Besuch in Iran
Ex-Kanzler als Türöffner

Ob es sich um Gespräche mit der Führung in Russland, China oder mit arabischen Herrschern handelt - als politischer Privatmann oder Handelsreisender redet Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder mit wem und was er will. In Iran kritisiert Schröder die Leugnung des Holocaust - und trifft "ganz privat" fast die gesamte Führungsspitze des Landes.

BERLIN. Die Grenze von "Privatleben" und "politischer Sphäre" war bei Gerhard Schröder schon nicht einfach zu ziehen, als er noch Bundeskanzler war. Am Wochenende hat der SPD-Politiker allerdings bewiesen, dass die Abgrenzung auch dreieinhalb Jahre nach Ende seiner Amtszeit noch schwierig ist. Denn eigentlich besuchte Schröder auf "private Einladung" des in Hannover lebenden, im Iran geborenen Neurochirurgen Madschid Samii den Iran - wie übrigens auch der Chef des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer. Aber dann hat Schröder dort für mehr politische Furore gesorgt als amtierende Bundesminister mit ihren Reisen. Denn während andere Iran-Touristen ausgiebig Sehenswürdigkeiten bewundern, traf der Altkanzler am Samstag und Sonntag kurzerhand fast die gesamte politische Führungselite des Landes - als erster westlicher Politiker seit Jahren.

Selbst der im Westen wegen seiner Holocaust-Leugnung als Paria angesehene Präsident Mahmud Ahmadinedschad empfing Schröder - weshalb es prompt Proteste vom Zentralrat der Juden, den Grünen und dem CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden hagelte. Doch Schröder wäre nicht Schröder, wenn er sich davon beeindrucken ließe. Schon mehrfach hat er seit 2005 betont, wie sehr er es genießt, ohne politisches Amt mehr Freiheiten zu haben. Abstecher zur Führung in China, Russland, zu arabischen Herrschern oder Syrien Präsidenten? Kein Problem, als politischer Privatmann oder Handelsreisender in Sachen Energie redet Schröder, mit wem er will.

Nur eines war in Teheran bemerkenswert anders: Noch vor dem Treffen mit Ahmadinedschad hat der Altkanzler vor der Industrie- und Handelskammer Klartext geredet: "Der Holocaust ist eine historische Tatsache. Es macht keinen Sinn, dieses einmalige Verbrechen, für das Hitler-Deutschland verantwortlich gewesen ist, zu leugnen", betonte Schröder. Beim Thema Holocaust hört auch für ihn jeder Spaß auf.

Und dann schickte Schröder hinterher, dass diese "unnötigen Diskussionen" nur von der zentralen Frage ablenkten, wie die Sicherheit aller Staaten der Region gewährleistet werden könne. Kein Wunder, dass die Treffen mit Präsidentschaftskandidat Mohammed Chatami, dem Parlamentspräsidenten Ali Laridschani und dem früheren Präsidenten Haschemi Rafsandschani entspannter verliefen als mit dem Amtsinhaber.

Dass ihm die Iraner einen großen Bahnhof boten, zeigt deren Durst nach internationaler Anerkennung. Aber auch hier hatte Schröder vor allem einen Hinweis parat - den auf die einmalige Chance, nach dem Regierungswechsel in den USA wieder in die Weltgemeinschaft zurückzukehren. Nur müsse Teheran dafür ernsthaft auf das Gesprächsangebot über eine rein friedliche Nutzung der Atomenergie eingehen.

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