Besuch in Stralsund
Bush buhlt um „Freundin“ Merkel

Händeschütteln, Kirchenbesichtigung, Grillfest: Der erste Tag im Wahlkreis von Angela Merkel verlief ganz nach dem Geschmack von George W. Bush. In Stralsund setzte der US-Präsident seine Charme-Offensive gegenüber der Kanzlerin fort, lobte sie geradezu euphorisch. Doch Bush war nicht bei allen erwünscht: Vor Beginn des offiziellen Programms gab es Protestaktionen – und eine Sicherheitspanne.

HB STRALSUND. Das hat George W. Bush sicherlich gefallen: Winkende Schüler mit amerikanischen und deutschen Fähnchen bei strahlendem Sonnenschein, neben ihm seine „Freundin“ Angela Merkel, die er kurz nach dem Verlassen der gepanzerten Limousine erstmals mit Küsschen rechts und links begrüßt hatte. „Are you good?“ („Geht's Euch gut?“), rief der US-Präsident auf dem Marktplatz von Stralsund einer Gruppe von - angesichts so viel präsidialer Bürgernähe leicht überraschten - Pennälern und ihren Lehrern zu. Und: „Nice to meet you“ („Nett, Euch zu treffen“).

In der Hansestadt setzte Bush seine schon vor Monaten begonnene Charme-Offensive gegenüber Merkel, und im Grunde gegenüber ganz Deutschland, mit Vehemenz fort. So als wolle er die Erinnerung an die Spannungen mit Deutschland aus der Zeit des Irak- Krieges wegwischen. Schon in Washington im Januar und Mai hatte er Merkel umgarnt. Jetzt, in ihrem Wahlkreis, ließ er vor der mittelalterlichen Kulisse des Rathauses und der Nikolaikirche weiteres Lob für die deutsche Regierungschefin folgen, die erstmals bei einem großen Termin von ihrem Mann Joachim Sauer begleitet wurde.

Sie sei eine „großartige Bundeskanzlerin“, sagte er in seiner kurzen Rede. Er sei „sehr stolz, sie einen guten Freund nennen zu können“. Politische Beobachter weisen gleichwohl darauf hin, dass Bush wegen des Ausfalls oder der Schwächung anderer wichtiger Bundesgenossen in Europa besonders intensiv um Merkel buhlt.

Das ausgewählte Publikum, das sich da zur Begrüßung Bushs eingefunden hatte, war - abgesehen von den Schülern und rund 100 Soldaten der nahen Marinetechnikschule - eine wohlsituierte Gesellschaft, die sich auch beim Endspiel eines Tennisturniers treffen könnte. Viele Herren trugen Anzüge, einige Damen Hüte, und alle erwarteten geduldig und voller Spannung auf Bierbänken den Präsidenten und die Kanzlerin.

Der US-Präsident an der Ostsee

Als beide dann mit dem versteinert wirkenden SPD- Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff, die Rednerbühne betraten, brandeten Beifall und Jubel auf, wurden Fähnchen geschwenkt. Dass es momentan in vielen Ecken der Welt im wahrsten Sinne des Wortes brennt, besonders im Nahen Osten - daran dachte auf dem Platz in diesem Augenblick kaum einer.

Erst bei einer späteren Unterredung im Amtszimmer des Stralsunder Oberbürgermeisters wurde es ernster. Ein Hauptthema der war dabei der Streit um das iranische Atomprogramm. Nachdem die Uno-Vetomächte und Deutschland sich entschlossen hatten, den Konflikt erneut an den Sicherheitsrat zu überweisen, forderte Merkel das Regime in Teheran noch einmal zur Kooperation auf. Sollte das Land nicht auf den Vorschlag der internationalen Staatengemeinschaft eingehen, müssten andere Wege eingeschlagen werden, sagte Merkel. Eine deutliche Warnung an die Islamische Republik.

"Die Tür ist nicht zu", versicherte die Kanzlerin jedoch zugleich. Es handele sich um ein fundamentales Angebot, das zum Ziel habe, Iran den Besitz von Atomwaffen zu untersagen und gleichzeitig für das Wohl der Bürger Irans zu sorgen.

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