Besuch in Guttenberg: „Unser Minister wird angegriffen“

Besuch in Guttenberg
„Unser Minister wird angegriffen“

Trotz Plagiatsvorwürfen hat Karl-Theodor zu Guttenberg viele Bewunderer. Wer die leidenschaftlichsten finden will, muss in das Heimatdorf des Ministers fahren, das auch seinen Namen trägt. Ein Besuch in Guttenberg.
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GuttenbergTrotzig erhebt sich das Schloss über dem Berg. Vom Tal aus ist die Größe hinter den hohen Bäumen allenfalls zu erahnen. Die Flagge weht an diesem trüben, eiskalten Februartag, und wer hinter den Mauern der weiß getünchten Festung wohnt, so viel wird klar, dem kann nichts aus der Welt da draußen etwas anhaben.

Schloss Guttenberg, tief im oberfränkischen Wald. Bewohnt seit dem 12. Jahrhundert von den Guttenbergs. In der Ortschaft Guttenberg zu Fuße des Schlosses steht ein steinernes Guttenberg-Denkmal. Den Schlossherrn, Baron Enoch zu Guttenberg, sieht man gelegentlich seinen Hund ausführen oder in seiner Kutsche bei der Jagd. Hier ist alles Guttenberg. Eine Szenerie wie aus der Zeit gefallen.

Ob der „KT“ gerade da ist? Die wenigen Untertanen im Ort, die auf der Straße unterwegs sind, wissen es nicht oder sagen es nicht. Auf Besucher sind sie schlecht zu sprechen. Denn die Welt da draußen ist gerade in Aufruhr.

Ziel des Aufruhrs ist der berühmteste Sohn des Dorfes, Karl-Theodor zu Guttenberg, Bundesverteidigungsminister und Superstar. Der Mann, den sie hier einfach „KT“ – auf Fränkisch: „Kadee“ – nennen, soll bei seiner Doktorarbeit abgekupfert haben. Journalisten und Wissenschaft, politische Gegner und Neider feuern aus allen Rohren.

Wer aber die leidenschaftlichsten Fans des Polit-Stars sucht, der findet sie hier, in 95358 Guttenberg nahe Kulmbach, Oberfranken. Das Dorf hat knapp 600 Einwohner, liegt am Hang, hat einen Laden und eine Gaststätte, und wenn man nicht aufpasst, ist man durchgefahren, bevor man es bemerkt hat.

 „Die sollen ihn nicht an den Pranger stellen, diese Idioten“, sagt Sabine Ruckriegel mit fränkisch-gerolltem „r“ und stemmt die Hände in die Hüften. „Das können Sie genauso schreiben“. Die energische Frau, braune Haare, Arbeitskleidung Karohemd und Trachten-Lederhose, arbeitet in der „Frankenfarm“ und hat den „KT“ schon häufiger bedient. Anspruchslos sei dieser, begnüge sich mit einem Salat, und gebe jedem die Hand.

Was ist mit dem Vorwurf, er habe bei seiner Doktorarbeit abgekupfert? „Interessiert es, was er mal geschrieben hat, oder was er heute tut?“, fragt Frau Ruckriegel.

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Womit die Leute den KT aufziehen

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Ein einsamer Kritiker

Kommentare zu " Besuch in Guttenberg: „Unser Minister wird angegriffen“ "

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  • Dieser Betrüger soll sich zum Teufel scheren!
    Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht,
    auch wenn er dann die Wahrheit spricht!

  • Unabhängig von der Beliebtheit des Herrn von und zu G., muss eine Täuschung geahndet werden. Aber hier bleibt abzuwarten was die Kommission in Bayreuth entscheidet und selbst dann muss sich KT eventuelle Konsequenzen selbst überlegen.
    Was mir an der Sache jedoch gewaltig stinkt, ist die Tatsache dass Politik nicht mehr der Dienst am und für das Volk ist, sondern lediglich das Suchen schwarzer Schafe beim politischen Gegner und das Anprangern desselben.
    Das ist ein Vorwurf dem sich Politiker aller coleur schuldig machen! Hier muss ein Umdenken stattfinden!

  • man achten seine (KT) aktuellen Erfolge nicht, nicht seine Vergangenen. Am liebsten wäre es einigen, er würde sich jetzt von der Brücke stürzen. Wo dann ein großen Gottesdienst statt finden kann, in dem jeder Betroffenheit zeigt und fragt, wie konnte das nur passieren...

    Es lebe der Neid und die Missgunst....

    Zum Glück kann ich diese unseriöse "Hexenjagt" abstellen.

    Herr KT: Was nicht tötet härtet ab in diesem Sinne alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

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