Besuch in Italien: Wulff stolpert in eine Krise - aber es ist nicht seine

Besuch in Italien
Wulff stolpert in eine Krise - aber es ist nicht seine

Für die Affären des Bundespräsidenten interessiert sich in Italien keiner - dafür ist die eigene Staatskrise zu drängend. Da darf Wulff den Staatsmann geben - und studieren, welchen Einfluss ein Präsident haben kann.
  • 3

RomItalien meint es gut mit dem Bundespräsidenten. Kein Gesprächspartner spielt auch nur an auf die Probleme, die Christian Wulff zu Hause hat. Das gehört zum diplomatischen Protokoll, hängt aber auch damit zusammen, dass Italien im Moment sehr stark mit sich selbst beschäftigt ist. Mitten in den Besuch des deutschen Staatsoberhauptes platzt die Nachricht, dass die Ratingagentur Moody’s neben anderen EU-Staaten auch Italien wieder herabgestuft hat, von A2 auf A3. Die Begründung: „Wachsende Finanzrisiken und Unsicherheiten, die aus der Krise der Eurozone entstehen.“ Es gebe ein signifikantes Risiko, dass es die italienische Regierung nicht schafft, die Sanierungsmassnahmen durchzuführen.

Da taten die warmen Worte gut, die beim Staatsdiner in Rom fielen. Die beiden Präsidenten Wulff und Giorgio Napolitano betonten in ihren Tischreden, dass man die Schuldenkrise nicht allein über rigide Sparprogramme lösen könne. Wachstum und Beschäftigung müssten gefördert werden, auch wenn die Sanierung der Staatshaushalte natürlich unabdingbar sei. Nur auf Sparen und Einschnitte im sozialen Netz zu setzen, wäre „sehr gefährlich“, sagten beide und Napolitano fügte noch hinzu: „Wir tragen unseren Teil dazu bei, um die Krise der Eurozone zu überwinden.“

Während der Autokonvoi durch die Straßen der kalten, aber schneelosen Stadt von Termin zu Termin jagte, wurde vor und nach den Begegnungen mit Premier Mario Monti, den Chefs der Parlamentskammern und den Parteiführern  weiter unter Hochdruck gearbeitet. Monti will die Reform des Arbeitsmarktes vorantreiben - neben den Liberalisierungen, über die gerade im Senat verhandelt wird, das wichtigste Reformvorhaben der Regierung.

Deshalb wird in der italienischen Presse überhaupt nicht über Wulffs Probleme in Berlin berichtet, aber viel über die Äußerungen Napolitanos. „Es ist wichtig, dass die Reform des Arbeitsmarktes als Mittel zur Steigerung der Produktivität gesehen wird, die leider seit Jahren in Italien stagniert“, sagte Napolitano bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Wulff.

Wie in Deutschland hat das Staatsoberhaupt in Italien nur sehr wenig Macht. Und dennoch haben Napolitanos Worte Gewicht, weil der 86jährige großes Ansehen in Italien hat und schon zu Zeiten Berlusconis Italien mit Besonnenheit und immer deutlichen Worten durch die Krise geführt hat. Er war derjenige, der in enger Absprache mit EZB-Präsident Mario Draghi, als der noch Gouverneur der Banca d’Italia war, und dessen Vorgänger Jean-Claude Trichet in den schwärzesten Stunden für Italien das Schlimmste abgewendet hat und im November in Rekordzeit ohne Wahlen die Technokraten-Regierung von Mario Monti installiert werden konnte. 

Ganz im Gegensatz dazu Bundespräsident Wulff, der sich so tief in seine persönliche Amigo-Affäre verstrickt hat, das er in Deutschland nur noch als Politiker in eigener Sache wahrgenommen wird und die Aufhebung seiner Immunität fürchten muss. Nachrichten über den Präsidenten Wulff schlagen keine Wellen mehr, allenfalls Parodien über die unglückliche Figur in Schloss Bellvue - wie diese Paradie des Sat1-Komödianten Oliver Kalkofe über das historische TV-Interview Wulffs.

Seite 1:

Wulff stolpert in eine Krise - aber es ist nicht seine

Seite 2:

Zurück zum Geschäft - wenigstens in Italien

Kommentare zu " Besuch in Italien: Wulff stolpert in eine Krise - aber es ist nicht seine"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Thema Brüsseler Institutionen

    Warum macht der Bundespräsident im Ausland Innenpolitik gegen die Kanzlerin? Ist der Populist noch ganz normal?!

  • Sicherlich könnte Wulff Fehler gemacht haben. Aber keine einzige Anschuldigung bezieht sich auf die Zeit als Bundespräsident. Man stochert in seiner Vergangenheit nach. Und langsam fragt man sich, weshalb manche Medien diese Pressemobbing veranstaltet. Und wie kommen sie an diese Informationen, wo bleibt der Datenschutz?

  • Tja der Bundespräsident hat sich halt selbst in Dl zur Parodie gemacht...
    Vor allem auf You-Tube findet die Belustigung und Ironie kein ENDE....

    http://youtu.be/iQKIVO_8kqQ

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%