Besuch in Frankreich
Weber auf Werbetour in Paris

Beim Vortrag des Bundesbank-Chefs interessierte der Redner fast mehr als die Rede. Axel Weber hielt an der Seine einen Vortrag über die Euro-Krise – und blieb sich trotz einer Charme-Offensive inhaltlich treu.
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PARIS. Es sollte kein Heimspiel werden. Da konnten die Lüster im Speisesaal des deutschen Botschafters noch so heimelig leuchten. „Wenn man Ihren Lebenslauf so anschaut, dann beeindruckt sicher Ihre akademische Karriere. Doch Erfahrung als Zentralbanker hatten Sie bis zu Ihrer Berufung an die Bundesbank-Spitze nicht.“

„Herzlich willkommen“ klingt anders. Mit kühlen Worten führte Moderator Nicolas Beytout, Chef der Zeitungsgruppe Les Echos, den Vortragsgast ein: Bundesbank-Chef Axel Weber war am Mittwoch eigens an die Seine gereist, um über die Euro-Krise zu referieren.

Für die Pariser Finanzszene war die Person Weber aber mindestens so wichtig wie das Vortragsthema des Abends. Daher zwängten sich mit Michel Pébéreau (BNP Paribas) und Frédéric Oudéa (Société Générale) gleich zwei Chefs von Frankreichs Großbanken auf die goldenen Klappstühle. Denn der kräftige Mann mit der Kurzhaarfrisur könnte ja der nächste EZB-Chef werden. Gelesen haben sie viel über ihn, kennen tun ihn nur wenige. Nach der kühlen Begrüßung schob Weber als Erstes sein Redemanuskript zur Seite. „Ich werde meine Rede deutlich verkürzen“, fing er an. Und ging in die Image-Offensive.

Etwa mit einem Zitat des französischen Noch-EZB-Chefs Jean-Claude Trichet: „Der Euro ist unser Schicksal“, damit wollte er gleich zu Beginn Zweifel an der deutschen Euro-Treue zerstreuen.

Anschließend attackierte Weber das Vorurteil, seine Bundesbank sei eine ideologisch halsstarrige Trutzburg. „Die Bundesbank hat sich stets gegen Konjunkturprogramme ausgesprochen“, erklärte er. „Aber nach dem Lehman-Kollaps haben wir sie befürwortet. Wie Sie sehen, kommt es also auf die Einzelsituation an.“ So einmal in Fahrt, hofierte er das Publikum. „Deutschland hat von Frankreich gelernt“, sagte Weber, dessen Ton freundlich-sachlich, nie besserwisserisch klang. So habe Deutschland zu lange geglaubt, dass die Stabilität der Euro-Zone allein mittels stabiler Staatsfinanzen zu erreichen sei. Frankreich dagegen habe viel früher darauf gedrängt, auch makroökonomische Ungleichgewichte im Auge zu behalten.

Trotz der Charme-Offensive blieb sich Weber inhaltlich treu: „Stabiles Geld ist ohne stabile Staatsfinanzen nicht zu haben.“ Er bekräftigte auch die Forderung, dass private Investoren an Rettungskosten beteiligt werden müssen. Die Kommunikation hierzu müsse aber verbessert werden, um die Märkte nicht zu verunsichern. „Verunsichern Sie aber nicht die Märkte, indem Sie offen die EZB-Beschlüsse kritisieren?“ lautete denn auch eine der kritischen Fragen aus dem Plenum. Weber entgegnete ungerührt: „Es ist mein Job, die Haltung der Bundesbank öffentlich zu erklären.“ Und erlaubte sich etwas Keckheit: „Vielleicht ist hier die Diskussionskultur in unseren Ländern unterschiedlich.“

Und seine persönlichen Ambitionen? Einen anderen Job als seinen wolle er nicht. Weber schob aber listig nach: „Lassen Sie uns nicht über die Zukunft fantasieren.“ In Sachen EZB-Kandidatur muss er auf jeden Fall weitere Überzeugungsarbeit leisten. Bei seinem Besuch in Paris wurde er nicht von Staatspräsident Nicolas Sarkozy empfangen.

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