie hier stellen, das ist für mich eine, die ich an allerletzter Stelle stelle, weil dieses ist mir, also so wie sie hier gestellt ist, verhältnismäßig wurscht."

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