Besuch in Lindau
Gates fordert mehr deutsche Entwicklungshilfe

Im Handelsblatt-Interview lobt der 55-jährige frühere Microsoft-Chef den deutschen Beitrag zur Entwicklungshilfe. In Zukunft erwartet er jedoch mehr.
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LindauEr geht selbst mit gutem Beispiel voran und gibt Milliarden, um den Armen und Benachteiligten auf der Welt zu helfen. Doch damit gibt sich Bill Gates, einer der reichsten Männer der Erde, nicht zufrieden. Unermüdlich setzt sich der Gründer des Softwarekonzerns Microsoft dafür ein, dass auch Andere ihren Wohlstand teilen. Es sei dringend geboten, dass Deutschland mit gutem Vorbild voran gehe und die Entwicklungshilfe aufstocke, sagte der 55-Jährige im Gespräch mit dem Handelsblatt.

„Deutschland hat die gesündeste Wirtschaft Europas“, deshalb müsse das Land mehr tun, so der Amerikaner. Zwar seien auch die 0,36 Prozent der Wirtschaftsleistung beachtlich, die derzeit in die Entwicklungshilfe fließen. Es sei jedoch wichtig, dass die Bundesrepublik so schnell wie möglich das Uno-Ziel von 0,7 Prozent erreiche. Würde Deutschland diese Marke nicht mehr anstreben, so könnten auch andere Nationen davon abrücken, fürchtet Gates. Wenn alle reichen Staaten 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geben würden, könnten sämtliche Kinder der Welt gegen lebensbedrohliche Krankheiten geimpft werden.

Gates engagiert sich in der von ihm und seiner Frau gegründeten „Bill & Melinda Gates-Foundation“. Die Stiftung hat vergangenes Jahr 2,6 Milliarden für wohltätige Zwecke ausgegeben. Am heutigen Sonntag ist der Ex-Manager in Lindau, um mit Medizinnobelpreisträgern und Nachwuchswissenschaftlern zu diskutieren. Für Gates ist eine bessere medizinische Versorgung der Schlüssel, um das Leben von vielen Millionen Menschen vor allem in Afrika und Asien zu verbessern.

 

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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  • Vielleicht ist es auch eine Anmaßung zu glauben, dass wir die afrikanische Wirklichkeit ändern können oder müssen. Beruht die Arbeit der Helfer nicht auf einer Selbsttäuschung? Haben denn alle die besondere Kompetenz, um den Afrikanern zu helfen sich aus der dauerhaften Abhängigkeit von ausländischem Beistand zu befreien? Warum wird den Afrikanern immer wieder eingeredet, dass sie ihre Probleme nicht selbst lösen können? Bill Gates sollte die Ursachen der Armut nicht vergessen. Gerade besonders engagierte und leistungswillige junge Menschen sehen in ihren Ländern keine Perspektiven.Viele Regierungen in Afrika haben noch nicht verstanden, dass man ein Land nicht entwickeln, solange die wirklichen Eliten das Land verlassen und die Kreativität der einen Hälfte der Bevölkerung unterdrückt wird. Letzteres ist der Fall, solange es keine Gleichberechtigung für die Frauen gibt. Es sollte für die Regime ein Anlass zur Sorge sein, wenn die Staatsbürger zu Zehntausenden das Land verlassen. Stattdessen sind sie froh, wenn die Unzufriedenen gehen oder fordern gar das Recht auf Migration, denn mit dem Export der Arbeitslosigkeit werden auch die eigenen Entwicklungsanstrengungen weniger dringlich.Solange afrikanische Regime nicht erkennen, dass sie selbst für ihre Bevölkerungen verantwortlich sind, werden auch mehr Milliarden aus dem Westen nicht helfen. Mehr Geld bedeutet nicht mehr Entwicklung-- im Gegenteil.Der Business der Barmherzigkeit muß gestoppt werden, den alternden Herrschaftscliquen muss die Kontrolle über den Geldfluss entzogen werden.
    Volker Seitz, Botschafter a.D. und Autor "Afrika wird armregiert"

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